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Felix Magath im Gespräch : „Es geht nur noch um Unterhaltung und Verkaufen“

Felix Magath beobachtet von außen: „Welche Macht gibt die Vereinsführung einem Trainer?“ Bild: AP

Felix Magath betrachtet die Bundesliga mittlerweile aus kritischer Distanz. Ein Gespräch über seinen Leistungsanspruch, die Macht der Kommunikation, Pep Guardiolas langen Hebel und den Zweifel am langfristigen Erfolg der Jugendtrainer.

          Keiner hat mehr aktuelle Bundesligaklubs trainiert als Felix Magath: sieben von achtzehn. Jeweils von einem Abstiegsplatz aus führte der frühere Mittelfeldstar den HSV in den Uefa-Cup, Bremen ins Pokalfinale, Frankfurt zu einer der wundersamen Rettungen der Liga-Geschichte und Stuttgart in die Champions League. Mit den Bayern gewann der gebürtige Aschaffenburger, für Eigenwilligkeit und hartes Training bekannt, zweimal das Double, mit Wolfsburg die Meisterschaft.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die beiden letzten Stationen bei Schalke und abermals Wolfsburg, wo er jeweils in Doppelfunktion als Trainer und Manager agiert hatte, brachten Magath öffentliche Kritik wegen angeblicher Allmachts-Ansprüche und übermäßiger Transferaktivität ein. Nach dem Intermezzo als erster deutscher Trainer der Premier League, das beim FC Fulham mit dem Abstieg endete, sieht der sechsfache Vater die Bundesliga mit kritischer Distanz – und sich selbst, mit 62 Jahren, als Alternative zum grassierenden Jugendwahn.

          Zuletzt gab es Berichte, Magath würde zum japanischen Klub Sagan Tosu wechseln. Ein schon feststehendes Engagement dementierte er am Samstag. „An eine Einigung mit einem japanischen Verein kann ich mich jetzt nicht erinnern“, sagte er im Sender Sky. „Ich war drei Tage dort, habe mir das angesehen und mit den Verantwortlichen Leuten auch verhandelt.“ Es seien gute Gespräche gewesen, ob sie zu einer Zusammenarbeit führen, sei noch unklar.

          Herr Magath, vom aktuellen Standpunkt aus: Wie beurteilen Sie die Bundesliga?

          Mich stört als Sportler, wie sehr das Sportliche bedeutungsloser wird und die Kommunikation alles bestimmt. Die Nachricht, oftmals nur die Schlagzeile, ist heute wichtiger als die Sache. Es geht nur noch um Unterhaltung und Verkaufen. Alles wird schöngeredet und positiv dargestellt, jedes kritische Wort vermieden. Wenn man aber einen Leistungsanspruch hat, kommt man ohne Kritikbereitschaft nicht aus.

          Diesen Leistungsanspruch haben Sie noch?

          Selbstverständlich. Eine Frage der Mentalität. Wenn ich als Schüler den Bus verpasst hatte, bin ich die Kilometer zur Schule gerannt und habe mir dabei immer vorgestellt, ich renne für Deutschland  - und habe dann natürlich in meiner Vorstellung alle anderen abgehängt. Diesen Leistungsgedanken werde ich nie verlieren. Nur irgendwo Trainer zu sein, um mitzuspielen, diesen Gedanken habe ich nicht. Ich will Erfolg, ich will Titel, dafür arbeite ich. Mein Anspruch war immer hoch.

          Sie haben in der Öffentlichkeit ein Image als „Quälix“, als „Medizinball-Magath“, als wortkarger Eigenbrötler.

          Ich habe keine Lust, mich jeden Tag rechtfertigen zu müssen. Ich bin jemand, der mehr über die Dinge nachdenkt als redet. Ich will Spieler entwickeln und mit meinen Mannschaften Erfolg haben. Das ist mein Antrieb, mein Ziel, das habe ich immer erreicht. Aber auch hier zeigt sich die Verschiebung der Wahrnehmung. Heute nimmt scheinbar die Kommunikation einen bedeutenderen Stellenwert ein.

          Fühlen Sie Ihre Leistung nicht genügend gewürdigt?

          Wenn solche Dinge - Leistung, Entwicklung und Erfolg - nicht gewürdigt werden, wird es für jeden Trainer schwierig.

          Sie sagen, Sie wollten Spieler entwickeln. Bei Ihren letzten Stationen ist eher der Eindruck entstanden, dass Sie Spieler lieber kaufen und verkaufen.

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