https://www.faz.net/-gtm-72jl9

Felix Magath im Gespräch : „Mein Image - ein ausgemachter Unsinn“

  • Aktualisiert am

Sie haben den tschechischen Nationalspieler Petr Jiracek im Januar dem Verein Viktoria Pilsen für 3,5 Millionen abgekauft und ihn nun wieder für vier Millionen an den Hamburger SV abgegeben. Geht’s da um eine sportliche Strategie oder reine Gewinnmitnahme?

Er ist ein guter Spieler. Aber das hängt mit der Rückkehr von Diego zusammen. Ich war im Winter nicht davon ausgegangen, dass er zu uns zurückkommt. Ich habe ihm die Daumen gedrückt, dass er bei Atletico Madrid (wohin Diego verliehen war) gut spielt. Aber er hat dann keinen passenden Verein gefunden, was bedeutete, dass er wieder zum Mitglied unseres Teams wurde. Jiracek, der über gute Offensivqualitäten verfügt, wäre aber nun der falsche Partner für den noch viel stürmischeren Diego im Mittelfeld. Da brauche ich Spieler, die defensiv stärker sind. Und Jiracek hat sich dann aufgrund dieser Konstellation entschieden, den VfL zu verlassen.

Wie bauen Sie Vertrauen auf in Ihrer Mannschaft?

Vertrauen - das ist das Zauberwort. Ein Trainer muss das Vertrauen der Spieler bekommen, dann funktioniert die Mannschaft. Aber das stellt sich erst im Laufe der Zeit ein. Ich muss erst mit den Spielern zusammenarbeiten, um zu sehen, ob das funktioniert. Denn man weiß vorher nicht, wie sich ein Spieler wirklich entwickelt.

Sie hatten Diego wegen eines Fehlverhaltens schon abgeschoben. Auch Patrick Helmes wurde von Ihnen schon in die zweite Mannschaft geschickt, aber dann wieder zurückgeholt. Er sollte jetzt sogar zum Kapitän werden, wenn er sich nicht so schwer verletzt hätte. Auf welcher Grundlage arbeiten Sie mit den Spielern zusammen?

Es geht um Leistung. Ich will den Spieler in die richtige Richtung bewegen, ihn besser machen. Ich will niemanden bestrafen und bin der Letzte, der immer nur Fehler oder Schuldige sucht. Aber auch ein Klassestürmer wie Patrick Helmes musste lernen, dass es im Sinne der Mannschaft Vorgaben gibt, die ein Spieler zu akzeptieren hat.

Seine Wolfsburger - hier mit Ivica Olic - bereiten dem Trainer noch häufig Sorgen
Seine Wolfsburger - hier mit Ivica Olic - bereiten dem Trainer noch häufig Sorgen : Bild: dpa

Solche Kritik nimmt man halt auch sehr persönlich.

Das ist das Problem. Es geht aber nur um die Leistung, die Einstellung zum Beruf. Es gibt Spieler, die sind etwas naiv oder wollen das nicht verstehen. Es gibt aber auch Spieler, die sich mit der Kritik auseinandersetzen und dann eine entsprechende Reaktion auf dem Platz zeigen. Ich versuche doch nur, aus meinen Spielern richtige Profis zu machen. Nicht nur auf dem Papier. Sie sollen das Spiel wirklich professionell angehen - auf den Erfolg fokussiert.

Seit Jahren kämpfen Sie gegen das Quälix-Image an. Damit ist der Brutalo-Trainer Felix Magath gemeint, der Fußball als unbarmherzigen Auslesewettbewerb begreift. Stört Sie nicht, dass andere Trainer viel positiver wegkommen in der öffentlichen Wahrnehmung - zum Beispiel als einfühlsamer Grand Seigneur des Fußballs oder Motivationskünstler?

Was mich stört, ist, dass meine Spieler durch diese endlos wiederholte Darstellung meiner Person beeinflusst werden. Wenn ich sage, morgen gehen wir in den Wald und laufen, dann schaltet mancher Spieler doch inzwischen gleich, aha, der Magath, der macht ein Straftraining. So schreiben es ja auch die Zeitungen immer wieder. Das kann die Zusammenarbeit mit den Spielern belasten. Alles was häufig berichtet wird, bleibt hängen. Deshalb lese ich kaum eine Zeitung - zumindest das nicht, was mich, meinen Verein oder meine Spieler betrifft. Das würde nur unnütz ablenken. Als Trainer kenne ich nur einen Weg, und der resultiert aus meinen persönlichen Erfahrungen als Spieler beim HSV. Wir waren damals eine gute Mannschaft, heute behaupte ich, zwischen 1979 und 1983 die beste Vereinsmannschaft der Welt. Ich war dabei, da wurde viel erarbeitet, etwas entwickelt. Das hat bis oben geführt. Körperliche Fitness, Disziplin und Ordnung waren die Säulen des Erfolgs. Das versuche ich auch bei meiner Arbeit umzusetzen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Die menschenleere Innenstadt von Hannover Anfang April: Die Ausgangssperre ist auch ein deutliche Zeichen an die Leichtsinnigen und Gleichgültigen.

Bundes-Notbremse : Leichtsinnige, Verbohrte, Gleichgültige

Es liegt nicht am „Versagen“ von Bund, Ländern und Kommunen, dass die Notbremse überfällig ist. Es liegt an widersprüchlichen Interessen, deren Gegensätze größer, nicht kleiner werden.
Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet

K-Frage der Union : Führende CDU-Politiker werben für Laschet

Besonders deutlich stellt sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hinter den CDU-Vorsitzenden. Inzwischen ist in der Partei allerdings zu hören, es werde „eng“ für Laschet. Eine Entscheidung am Samstag wird für möglich gehalten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.