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1:3 gegen Bremen : Der nächste Schalker Absturz

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Nicht nur der Schalker Mark Uth (rechts) wollte gar nicht mehr hinsehen. Bild: dpa

Nach dem 0:8 beim FC Bayern verlieren die Königsblauen auch das Duell der Krisenklubs. Ein Bremer Stürmer schießt Schalke im Alleingang ab. Und die Tage von Trainer David Wagner könnten bald gezählt sein.

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          Das Jahr 2020 ist spektakulär krisenhaft in der Fußballstadt Gelsenkirchen, nur das vielleicht gängigste Symptom des Niedergangs war noch nicht zu beobachten in dieser Zeit des Grauens: ein Trainerwechsel. Nach der erschreckend schwachen Leistung des FC Schalke am Samstagabend gegen Werder Bremen, die in einer klaren 1:3-Niederlage mündete, deutet nun vieles darauf hin, dass dieses uralte Bundesligaritual der Krisenbekämpfung der nächste Schritt werden wird.

          Bundesliga

          David Wagner findet einfach keine Mittel zur Beendigung der nunmehr 18 Spiele währenden Serie ohne Sieg in der Bundesliga, das dürfte Konsequenzen haben. „Die Frage ist, bist du Teil der Lösung oder Teil des Problems? Ich bin der Überzeugung, ich kann Teil der Lösung sein. Aber ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass die Argumente in Form von Ergebnissen fehlen“, sagte der Trainer bei Sky. Zu allem Überfluss spuckte der Verteidiger Ozan Kabak auch noch während der ersten Halbzeit auf den am Boden liegenden Bremer Ludwig Augustinsson – eine Szene, die schon während des Spiels Wellen der Empörung schlug und schon bald sportrechtliche Folgen haben könnte. „Das ist nicht schön, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist nicht Fairplay“, sagte Augustinsson.

          Es war also ein weiterer Tag zum Vergessen für alle Anhänger des ehemaligen Bundesligariesen, der schon schlimm begonnen hatte. Eigentlich hofften die Schalker dringend darauf, endlich wieder vor Publikum spielen zu können. Einige tausend Tickets waren verkauft worden. Doch in der Nacht vor dem Spiel ist der Inzidenzwert der Corona-Neuinfektionen in der Stadt doch wieder über die zur Durchführung von Zuschauerevents relevante Grenze von 35 gestiegen. Also mussten die Leute zu Hause bleiben. Alle anderen Teams haben irgendwann nach der langen Corona-Pause wieder das erhebende Gefühl erleben können, zumindest vor einem kleinen Publikum zu spielen, nur die Gelsenkirchener stecken immer noch fest im Geisterspielsumpf des Frühjahrs.

          Dann war im Vorfeld des Spiels auch noch Amine Harit positiv auf das Coronavirus getestet worden, mal wieder musste Wagner einen wichtigen Spieler ersetzen. Und als die Partie schließlich lief, dauerte es nicht lange, da lagen die Schalker nach dem furchtbaren 0:8 von München zum Saisonauftakt abermals zurück. Joshua Sargent hatte sich nach einer Ecke gut von seinem Gegenspieler gelöst, köpfte, und Niclas Füllkrug lenkte den Ball auf dem Weg zum Tor noch unhaltbar ab (22.). Trainer Wagner wirkte wie schon in München gelähmt in seiner Coaching-Zone am Spielfeldrand. Die Arme verschränkt, die Miene versteinert.

          „Wir müssen alle Häme nehmen, wir nehmen alle Kritik, die zu Recht da ist, und aus Häme und Kritik werden wir Energie erzeugen. Und diese Energie werden wir rauslassen“, hatte Wagner angekündigt. Nichts davon geschah, die Bremer, die mit einem 1:4 gegen Hertha BSC in die Saison gestartet waren, schöpften hingegen die Kraft eines kostbaren Auswärtstores. Nach einer weiteren Standardsituation – einem Freistoß aus dem Halbfeld – köpfte Füllkrug das 2:0, völlig frei war der Bremer Angreifer vor Ralf Fährmann aufgetaucht (37.). Schalke hatte vor der Halbzeit nur eine halbwegs passable Chance, einen Kopfball von Gonçalo Paciência (43.).

          Nach der Pause erlebte der alte und neue Tabellenletzte dann doch noch eine etwas stärkere Phase; die besten Minuten der bisherigen Saison. Der eingewechselte Vedad Ibisevic hatte eine wunderbare Chance, als er aus neun Metern völlig frei aufs Tor köpfen konnte, den Ball aber knapp neben den Pfosten setzte (52.). Nassim Boujellab (54.) und Ibisevic (55.) kamen zu weiteren gefährlichen Abschlüssen, aber die Schalker leiden nun mal am typischen Pech einer schweren Krise. „Das ist schwer zu erklären“, sagte Ibisevic beim TV-Sender Sky

          Ganz anders die Bremer, die nach einem schwer zu bewertenden Zweikampf zwischen Kabak und Füllkrug einen Elfmeter erhielten, den Füllkrug zu seinem dritten Treffer nutzte (59.). Damit war die Partie entschieden, und mit dem Ausfall von Kabak, der kurz vor Schluss Gelb-Rot sah, wird sich womöglich ein anderer Trainer beschäftigen müssen. Das 1:3 in der Nachspielzeit durch Mark Uth wird Wagner wohl auch nicht mehr helfen. Sein Bremer Kollege Florian Kohfeldt indes verließ das Stadion glücklich und sprach von einem „verdienten Sieg“.

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