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Fehlende Spieler, sprachlose Trainer : Frankfurter Kettenreaktion

  • -Aktualisiert am

Auch gegen Dortmund nicht dabei: Caio Bild: Wonge Bergmann

Fehlende Spieler, junge Aushilfen, abgesagte Partien und sprachlose Trainer – Verletzungen machen der Eintracht mehr zu schaffen als alles andere. Von den Bundesligaprofis bis zu den größten Talenten.

          Am Dienstagmorgen hat Friedhelm Funkel mal kurz seinen Beobachtungsposten am Rande des Spielfeldes aufgeben. Der Trainer der Frankfurter Eintracht hat den Trainingsplatz verlassen und sich einige Meter entfernt zu Armin Kraaz gestellt. Es gab Redebedarf. Was Kraaz – ehemaliger Profi der Eintracht, im Hauptberuf stellvertretender Leiter des Nachwuchszentrums und im Nebenjob Trainer der U 19, – gehört hat, hat ihm nicht gefallen. Denn Funkel hat für das Bundesligaspiel am Samstag den Jugendlichen Sebastian Jung angefordert. Funkel hat Kraaz erklärt, dass die Personaldecke so dünn sei, dass er keine Rücksicht auf die Belange der Jugend nehmen kann. „Ich habe das so bestimmt, weil es anders nicht geht“, sagt Funkel.

          Sebastian Jung wird im Aufgebot der Eintracht fürs das mit 51.500 Zuschauern ausverkaufte Spiel gegen Borussia Dortmund stehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der talentierte Verteidiger von Beginn an spielt, sei groß, sagt der Cheftrainer. Für Kraaz bedeutet dies, dass er im wichtigen Spiel der A-Jugend am Freitag bei den Offenbacher Kickers auf Jung verzichten muss. Für die Eintracht ist das Spiel beim Nachbarn die womöglich letzte Chance, mit einem Erfolg den Abstieg aus der Jugend-Bundesliga doch noch zu verhindern. Jung hätte „gerade in Offenbach gerne gespielt“, freut sich jetzt aber natürlich auch auf seinen möglicherweise dritten Einsatz in der Bundesliga.

          Absage gegen Darmstadt 98?

          Längst hat die Verletztenmisere bei der Eintracht auf die unteren Bereiche des Klubs übergegriffen. So musste schon das letzte Spiel der U 23 in der Regionalliga gegen Großbardorf wegen Torhütermangels abgesagt werden. Und nun ist auch das Derby der Regionalliga an diesem Samstag gegen Darmstadt 98 akut gefährdet. Wieder geht es um die Torhüter, die bei der Eintracht auf breiter Front verletzt sind. Frank Lehmann ist derzeit der einzige gesunde Torwart bei der U 23 und der U 19, gleich fünf Kollegen sind teilweise schwer verletzt.

          Kann der 34 Jahre alte Routinier Oka Nikolov, der an diesem Mittwoch wieder ins Training einsteigen will, für das Dortmund-Spiel nicht zurückkehren, muss Lehmann dort auf der Bank sitzen. Und als Folge daraus müsste das zeitlich parallel geplante Spiel der Amateure gegen Darmstadt 98 abgesagt werden – was die Eintracht in große Schwierigkeiten bringen würde, da diese Partie auf Betreiben der Polizei aus Sicherheitsgründen zur gleichen Zeit mit einem Bundesligaspiel der Eintracht stattfinden muss. „Fällt es aus, müssen wir die Begegnung in der Commerzbank-Arena nachholen“, sagt Armin Kraaz. „Katastrophal“ nennt er die Personalsituation.

          Bajramovic kann nur eine Halbzeit lang

          Nicht anders ist sie auch für die Bundesligamannschaft zu beschreiben. Funkel muss gegen Dortmund neben schon länger verletzten Spielern wie Ioannis Amanatidis oder Aleksandar Vasoski auf die gesperrten Patrick Ochs und Michael Fink sowie die verletzten Benjamin Köhler, Junichi Inamoto, Caio und Leonard Kweuke verzichten. Beim Brasilianer Caio wurde ein Abszess am Oberschenkel aufgeschnitten, ein Einsatz ist unmöglich. Stürmer Kweuke hat sich beim Training eine Hüftverletzung zugezogen. Bei genauem Durchzählen ist Funkel am Dienstag beim Training nur auf vierzehn ohne Einschränkung einsatzfähige Spieler gekommen, darunter Sebastian Jung, der für die Zukunft schon aussortierte Kreso Ljubicic und Alexander Krük, der im bisherigen Saisonverlauf noch keine Rolle gespielt hat.

          Andere wie Zlatan Bajramovic, Nikola Petkovic oder Faton Toski können höchstens für eine Halbzeit oder wenige Minuten in Frage kommen. Bajramovic traut sich immerhin zu, auch von Beginn an zu spielen. Allerdings weiß der bosnische Nationalspieler, dass er sich in den nächsten Wochen auch noch einmal einer Operation unterziehen muss. Aus dem dreimal operierten großen Zeh des rechten Fußes muss eine Metallplatte entfernt werden. „Je früher desto besser, damit ich zur neuen Saison richtig fit bin“, sagt er. Der Trainer kann in diesen schwierigen Tagen keine Rücksichten nehmen – nicht auf die nächste Saison und auch nicht auf die Amateur- und Jugendabteilung. Wenn Vorstandschef Heribert Bruchhagen sagt, dass es derzeit „keine einfache Aufgabe“ für Funkel sei, dann untertreibt er gewaltig.

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