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FC Schalke 04 : Mit Frühlingsgefühlen in die Winterpause

  • -Aktualisiert am

Wächst da etwas zusammen? Raul und Huntelaar Bild: dapd

Der FC Schalke erfreut sich an seinem jüngsten Aufwärtstrend - der spielerische Aufschwung aber fehlt noch. Das Ziel, bei gleichbleibendem Erfolg das Niveau zu steigern, hat der Meisterschaftszweite des Vorjahres deutlich verfehlt.

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          Was könnte das aufkommende Wohlbefinden beim FC Schalke 04 noch beeinträchtigen? Die Winterpause vielleicht. Die sportlichen Störfälle, begleitet von atmosphärischen Spannungen, haben nachgelassen. Zum ersten Mal in dieser Saison zwei volle Erfolge nacheinander in der Bundesliga, dazu der Gruppensieg in der Champions League, in der der FC Valencia nun der nächste Gegner ist – und voilà: Schalke bringt sich und seine Kritiker auf andere Gedanken.

          Ob die Spieler in langen oder kurzen Hosen, mit oder ohne Mütze trainieren, ist kein Thema mehr wie so vieles, was die Branche aufgeregt erörtert und dann wieder vergisst. Wochenlang hatte Trainer Felix Magath sich über den misslungenen Start seines neu zusammengewürfelten, überbesetzten Luxus-Ensembles grämen müssen, später über Kritik an seinem Führungsstil, und noch später über Zweifel an seiner harten Winterwelle, die neben Alexander Baumjohann und Hans Sarpei sogar einen einst etablierten Stammspieler wie Jermaine Jones in die zweite Mannschaft abgedrängt hat.

          Kommt die Winterpause zur Unzeit?

          Eine kleine Korrektur, ein bisschen Erfolg genügt, um wieder andere Fragen in den Vordergrund zu stellen. Im Heimspiel an diesem Samstag gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker), einen auswärtsschwachen Abstiegskandidaten, kann Schalke, aktuell Tabellenzehnter, zwar noch nicht das Mittelfeld hinter sich lassen, mit einem Sieg aber den Aufschwung bestätigen. Die kurzen Ferien und die anschließende Vorbereitung würden dann das zarte, frühlingshaft anmutende Erwachen des ergebnisorientierten Fußballs unterbrechen.

          Angestrebte Aufholjagd: Schalke will nach oben

          Das Schalker Spiel hat zuletzt wieder häufiger zu brauchbaren Ergebnissen geführt, wie die Siege gegen Bayern, in Lissabon und auch in Mainz gezeigt haben. Kommt die Winterpause also zur Unzeit? „Der Terminplan ist vorher klar“, sagt Magath. Warum also solle er sich von einer kurzen Pause gestört fühlen? „Ich freue mich darüber, dass wir gegen Ende der Vorrunde gezeigt haben, dass mehr in unserer Mannschaft steckt als beim Saisonstart.“ Vor allem die anfangs wackelige neuformierte Abwehr hat an Stabilität gewonnen.

          Impulsgeber Jurado gibt Rätsel auf

          Dieser Befund wird jedoch relativiert durch die Erkenntnis, dass Schalke sich überschätzt hat. Von dem spielerischen Aufschwung, den Magath zu einem Kernziel erhoben hat, ist nicht viel zu sehen, trotz Investitionen von mehr als dreißig Millionen Euro in neues Personal. Während Stürmerstar Klaas-Jan Huntelaar sein Soll erfüllt und die meisten Tore für Schalke geschossen hat, gibt der vermeintliche Impulsgeber Jurado Rätsel auf; mal glänzt er, mal trifft er sogar wie gegen Bayern und Benfica; mal muss er, wie jüngst in Mainz, nach 37 Minuten vom Platz. Das Ziel, bei gleichbleibendem Erfolg das Niveau zu steigern, hat der Meisterschaftszweite des Vorjahres deutlich verfehlt.

          Wie steht es um die Chance, Versäumtes nachzuholen und am Ende doch noch in die Spitzengruppe der Bundesliga vorzustoßen? Dass diese Frage sich, mit ein wenig Phantasie, überhaupt stellen kann, hat vor allem mit der Person Magath zu tun. Dieser Trainer steht in dem Ruf, auf ungewöhnliche Weise Ungewöhnliches zu erreichen, auch wenn niemand (mehr) damit rechnet – wie beim Gewinn der Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg. In jener Saison war der spätere Champion als Neunter in die Winterpause gegangen; allerdings war der Rückstand auf den damaligen Spitzenreiter Hoffenheim geringer, als es der auf den aktuellen Dritten Hannover nun ist.

          „Weiter nach oben, als wir jetzt sind“

          Sollten die Königsblauen Köln schlagen, hätte der Klub erst 22 Punkte, eine magere Ausbeute für eine Mannschaft und einen Trainer, die den Auftrag haben, sich abermals für die Champions League zu qualifizieren. Magath gibt einen vorsichtig optimistischen Ausblick, vermeidet es aber, konkret zu werden. „Wir wollen in der Bundesliga weiter nach oben, als wir jetzt sind.“

          Für den miserablen Start liefert er eine Erklärung. Der Grund für die schwankenden Leistungen sei „dem Umbruch geschuldet, der im Sommer begonnen hat“, sagt er. Anpassungsschwierigkeiten seien bei so viel neuem Personal normal. Für die insgesamt enttäuschende Hinrunde stehen aber auch Spieler, die wenig zum Einsatz kommen. Deac, Escudero, Plestan oder Sarpei etwa sind frisch verpflichtete Profis, die sich überflüssig vorkommen müssen – und es vermutlich auch sind.

          Kein Grund, in Hektik zu verfallen

          Wenn die angestrebte Aufholjagd erfolgreich sein sollte, dann vor allem wegen des herausragenden Torwarts. Aber bleibt Manuel Neuer über das Saisonende hinaus? Auch das ist eine der Fragen, die Schalke mehr als zuvor bewegen – noch ein Spielfeld, auf dem Magath gefordert ist, diesmal als Manager. Ob ihn diese Frage nervt, wird er gefragt in einer Phase, in der ihn viele Fragen zu stören scheinen.

          „Das nervt mich überhaupt nicht“, entgegnet Magath. Ihm habe in dieser Angelegenheit „noch niemand die Zeit gestohlen“, weil niemand eine Anfrage an Schalke gerichtet habe, sagt er. Die Laufzeit von Neuers Vertrag, bis Juni 2012, sei kein Grund, in Hektik zu verfallen. „Wir werden alles tun, um Manuel zu halten“, sagt Magath. Auch deshalb wäre es für Schalke lohnenswert, vielleicht sogar dringend geboten, den jüngsten Trend in der Rückrunde zu verfestigen.

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