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FC-Trainer Frank Schaefer : Macht alles anders – vor allem besser

Antreiber des Kölner Fußball-Aufschwungs: Trainer Frank Schaefer Bild: dapd

Notlösung Frank Schaefer entpuppt sich für den 1. FC Köln als Glücksfall. Statistisch ist er der beste FC-Trainer der vergangenen beiden Jahrzehnte. An diesem Freitag schließt sich für den Kölner im Spiel gegen Hannover 96 (20:30 Uhr) ein Kreis.

          An Frank Schaefer sind sie vorbeigegangen, die tollen Tage am Rhein. Eine Stippvisite zur Prunksitzung des 1. FC Köln, die musste Montag vergangener Woche sein, schließlich wollte die närrische Gesellschaft den Erfolgstrainer und seine Mannschaft sehen. Aber Straßenkarneval? Nicht mit Schaefer – am Rosenmontag und am Veilchendienstag ließ er seine Profis bei Trainingseinheiten schwitzen. Der Siebenundvierzigjährige ist zwar ein waschechter Kölner, er liebe den Karneval, sagt er, und wolle keineswegs als „Spaßbremse oder Spielverderber“ dastehen. Aber der Spaß hört für ihn dort auf, wo der Abstiegskampf beginnt. Und als Tabellenelfter der Fußball-Bundesliga, mit nur vier Punkten Vorsprung vor einem Abstiegsplatz, steckt der FC weiter mittendrin, auch wenn der Trend aufgrund der Heimstärke in den vergangenen Wochen nach oben zeigt. „Ich weiß, wie lang und schwierig der Weg noch wird“, sagt Schaefer, der den FC an diesem Freitag zum sechsten Heimsieg in Serie führen will.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gegen Hannover 96 schließt sich für den Kölner ein Kreis. Es ist das 17. Bundesligaspiel des Coaches, der nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel bei den Niedersachsen und Zvonimir Soldos folgender Entlassung vom Amateur- zum Chefcoach befördert wurde. Eigentlich nur als williger und billiger Interimstrainer vorgesehen, hat sich Schaefer als gute und günstige Lösung entpuppt. Unter seiner Führung holte die Mannschaft 24 Punkte aus 16 Spielen, was ihn zum statistisch besten FC-Trainer der vergangenen beiden Jahrzehnte macht. Doch der 1,74 Meter große Diplom-Sportlehrer, der seine Torwartkarriere wegen eines Kahnbeinbruchs früh beenden musste und schon mit 18 Jahren seine erste Jugendmannschaft beim FC trainierte, ist nur ein kleiner Genießer. Nach jedem Erfolg nimmt er sich und seine Spieler sogleich wieder in die Pflicht. „Der Trainer holt uns jeden Tag wieder auf den Boden zurück und weist darauf hin, wie gefährlich die Lage ist und dass wir weiter hart arbeiten müssen“, sagt Torhüter Michael Rensing, der in der Winterpause zum FC kam und seither einer der Garanten des Aufschwungs ist. Man müsse eben stets viel in die Spielvorbereitung investieren, hat Schaefer die spaßfreien Trainingseinheiten an den Karnevalstagen erklärt, „da ist jedes Unentschieden ein Jubeltag und jeder Sieg ein Feiertag“.

          „Das ist seine Handschrift“

          Als Soldos Nachfolger ist Frank Schaefer zu einer Art kölscher Fußballkulturbeauftragter aufgestiegen. Unter dem schweigsamen Kroaten hatte die Mannschaft zaudernd und leidenschaftslos gespielt. Der neue Mann hat der Mannschaft, auch mit Hilfe des Sportpsychologen Dr. Andreas Marlovits, neues Leben eingehaucht. Wie die Kollegen Klopp aus Dortmund und Tuchel aus Mainz verlangt Schaefer von allen Profis hohen läuferischen Aufwand, um aktiv zu verteidigen und dynamisch anzugreifen. „Dass wir nicht abwartend spielen, sondern aus der Ordnung heraus aggressiv spielen, das ist seine Handschrift“, sagt Rensing.

          Auf ein gemeinsames Ziel eingeschworen: Offensivkräfte Lukas Podolski (r) und Milivoje Novakovic

          Selbst zwei sensiblen Stars hat der Trainer Beine gemacht – und es geschafft, die zuvor nicht gerade innig verbundenen Offensivkräfte Lukas Podolski und Milivoje Novakovic auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Schaefer redete den beiden gut zu, pries ihre individuelle Klasse, machte ihnen aber auch deutlich, dass sie „ihre Qualität nur durch hohe Laufbereitschaft abrufen“ könnten. Die Ansprache hat gewirkt, für zehn der 13 Treffer in der Rückrunde zeichneten Podolski (6) und Novakovic (4) verantwortlich. Sie führten ihr Team damit zu vier mitreißenden Heimsiegen gegen Bremen, den FC Bayern, Mainz und Freiburg und auf Platz fünf der Rückrundentabelle, einen Rang hinter dem kommenden Gegner.

          Viele FC-Profis hatten schon in der Jugend mit Schaefer zu tun

          Sachlich und selbstbewusst, akribisch und authentisch, hebt sich Schaefer von seinen Vorgängern – dem dominanten Christoph Daum und dem in sich gekehrten Soldo – deutlich ab. Die Mannschaft weiß die Art des im positiven Sinne fußballverrückten Kölners zu schätzen. „Er hat ein unheimliches Fußballfachwissen, ist absolut geradeaus und ehrlich, motiviert sehr gut und stellt die Mannschaft sehr gut ein“, sagt Torhüter Rensing. Der derzeit verletzte Mittelfeldspieler Adam Matuschyk bezeichnet den Trainer gar als „emotionalen Perfektionisten“. Der Pole spricht aus langjähriger Erfahrung, hat er es doch schon in der FC-Jugend mit Schaefer zu tun bekommen; ebenso wie die Kollegen Podolski, Christian Clemens, Tanar Yalcin und Kevin Pezzoni.

          Im August geht Frank Schaefer in sein dreißigstes Berufsjahr als Fußballtrainer. Ob er auch dann noch beim 1. FC Köln Chefcoach sein wird, ist noch nicht ausgemacht. Die Vereinsführung und der Trainer werden sich erst zu Verhandlungen zusammensetzen, sobald der Klassenverbleib gesichert ist. Frank Schaefer, so viel scheint sicher, arbeitet daran wie kein Zweiter.

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