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Bundesliga-Krisenklub : Schalke ergreift drastische Maßnahmen in der Krise

  • -Aktualisiert am

Lichtblick gesucht: Die Zeiten auf Schalke sind derzeit düster. Bild: Picture-Alliance

Der Umsatz sinkt, die Schulden steigen – und die Fehler der Vergangenheit wiegen schwer. Schalke 04 hat nicht nur sportlich große Probleme. Nun will sich der Verein neu positionieren.

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          Eine große Überraschung ist es nicht, aber nachdem die Schalker Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers am Dienstagnachmittag die Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 präsentiert hat, ist klar: Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga wird in der kommenden Saison unter schweren Lasten in der Zweiten Bundesliga um den Aufstieg kämpfen.

          Bundesliga

          Der Umsatz sank gegenüber 2019 von 275 Millionen Euro auf 175 Millionen, die Verbindlichkeiten des Klubs stiegen von 198 Millionen auf 217 Millionen. „Die Corona-Pandemie hat uns mit voller Wucht getroffen“, sagte Rühl-Hamers, die allerdings auch einräumte, dass „die Zahlen aus 2020 schon fast Vergangenheit“ seien. Denn der Blick auf Schalke geht in die Zukunft, und die ist voller Ungewissheiten.

          Rühl-Hamers, die seit dem Herbst im Amt ist und sich bei der Präsentation der Zahlen erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, beschrieb sich als Person des konservativen Wirtschaftens: „Wir geben nur das Geld aus, das wir haben, und nicht das Geld, das wir hoffentlich in Zukunft einnehmen“, sagte die 44 Jahre alte Wirtschaftsprüferin, die seit 2010 für den Klub arbeitet.

          Eine sehr konkrete Gefahr

          Das wäre ein Paradigmenwechsel zu den vergangenen beiden Jahrzehnten. Aber noch wiegen die Fehler der Vergangenheit schwer. So werden die Finanzverbindlichkeiten von 149 Millionen Euro, für die Zins- und Tilgungszahlungen fällig werden, zu einem echten Wettbewerbsnachteil. Diese Verpflichtungen, die Rühl-Hamers nicht genauer beziffern wollte, belasten den Zweitliga-Etat ebenso wie die große Unbekannte: die Spielergehälter.

          Zwar erklärte Rühl-Hamers, dass Schalke „mit dem Etat in der Spitzengruppe der zweiten Liga“ liegen werde, aber wenn beträchtliche Teile dieses Etats, der irgendwo im Bereich von 30 Millionen Euro liegen dürfte, an völlig überteuerte Spieler fließen, wird Schalke kaum um den Aufstieg mitspielen können. Und diese Gefahr ist sehr konkret. Allein der an die TSG Hoffenheim ausgeliehene Sebastian Rudy hat in der kommenden Saison das Recht auf sechs Millionen Euro Gehalt, solche Spieler muss der Klub dringend loswerden.

          Das Problem: Niemand wird Leuten wie Ralf Fährmann, Matija Nastasic oder Mark Uth ähnlich hohe Honorare anbieten wie die Schalker damals, als sie sich noch für einen Klub mit Champions-League-Ambitionen hielten. Dem neuen Sportvorstand Peter Knäbel stehen viele schwierige Verhandlungen bevor. Er wird darauf hoffen müssen, dass einige Spieler freiwillig für kleinere Gehälter für andere Vereine spielen. „Der Kaderumbau hat bereits begonnen und wird bis zum Ende der Transferperiode“ im Spätsommer andauern, sagte Rühl-Hamers.

          Zudem wurden an anderen Stellen teils drastische Maßnahmen ergriffen. Der Umbau des Klubgeländes „Berger Feld“, wird mit sofortiger Wirkung gestoppt. Ein großer Fanshop und ein Gebäude, in dem viele der 600 Mitarbeiter ihren festen Arbeitsplatz haben sollten, wird vorerst nicht gebaut. Man werde sich „auf das Kerngeschäft konzentrieren“, und das ist der Fußball, sagte Rühl-Hamers. „Der einzige Etat, der in der nächsten Saison nicht gesenkt und vielleicht sogar etwas erhöht wird, ist der der Knappenschmiede“ – das Nachwuchsleistungszentrum.

          Mehr als ein Fußballklub. Der FC Schalke 04 ist in Gelsenkirchen sehr präsent – auch in dieser sehr schweren Zeit für den Verein. Öffnen
          Gelsenkirchen und Schalke 04 : Fußball-Lachnummer am Abgrund Bild: Nico Horn & Leopold Zaak

          Die für die nähere Zukunft entscheidende Größe werden aber die Personalkosten für die Profiabteilung sein, die derzeit bei rund 80 Millionen Euro liegen und die trotz vieler weiterhin laufender Verträge auf unter 30 Millionen gesenkt werden müssen. Noch hoffen die Schalker auf Spielerverkäufe. „Es gibt bei uns werthaltige Spieler im Kader“, sagte Rühl-Hamers.

          Offen ist, ob das auch andere Vereine so sehen. Sollte der durch die Pandemie zerrüttete Transfermarkt keine Erlöse hergeben, könnten im Notfall größere Millionenbeträge durch den Verkauf von Konzernbereichen erzielt werden. Die „E-Sport“-Sparte hat einen gewissen Wert, Ähnliches gilt für das Catering. Der FC Schalke positioniert sich gerade neu. Was dabei am Ende herauskommt, ist völlig unklar.

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