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Felix Magath zu Schalke : Der Allmächtige zieht gen Westen

  • -Aktualisiert am

Keine Zukunft beim VfL Wolfsburg: Trainer Felix Magath verlässt den Klub im Sommer Bild: dpa

Die Champions-League-Aussicht reicht nicht: Trainer Felix Magath wird Bundesliga-Tabellenführer Wolfsburg am Saisonende verlassen und von 1. Juli an bei Schalke 04 auf der Bank sitzen. Dort arbeitet er gleichzeitig als Manager - mit Vertrag bis 2013.

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          In Wolfsburg war am Mittwoch längst nicht mehr die Frage, was aus Felix Magath wird. Das wussten ja seit Tagen alle Beteiligten. Auch ohne irgendwelche erhellenden Sätze von ihm. In Wolfsburg ging es am Mittwoch darum, wer ihm folgt - als Trainer des VfL, aber auch als Profi des VfL zum FC Schalke 04. Ob Christoph Daum, Mirko Slomka, Huub Stevens oder Frank Rijkaard: Jede Menge Namen werden genannt, wenn es um den Wolfsburger Übungsleiter 2009/10 geht. Was aber wird aus den vor einem Jahr noch unbekannten Helden des Aufstiegs wie Dzeko, Benaglio, Grafite, Misimovic, Schäfer, Gentner, Josué?

          Sie sind alle von Magath nach Wolfsburg gelotst worden. Die bange Fanfrage lautet: Wird der Allmächtige sie jetzt mit in den Westen nehmen? Magaths Sätze, der VfL stehe gut da und habe die Leistungsträger alle lange an sich gebunden, mochte da niemanden beruhigen. Der relative Wert von Verträgen ist ja erst in dieser niedersächsisch-westfälischen Wechselgeschichte wieder sichtbar geworden. Auch die freien Fußballmanager der Republik dürfen ihre Unterlagen nun an die VfL Wolfsburg Fußball-GmbH senden (aber nicht mehr zu Händen Herrn Felix Magath). Es gibt eine Vakanz für die Herren Hochstätter, Müller, Bobic, Kreuzer und Co.

          „Es gibt gute Gründe für meine Entscheidung“

          Zu den Fakten, weg von den Spekulationen: Am Mittwochmorgen informierte Magath seine Mannschaft. Kurz vor zwölf trat er in Wolfsburg vor die Presse und verlas ein Statement. Magath, immer ein Freund der Medien, blieb bei seinem vorläufigen Wolfsburger Ende viele Antworten auf offene Fragen schuldig. Zu hören waren nur die üblichen seidenweichen Phrasen, die danach klangen, als hätte keiner keinem weh getan, als folge Magaths Abschied nur einem logischen Lebensplan des 55 Jahre alten Aschaffenburgers. Kein Wort vom Kompetenzgerangel zwischen dem dreifachen Magath und Aufsichtsrat Poetsch, kein Wort von Differenzen beim Gehalt oder bei den zukünftigen Investitionen durch Volkswagen.

          In den vergangenen zwei Jahren war Magath als Trainer, Manager und Sportdirektor in Wolfsburg sehr erfolgreich

          Magath las: „Es gibt gute Gründe für meine Entscheidung. Aus meiner Sicht sind die Ziele erreicht, die ich zu Beginn meines Engagements mit dem VfL-Aufsichtsrat vereinbart habe. Es war geplant, die Mannschaft nach oben zu bringen und dort zu halten. Es war für niemanden vorherzusehen, dass uns das innerhalb von nur zwei Jahren gelingt.“ Auch will Magath aus seinen Trainer-Lehr- und Wanderjahren gelernt haben: „Ich glaube nicht mehr an Versprechungen, man könne im Profifußball langfristig arbeiten. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft, und da wurde mir schon öfter nach einem erfolgreichen Start später der Stuhl vor die Tür gesetzt.“ In Wolfsburg hat er seit Juni 2007 den Kader komplett umgekrempelt und mehr als 30 Spieler für geschätzte 65 Millionen Euro gekauft. Aus dem Abstiegskandidaten wurde ein Meisterschaftskandidat.

