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Trainerwechsel in Hamburg : Magath schießt wieder gegen den HSV

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„Diese Entscheidung habe ich mit einem Kopfschütteln registriert“: Felix Magath über Hannes Wolf als neuen HSV-Trainer. Bild: AP

Schon den nun entlassenen Christian Titz kritisierte Felix Magath scharf. Nun nimmt der frühere Meister-Trainer auch gleich den Nachfolger ins Visier – und rügt den Hamburger SV für seine Wahl.

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          Der ehemalige Meister-Trainer Felix Magath hat kein Verständnis für die Verpflichtung von Hannes Wolf durch seinen ehemaligen Klub Hamburger SV. „Diese Entscheidung habe ich mit einem Kopfschütteln registriert“, sagte der 65 Jahre alte ehemalige Coach des FC Bayern München und des VfL Wolfsburg der „Bild“ (Freitag). In dem Zusammenhang kritisierte er den Trend im Profi-Fußball zum Nachwuchstrainer. „Warum seit einiger Zeit in der Bundesliga überwiegend Nachwuchstrainer verpflichtet werden, ist nur schwer nachvollziehbar. Jugend-, Amateur- und Profi-Fußball seien „drei komplett verschiedene Paar Schuhe“.

          Im Trainer-Beruf sei Erfahrung unglaublich wichtig ist. „Was denken Sie, wofür sich die Klubbosse entscheiden würden, wenn sie persönlich vor einer schweren Herz-Operation stünden? Für den jungen Arzt, der gerade mit Auszeichnung sein Studium beendet hat? Oder für den erfahrenen Arzt und Operateur, der das schon 1000-mal gemacht hat, jede schwierige Situation kennt und bereits gemeistert hat?“, meinte er. „Und der HSV ist eine permanente Operation am offenen Herzen.“

          Der Zweitligaverein hatte am Dienstag den 37 Jahre alten Wolf als Nachfolger der kurz zuvor beurlaubten Christian Titz vorgestellt. Wolf war als Nachwuchstrainer bei Borussia Dortmund erfolgreich, ehe er zum VfB Stuttgart wechselte und die Schwaben in die Bundesliga zurückgeführt hatte. Im Januar war er dort beurlaubt worden. Sein HSV-Vorgänger Titz war erst im vergangenen März vom U-21- zum Cheftrainer beim hanseatischen Traditionsklub befördert worden, hatte den erstmaligen Bundesliga-Abstieg aber nicht verhindern können. Magath hatte Titz immer wieder kritisiert. „Heute neigen Trainer dazu, uns in der Öffentlichkeit ,Märchen’ zu erzählen. Zum Beispiel, dass der Torwart 50 Meter vor dem Tor stehen soll, um ein zahlenmäßiges Übergewicht zu schaffen“, meinte er.

          Titz bedankte sich derweil bei den Fans und zeigte dabei keinerlei Missmut gezeigt. „Es war eine sehr intensive und schöne Zeit für meine Familie und mich“, schrieb der 47-Jährige bei Facebook: „Auf diesem Weg möchte ich mich für die großartige Unterstützung und die große Anzahl an Nachrichten, die mich schon erreicht haben, von ganzem Herzen bedanken.“ Er wünsche dem HSV, „dass er seine sportlichen Ziele erreichen wird“, schrieb Titz: „Die Stadt Hamburg und der HSV waren in den vergangenen dreieinhalb Jahren mein Zuhause.“ Schon in seiner Kindheit „reichte die Strahlkraft“ des Klubs „bis nach Süddeutschland“.

          Der gebürtige Mannheimer, der im März das Profiteam beim HSV übernommen hatte, war zuvor als Trainer der U-17- und U-21-Mannschaften des Klubs tätig gewesen. Den erstmaligen Bundesliga-Abstieg der Hanseaten verhinderte er nicht. Am Dienstag war Titz nach dem zehnten Spieltag mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Saisonziel der Hamburger, die mit dem teuersten Kader der Liga-Historie im Unterhaus angetreten waren, ist der direkte Wiederaufstieg. Nach zehn Spielen belegte der HSV nur Rang fünf. Dennoch hatte Titz’ Aus beim Bundesliga-Gründungsmitglied bei vielen Fans für Unmut gesorgt. Als Trainer Nummer 19 seit 2008 soll nun Hannes Wolf der Bundesliga-Aufstieg mit dem HSV gelingen.

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