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Felix Magath : An der Grenze des Erträglichen

„In Wolfsburg weiß man, wie ich arbeite”: Felix Magath Bild: dapd

Felix Magath gilt als härtester Bundesliga-Trainer. Kompromisslos geht er seinen Weg, im Leben wie im Fußball: Als Junge fehlte ihm eine Familie, als HSV-Spieler litt er unter dem Peiniger Zebec. Die Wolfsburg-Profis wissen, welche Qual sie erwartet.

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          Felix Magath hat sich am Freitag in Wolfsburg auch kurz mit Pierre Littbarski unterhalten. Er besorgte sich von seinem Vorgänger ein paar Informationen über die Mannschaft, und Littbarski gab ihm dazu auch freiwillig noch einige Tipps. Bei dem Gespräch zwischen zwei Trainern an der Schnittstelle von Trennung und Neuanfang kamen aber auch Dinge zur Sprache, die ein bisschen unüblich sind bei der Übergabe einer Mannschaft. Littbarski hatte wenige Tage zuvor öffentlich die Methode Magath kritisiert, von der er in Wolfsburg aus den Berichten von Spielern und Verantwortlichen eine Menge mitbekommen hatte.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Und seine Kritik klang auch ein bisschen so, als ob die Nebenwirkungen des Erfolgs unter Magath so stark gewesen seien, dass sie auch diese Saison der Wolfsburger noch beeinflusst hätten, dass zum Preis von Magaths Meisterarbeit eben auch der Niedergang des VfL bis auf einen Abstiegsplatz gehöre. „Es ist doch auch bekannt, dass Felix Magaths Training und Arbeit extrem belastend und fordernd ist. Irgendwann fordern Körper und Geist Tribut. Das ist auch woanders so gewesen“, sagte Littbarski. „Bei allem Guten: Die Spieler sind dann extrem ausgelaugt. Nicht nur kurzfristig, sondern über einen längeren Zeitraum.“

          Als Magath in Wolfsburg zwei Tage vor seinem ersten Einsatz im Abstiegskampf an diesem Sonntag beim VfB Stuttgart (17.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) von seinem Gespräch mit Littbarski erzählt, nutzt er die Gelegenheit zu einer Grundsatzerklärung. Der Vorwurf, Spieler wie Material zu verbrauchen, begleitet Magath schon länger, aber erst seit seiner Zeit in Schalke dringt davon auch etwas an die Öffentlichkeit, wenngleich meist verklausuliert mit Begriffen wie „sozialer Inkompetenz“, die ihm Schalke vorgeworfen hat, oder dem vagen Hinweis vor seinem Rauswurf am Mittwoch, dass sich die Mannschaft hilfesuchend an den Aufsichtsratsvorsitzenden gewandt habe.

          Zurück an alter Wirkungsstätte: Felix Magath
          Zurück an alter Wirkungsstätte: Felix Magath : Bild: dapd

          „Es muss jeder seinen eigenen Weg finden“

          Littbarski dagegen hatte die Kritik ziemlich deutlich ausgesprochen, und so erklärte sich Magath vor seinem Wolfsburger Amtsantritt am Freitag auf der Pressekonferenz auch in eigener Sache. „Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn ein anderer Sportlicher Verantwortlicher die Dinge nicht ganz so sieht wie ich. Es muss jeder seinen eigenen Weg finden, der auch abhängig ist von seiner Persönlichkeit, von dem, was er gelernt hat, wo seine Ziele liegen. Ich für meinen Teil gehe zurück auf das, was ich erfahren habe. Und damit bin ich in den letzten Jahren ja nicht so schlecht gefahren“, sagte Magath.

          Er habe auf diese Weise alle vier Mannschaften (Stuttgart, Bayern, Wolfsburg, Schalke), die er seit 2001 betreut habe, ohne Ausnahme in den internationalen Wettbewerb geführt. „Ich denke, wenn man auf so viele positive Ergebnisse zurückschauen kann, dann kann man so schlecht nicht arbeiten.“

          Also, zurückgreifen auf das, was man erfahren hat. Zunächst einmal: Felix Magath heißt eigentlich gar nicht Felix Magath. Sein Name ist Wolfgang Felix Magath. Erst mit 15 Jahren, als er Kontakt zu seinem Vater gefunden hatte, wollte er nicht mehr Wolfgang heißen, sondern Felix. Wie sein Vater, ein Soldat der US Army, der aus Puerto Rico stammt und sich davon gemacht hatte, als er ein Jahr alt war. Seine Mutter war aus Ostpreußen vertrieben worden, und seine Kindheit als Besatzungskind in Aschaffenburg war hart.

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