          Schalke bemüht sich um Horst Heldt

          Der FC Schalke 04 hatte unterdessen seit Wochen behauptet, erst am letzten Bundesligaspieltag bekanntgeben zu wollen, wer künftig für die sportliche Leitung verantwortlich sein würde. Doch so lange wollten sie am Ende doch nicht warten. Konnten sie auch nicht. Nachdem Magath und der VfL ihre bevorstehende Trennung bekanntgegeben hatten, war für Clemens Tönnies, den Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke, der Weg an die Öffentlichkeit frei. Hocherfreut verkündete er in der Arena, Magath werde für die nächsten vier Jahre als Cheftrainer bei Schalke arbeiten und zugleich als Manager dem Vorstand angehören. „Wir sind stolz, dass wir ihn gewinnen konnten. Felix Magath ist die erstklassige Lösung, die ich angekündigt habe.“

          Diese „große“ Lösung könnte noch größer werden. Schalke bemüht sich um die Dienste des Stuttgarter Managers Horst Heldt, der Magath entlasten soll. VfB-Präsident Erwin Staudt steht einem Wechsel Heldts ablehnend gegenüber. „Er gehört zum VfB und bleibt bei uns.“ Dennoch gibt Tönnies nicht auf, auch den Impresario, der mit den Schwaben vor zwei Jahren Meister wurde, ins Ruhrgebiet zu locken. „Unser Verein ist so groß, dass wir auch für Horst Heldt Verwendung hätten.“ Erwünscht waren auf dem Podium aber nur Fragen zur Personalie Magath. Wie befreit von einer Last berichtete Tönnies, es sei nicht leicht gewesen, ihn zu überzeugen.

          „Schalke ist eben nicht Wolfsburg“

          Da Magath „nicht sofort zugesagt hat“, sei es zwischendurch auch zu dem vielbeachteten Gespräch mit dem ehemaligen Münchner Torwart-Titan Oliver Kahn gekommen. Doch letztlich sei es gelungen, den nicht nur beim Schach rational handelnden Magath „emotional aufzuladen“, behauptet Tönnies. „Schalke ist, bei allem Respekt, eben nicht Wolfsburg.“

          Bevor die Medien informiert wurden, hatte Tönnies fünfzig Abgeordnete der Fans in Kenntnis gesetzt, vermutlich auch deshalb, weil er um deren Geduld werben wollte. Angesichts wirtschaftlicher Zwänge könnte Schalke „zunächst eine schwere Zeit“ haben. Magath sei aber einverstanden mit den wirtschaftlichen Kennzahlen, die Einsparungen vorsehen. Für die letzten vier Runden ist Tönnies zum Sympathisanten des VfL geworden: „Ich habe zuletzt immer aufgeregt auf die Tabelle geschaut. Es wäre doch ein besonderer Kick, wenn Magath Meister wird und dann zu uns kommt.“

          Felix Magath - Stationen seiner Karriere:

          Stationen als Trainer

          01.07.1992 - 30.06.1993 Spielertrainer FC Bremerhaven
          01.07.1993 - 05.10.1995 Amateur- und Co-Trainer des Hamburger SV
          06.10.1995 - 18.05.1997 Cheftrainer Hamburger SV
          08.09.1997 - 17.07.1998 1. FC Nürnberg
          20.10.1998 - 09.05.1999 SV Werder Bremen
          27.12.1999 - 29.01.2001 Eintracht Frankfurt
          24.02.2001 - 30.06.2004 VfB Stuttgart
          01.07.2004 - 31.01.2007 FC Bayern München
          01.07.2007 - 30.06.2009 VfL Wolfsburg
          01.07.2009 - FC Schalke 04

          Stationen als Manager

          1986 - 1989 Hamburger SV
          1989 - 1990 1. FC Saarbrücken
          1990 - 1992 Bayer 05 Uerdingen
          2001 - 2004 VfB Stuttgart
          2007 - 2009 VfL Wolfsburg
          2009 - FC Schalke 04

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