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FC Schalke 04 : Und plötzlich ist Rangnick wieder da

  • -Aktualisiert am

Zum zweiten Mal „auf” Schalke: Ralf Rangnick wird wieder Trainer Bild: dapd

Ralf Rangnick kehrt nach Schalke zurück: Er unterschreibt einen Vertrag bis Juni 2014. Die Herrschaft Magaths soll bald vergessen sein. Der Streit zwischen dem Klub und Magath geht aber weiter.

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          Zu Horst Heldts Lieblingsausdrücken gehört das Modewort „zeitnah“. Am frühen Donnerstagnachmittag gebrauchte er diesen Begriff beinahe inflationär. Gerade erst aus dem Schatten des tags zuvor entlassenen Felix Magath getreten, kündigte der Manager des FC Schalke 04 im kleinen Kreis eine „zeitnahe“ Lösung für die Besetzung des Cheftrainerpostens an. Wie weit die Entscheidung schon gediehen war, dass sie vermutlich schon gefallen war, ahnten die Zuhörer in einem Konferenzraum der Geschäftsstelle noch nicht.

          Am Ende des Gesprächs verblüffte Heldt sein Publikum mit der Vorhersage, dass es sich wohl nur noch um Stunden handeln könne, bis er einen Namen präsentieren werde. Ein paar Minuten später bestätigte der Revierklub, was viele erwartet hatten - nur eben nicht so zeitnah. Ralf Rangnick wird neuer Cheftrainer des FC Schalke 04. Der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer unterzeichnete einen Vertrag bis 30. Juni 2014. Er wird am nächsten Montag offiziell vorgestellt.

          Damit hat der Bundesliga-Zehnte die Nachfolge Magaths binnen dreißig Stunden umfassend geregelt. Der vormals starke Mann war am Mittwochmorgen vom Aufsichtsrat als Vorstandssprecher abberufen und auch als Trainer und Sportdirektor entlassen worden. Seine Aufgaben im Management hatte der Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung Heldt zugewiesen, der seit Saisonbeginn für Schalke arbeitet, sich aber monatelang im Hintergrund halten musste, um Magaths Kreise nicht zu stören.

          Legendäre Abschiedsrunde: 2005 verabchiedete sich Rangnick schon vor seinem letzten Spiel gegen Mainz 05 von den Fans
          Legendäre Abschiedsrunde: 2005 verabchiedete sich Rangnick schon vor seinem letzten Spiel gegen Mainz 05 von den Fans : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          „Mal war er schneller, mal war ich schneller“

          Heldt hatte sich schon in Stuttgart von Rangnicks Stärken überzeugen können. Die beiden haben beim VfB zwar nicht gemeinsam gearbeitet. Doch als Heldt Sportdirektor bei dem schwäbischen Klub wurde, profitierte er von den Strukturen, die der Trainer Rangnick dort geschaffen hatte. Heldt schätzt vor allem die „ganzheitliche Herangehensweise“.

          Später begegneten sich die beiden als Konkurrenten des Öfteren auf den Nebenplätzen des Fußballs, wenn es darum ging, junge Spieler aus der Region anzuwerben. Während Rangnick im Dienste der TSG 1899 Hoffenheim unterwegs war, suchte Heldt für den VfB nach Talenten. „Das war mitunter anstrengend“, sagt Heldt. „Mal war er schneller, mal war ich schneller.“ Schon bei diesem Wettlauf zeigte sich, dass beide häufig die gleichen Vorstellungen vom Anforderungsprofil hatten, das gerade junge Spieler erfüllen müssen.

          Jetzt wollen sie gemeinsam den zweitgrößten deutschen Fußballverein neu ausrichten. Nach der Alleinherrschaft Magaths ist von dem Duo Heldt/Rangnick eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zu erwarten. Ursprünglich hatte Rangnick nach seiner Trennung von Hoffenheim in dieser Saison keine neue Stelle mehr antreten wollen. Der Reiz, nach Schalke zurückzukehren, war offenbar so groß, dass der Trainer umdachte, zumal noch attraktive sportliche Herausforderungen warten. Schalke steht im Viertelfinale der Champions League und im Endspiel des DFB-Pokals.

          Rangnick trainierte schon 2004 und 2005 „auf“ Schalke

          Beim Bundesliga-Auswärtsspiel an diesem Sonntag in Leverkusen (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) sitzt als Interimstrainer Seppo Eichkorn, einer von Magaths früheren Assistenten auf der Bank. Einen Tag später nimmt Rangnick die Arbeit auf. Während der Länderspielpause hat er Zeit, seine neue Mannschaft kennenzulernen. Den Klub kennt er gut. Rangnick arbeitete schon von September 2004 bis Dezember 2005 „auf“ Schalke, mit einigem Erfolg. Er führte die Mannschaft aus der Abstiegszone heraus zum Saisonende auf den zweiten Tabellenplatz und erreichte das Endspiel des Pokalswettbewerbs.

          Dennoch verdüsterte sich das Verhältnis zu Rudi Assauer, dem zu jener Zeit noch mächtigen Manager, der mit dem intellektuell und perfektionistisch veranlagten Rangnick nicht viel anzufangen wusste und zögerte, dessen Vertrag zu verlängern. Nach knapp fünfzehn Monaten musste Rangnick gehen. Er nahm seinen Abschied mit einer Ehrenrunde vor dem letzten Hinrundenspiel der Saison gegen Mainz 05 gewissermaßen vorweg.

          „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“

          „Das war eine emotionale Ausnahmesituation“, sagte Rangnick später und räumte ein, dass einige Spieler und der Vorstand diesen Auftritt „als Provokation aufgefasst haben“. Die meisten Fans hingegen begleiteten jene Stadionrunde mit Beifall. Emotional also ist der Boden für eine Rückkehr nach Schalke durchaus bereitet.

          Unterdessen geht der Streit zwischen Schalke und Magath weiter. Der Trainer hatte auf seine Abberufung (siehe: Fußball-Bundesliga: Schalke befreit sich von Magath) noch am Mittwoch reagiert, indem er das Arbeitsverhältnis selbst kündigte. „Von einem Schuldeingeständnis bin ich ganz weit entfernt. Ich habe mir nämlich nichts zuschulden kommen lassen“, behauptet Magath. Er spricht von einem vertraglich vereinbarten Sonderkündigungsrecht, „das ich unter diesen Umständen nutzen konnte“. Arbeitsrechtler halten es für möglich, dass er dennoch eine Abfindung erhält. Der Verein sieht sich durch Magaths Kündigung bestätigt und will keine Zahlungen mehr leisten. (siehe auch: Schalke-Kommentar: Gegenentwurf zu Magath)

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