https://www.faz.net/-gtm-8ai51

Fußball-Bundesligen : St.-Pauli-Antrag: Keine TV-Gelder für Werksklubs

  • Aktualisiert am

Ein Antrag vom FC St. Pauli bei der DFL sorgt für Diskussionen. Bild: Imago

Bisher wird in den Fußball-Bundesligen das Solidarprinzip gelebt. Jeder Verein bekommt Geld aus der TV-Vermarktung. Damit soll Schluss sein – fordert St. Pauli. Die Antwort auf den provokanten Antrag ist deutlich.

          Zweitligaverein FC St. Pauli hat mit einem provokanten Antrag zu den TV-Rechten für etwas Unruhe im Lager der Fußball-Bundesliga gesorgt. Nach Informationen des Fachmagazins „Kicker“ (Montag) forderte der Kiez-Klub in einem Schreiben an Ligapräsident Reinhard Rauball und Christian Seifert, den Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), dass bestimmte Vereine von der Verteilung der Einnahmen aus der Fernseh- und Gruppenvermarktung ausgeschlossen werden sollen. Dies betrifft vor allem die Werksklubs Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim.

          „Ich bin davon enttäuscht und halte das für populistisch. Das ist ein typischer Rettig: Er macht ein bisschen auf Schweinchen schlau“, kommentierte Bayer-Sportchef Rudi Völler schmunzelnd.

          Von 2017 an wäre auch Hannover 96 betroffen. „Der Antrag ist unüberlegt und substanzlos“, sagte 96-Präsident Martin Kind der „Bild“-Zeitung (Montag). „Wir denken, dass dieser Antrag nicht mehrheitsfähig sein wird. Sollte ihm stattgegeben werden, ist die Zentralvermarktung am Ende, dann würde es eine Einzelvermarktung geben.“ Über den wohl chancenlosen St. Pauli-Antrag soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt beraten werden. Pikant: St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig war früher in gleicher Funktion bei der DFL tätig.

          Die vier Erstliga-Klubs forderten in einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag von der DFL an die Bundesligavereine geschickt wurde, den Antrag des FC St. Pauli „als unzulässig, hilfsweise als unbegründet einzuordnen.“ Wörtlich heißt es: „Mit dem Antrag auf Ausschluss unserer Klubs von der satzungsgemäß geregelten Verteilung der Vermarktungserlöse erklärt der Antragsteller die Aufkündigung der Solidargemeinschaft in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga.“

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Eine Abrechnung „der Verteilung der TV-Erlöse rein marktwirtschaftlich, ausschließlich nach Nachfrage orientiert“, würde „erheblich geringere Erlöse für die Vereine der 2. Bundesliga darstellen“. Beide Dokumente liegen dem „Kicker“ vor. Eine Aufkündigung der Zentralvermarktung käme gerade großen Klubs entgegen. Branchenprimus Bayern München könnte mit einer eigenen Vermarktung deutlich höhere Erlöse generieren.

          Bislang werden die Übertragungsrechte zentral von der DFL vermarktet. Der laufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. In dieser Saison verteilt die DFL aus der zentralen Vermarktung insgesamt 850 Millionen Euro, 170 Millionen davon (20 Prozent) gehen an die 2. Liga. „Wir sind der Auffassung, dass dieser Antrag gegen die Satzung verstößt“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Hotze vom VfL Wolfsburg der Deutschen Presse-Agentur: „Wir würden das auch für eine schädliche Entwicklung halten.“ Ohnehin halte er den Antrag nicht für mehrheitsfähig. „Für die gesamte Bundesliga wäre dies eine schädliche Entwicklung, die die Grundwerte des Erfolgs des deutschen Profifußballs in Gefahr bringen würde“, warnte VfL-Manager Klaus Allofs.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Steinbach und der Fall Lübcke : „Du trägst Mitschuld an seinem Tod“

          Nach dem Mord an Walter Lübcke hat der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber seinen Vorwurf gegenüber seiner früheren Parteifreundin Erika Steinbach wiederholt. Steinbach sieht darin eine Diffamierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.