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Felix Magath im Gespräch : „Mein Image - ein ausgemachter Unsinn“

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Felix Magath - eine Reizfigur mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein Bild: dpa

Mal leise, mal ziemlich laut: Felix Magath ist ein Trainer der polarisiert. Im F.A.Z.-Interview spricht der Coach des VfL Wolfsburg über die Vorzüge von Ingwer-Tee, naive Fußballprofis und seine Meister-Ambitionen.

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          Sie trinken gerade einen Ingwer-Tee, treiben regelmäßig Sport und sollen außerdem bei Ihrer Ernährung viel Wert auf Bio-Produkte legen. Brauchen Sie das für Ihr Wohlbefinden, auch als Gegenpol zur Dauerbelastung als Trainer?

          Ich bin da nicht extrem. Aber ich erlaube mir schon den Luxus einer gesunden Ernährung. Ich hatte das Glück, dass meine Mutter Wert auf gesundes Essen legte. Bei ihr habe ich das früh mitbekommen, das war damals im Grunde schon biologisch. Nicht viel Fleisch, einmal die Woche Fisch, viel Gemüse. Statt Essig hat meine Mutter Zitrone über den Salat geträufelt. Das ist reich an Vitamin C. Ich habe das dann irgendwann wieder für mich entdeckt. Für mein Wohlbefinden spielt die Ernährung eine ganz wichtige Rolle. Übrigens auch Arzneimittel auf pflanzlicher Basis, davon bin ich überzeugt. Das trägt wesentlich dazu bei, dass man nicht so schnell krank wird.

          Man kennt die Schattenseiten des Trainerjobs: Stress ohne Ende, kaputte Beziehungen, sogar Alkoholmissbrauch und Burnout. Wie sehen Sie die Gefahren?

          Es gibt schon Phasen, in denen man richtig leidet. Wenn man sieht, die eigenen Planungen funktionieren nicht, wie bei uns in der vergangenen Saison, erhöht sich der nervliche Druck. Eine gesunde Lebensweise hilft, damit besser zurechtzukommen. Denn auch die Spieler achten sehr sensibel auf ihren Trainer, wie er drauf ist. Deshalb ist es wichtig, wenig Schwächen zu zeigen. Sonst kann es kompliziert werden.

          Der Fußball-Lehrer Magath ist manchmal schrecklich einsam

          Manche wundern sich, dass Sie nicht längst den Überblick verloren haben. Sie haben in fünf Jahren bei Ihren zwei Vereinen VfL Wolfsburg und Schalke 04 insgesamt fast 120 Spieler gekauft und annähernd 90 verkauft.

          Da werden jeden Tag andere Zahlen in Umlauf gebracht. Aber abgesehen davon läuft meine Trainerkarriere in der Bundesliga seit 1995 - und nicht seit 2007. Wenn wir da den Schnitt errechneten bei den Spielertransfers, würde ich zu denen gehören, die eher wenig gekauft oder verkauft haben. Zudem habe ich meine Vereine, bei denen ich beschäftigt war, in einem besseren Zustand verlassen, als ich sie vorfand - ausnahmslos.

          Stört Sie nicht das Image des kaltherzigen Spieler-Händlers?

          Es geht nicht um den Handel mit Spielern. Dieses Image ist falsch. Aber ich bin doch auch kein Zauberer, der im vergangenen Jahr nach Wolfsburg zurückkommt, 30 Spieler übernimmt, die Hand auflegt, und dann spielt die Mannschaft statt gegen den Abstieg um die Meisterschaft. Ich brauche Spieler, die zu mir und zu meiner Philosophie passen.

          Sorgt aber diese hohe Fluktuation nicht für eine unruhige Arbeitsatmosphäre im Team?

          Als ich wieder nach Wolfsburg kam, habe ich jedem Spieler eine Chance gegeben. Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich aussuchen könnten, ob sie meinen Weg mitgehen wollen. Das ist doch fair. Natürlich hatte kaum einer die Traute, mir zu sagen, dass er weg will. Aber ich merkte ja dann schnell im Training, wer wirklich mitziehen will oder eben nicht. Und dann muss man darauf reagieren.

          Wie sehen das die Spieler?

          Heute ist im Berufsleben mehr Flexibilität gefragt. Im Fußball ist das noch extremer. Spieler, die bei einem Verein unterschreiben, haben schon den nächsten Klub im Kopf. Die sehen das als Sprungbrett für die Bayern oder Real Madrid. An dieser Realität muss man sich als Trainer mit seiner Arbeit orientieren. Ich muss auch im Dienste meines Arbeitgebers mehrere Schritte weiter denken. Und mit Spielern, die sich nicht voll reinhängen für den Verein, kann ich nichts anfangen. Ich wäre ja auch unglaubwürdig gegenüber dem Rest der Mannschaft, wenn ich solche Spieler noch fördern würde. Das ist doch ganz normal. Aber in der Öffentlichkeit heißt es dann immer wieder, der Magath hat einen rausgeschmissen oder degradiert. Ein ausgemachter Unsinn.

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