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Ärger in Bundesliga : „Es reicht“: Schalke wütet nach Elfmeter-Aufregung

  • -Aktualisiert am

Wieder kein Sieg: Salif Sané und die Schalker sind enttäuscht. Bild: EPA

Achterbahnfahrt mit schmalem Ertrag: Schalke 04 verpasst auch in Mainz den ersten Sieg in der Bundesliga seit Januar. Anschließend toben und schimpfen die Königsblauen über den Schiedsrichter und seinen Video-Assistenten.

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          Dieser Ärger musste raus. Dafür war zu viel passiert beim Kellerduell, das schwindelerregend wie eine Achterbahnsause und furchteinflößend wie eine Geisterbahnfahrt wirkte. Mainz 05 gegen Schalke 04, Letzter gegen Vorletzter – das hätte auch ein öder Kick zweier verkrampfter Mannschaften werden können. Stattdessen bekämpften sich die Rheinhessen und die Westfalen mit offenem Visier, und dazu spielten Schiedsrichter Patrick Ittrich und sein Videoassistent Tobias Reichel ungewollt Hauptrollen. Alles in allem eine brisante Melange also, die im Ergebnis von 2:2 zwar ausgeglichene Verhältnisse im Mainzer Stadion signalisierte, dramaturgisch gesehen aber zu einem veritablen Aufreger wurde.

          Bundesliga

          Schalkes Sportdirektor Jochen Schneider, sonst ein besonnener Schwabe, zeterte nach zwei Foulelfmeterentscheidungen gegen seine Mannschaft. „Es reicht irgendwann einmal“, sagte er beim Blick auf den zweiten Strafstoß, den er als „krasse Fehlentscheidung“ bewertete. „Wir fühlen uns benachteiligt und schlecht behandelt, ich weiß nicht, was da in Köln im Moment los ist.“ Schneiders Zorn war nachvollziehbar, da sich der Mainzer Mateta und der Schalker Kabak in einem Laufduell mit den Armen so beharkten, dass man die Szene auch ungestraft hätte weiterlaufen lassen können.

          Ittrich aber piff, weil er bei Kabak ein Foul sah, nicht bei Mateta. Der Videoassistent in Köln meldete sich nicht, weil er Ittrichs Pfiff nicht als krasse Fehlentscheidung einstufte. Mateta wurde zum Nutznießer dieser Situation und ließ Torhüter Rönnow bei seinem Elfmetertreffer zum 2:1 keine Chance (45. Minute +1). Über diese Szene und andere strittige Augenblicke regte sich auch der Schalker Trainer Manuel Baum auf. Ittrich zeigte ihm die Gelbe Karte (53.).

          Nehmerqualitäten auf beiden Seiten

          Es brauchte Nehmerqualitäten auf beiden Seiten, um diesen Samstagnachmittag unter dem Strich positiv einzuordnen. Schneider gab sich bei der Beurteilung des ersten Elfmeters für die Mainzer immerhin versöhnlich, auch wenn er die eindeutige Szene – Nastasic hatte Burkardt im Schalker Strafraum gefoult – als eine „Fifty-Fifty-Entscheidung“ königsblau verklärte. Brosinski nutzte danach die frühe Gelegenheit zur Mainzer Führung (6.). Aus Strafstößen verlässlich Tore zu machen, ist seit Jahren eine Mainzer Spezialität. Seit 2013 traten Profis im 05-Trikot neunundzwanzig Mal vom Punkt an. Jedes Mal war der Ball drin.

          Dass die Begegnung der Bundesliga-Kellerkinder schließlich niemanden aus den beiden Klubs erfreute, hatte nur mit dem Endresultat, aber nicht mit dem Spiel zu tun, in dem beide Seiten Fortschritte offenbarten. Die Mainzer konnten sich mit ihrem Trostpreis, den ersten Punkt im siebten Versuch, nicht anfreunden. Trainer Jan-Moritz Lichte ärgerte sich über den schmalen Tagesertrag und darüber, „dass wir nicht die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor hatten“.

          Chancen genug gab es für weitere Treffer, denen vor allem der aus Frankfurt ausgeliehene Torhüter Rönnow im Wege stand. Auf der anderen Seite lobte Baum seine Spieler dafür, „gegen extrem viele Widerstände“ angekämpft zu haben. So versemmelte Mark Uth, der das 1:1 (36.) mit einem sehenswerten Freistoß geschossen hatte, zuvor eine große Torchance, als er frei vor Torwart Zentner den Ball nicht traf (22.). Kollege Kabak freute sich nur kurz über sein vermeintliches Tor zum 2:2 (50.), weil ihm zuvor der Ball an die Hand gesprungen war. Der Ausgleich zum 2:2 von Schalke passte zum „verrückten“ wie ansehnlichen Kampf gegen die eigenen Versagensängste: Als Torhüter Zentner eine scharfe Flanke des eingewechselten Skryzybski nach vorn abwehrte, sprang der Ball gegen das Knie des Mainzers St. Juste und von dort ins eigene Tor (82.).

          Auch an sportlichen Turbulenzen fehlte es also nicht in diesem aufregenden, an den Nerven zerrenden Spiel. Der Schalker Trainer Baum, der nach 23 sieglosen Spielen des Tabellen-Siebzehnten noch immer an seinem ersten Sieg als Nachfolger des glücklosen David Wagner arbeitet, sieht seine Spieler „auf dem richtigen Weg. Rückwärtsgewandtes Denken bringt uns keinen Schritt weiter, wir müssen vorausschauen und positiv denken“. Ähnlich optimistisch trotz aller akuten Widrigkeiten blickt auch dessen Mainzer Kollege Lichte nach vorn:. „Wir waren sehr nah dran, das Spiel zu gewinnen“, hob er hervor, „wenn wir die Abschlüsse noch konsequenter hinbekommen, können wir die nächsten Spiele vielleicht gnadenloser gestalten.“

          Auch der Schalker Sportvorstand Schneider dürfte nach zwei Wochen Länderspielpause wieder zur Optimistenfraktion gehören, wenn in Gelsenkirchen das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg angepfiffen wird.

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