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FC Schalke 04 : Keine Experimente!

  • -Aktualisiert am

Der „Trainer des Jahrhunderts”: Huub Stevens gibt gegen Hamburg sein Comeback auf der Trainerbank Bild: dpa

Nach dem missglückten Umbruch unter Magath geht Schalke auf Nummer sicher: Manager Heldt holt mit Stevens einen Trainer aus der Vergangenheit - und hofft gegen Hamburg auf die Teamfähigkeit des Holländers.

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          Als Huub Stevens beim FC Schalke 04 seine ersten Meriten als Bundesligatrainer erwarb, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler, Rudi Assauer war neben Uli Hoeneß der bekannteste deutsche Fußballmanager und der FDP-Politiker Jürgen Möllemann sprang mit dem Fallschirm über dem Parkstadion ab und landete schließlich im Aufsichtsrat des Arbeitervereins aus dem Ruhrgebiet. Diese Personalien lassen darauf schließen, dass Stevens aus einer anderen Zeit stammt, aus einer längst vergangenen Fußball-Epoche. „Als ich damals hier anfing, war ich ein Nobody“, sagt er.

          Der Anlass, diese Worte gelassen auszusprechen, kam halbwegs überraschend. In dieser Woche gab der inzwischen 57 Jahre alte Fußball-Lehrer abermals seinen Einstand beim zweitgrößten Fußballklub des Landes. Er wurde als Nachfolger Ralf Rangnicks eingestellt, der ein paar Tage zuvor wegen eines „vegetativen Erschöpfungssyndroms“ zurückgetreten war. Seitdem debattieren ganz Schalke und halb Deutschland darüber, warum der Verein diese konservative Lösung bevorzugt habe, statt das Werk des Modernisierers Rangnick von einem jungen oder wenigstens jüngeren, innovativen Trainer fortsetzen zu lassen.

          Die Frage richtet sich in erster Linie an Horst Heldt. Der Manager, der zunächst im Schatten seines Vorgängers Felix Magath gestanden hatte, sah sich binnen weniger Monate zum zweiten Mal vor der schwierigen Aufgabe, den passenden Trainer für einen Klub zu suchen, zu dem seit Stevens’ freiwilligem Abschied im Frühjahr 2002 kein Fußball-Lehrer so recht gepasst hat, außer vielleicht Rangnick, der als einziger von Stevens Nachfolgern mit einer Ehrenrunde verabschiedet wurde, obwohl er seinen ersten Vertrag auf Schalke nicht erfüllen durfte.

          Als es soweit war, konnte Heldt nicht so gut vorbereitet sein wie nach der Trennung von Magath, die sich wochenlang abgezeichnet hatte. Heldt sah sich und seine Mitstreiter „in Not geraten“. Seitdem hält so mancher Stevens’ Rückkehr für eine Notlösung. Sein einstiges Dogma „die Null muss stehen“ gilt als altbacken, zumal im Kontrast zum Angriffsfußball à la Rangnick. Heldt scheint das zu spüren. Und gerät deshalb in die Defensive, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, weil dies die von Stevens favorisierte Herangehensweise auf dem Rasen ist. Den neuen Trainer als Visionär zu verkaufen, der Rangnicks Werk fortführt, fällt schwer, auch wenn Stevens selbst behauptet, genau das zu beabsichtigen. Natürlich sagt Heldt, dass der als streng bekannte Stevens in den Gesprächen „locker gewirkt“ habe. Sie hätten „viel gelacht“ über allerlei Schalker Anekdoten, berichtet Heldt. „Da konnte Huub mir mehr erzählen als ich ihm.“

          Die Trainerfrage enthält auch eine psychologische Komponente

          Und schon ist der Punkt erreicht, wo Erfahrung plötzlich wieder wichtiger ist als alles andere – bedeutsamer als Innovation auf dem Rasen. Jedenfalls wenn die Ideallösung oder wenigstens die 1b-Variante nicht zu bekommen ist. Heldt hatte Ausschau gehalten nach jungen Trainern mit Ideen, die Rangnicks Sichtweise ähneln, „aber alle jungen, dynamischen Trainer, die in Betracht kamen, waren unter Vertrag“. Männer wie Thorsten Fink (FC Basel), Thomas Tuchel (Mainz 05) oder Mike Büskens (Greuther Fürth). Die Namen mag Heldt nicht bestätigen; er räumt jedoch ein, auch Trainer im Auge gehabt zu haben, die noch gebunden waren. Deren Verträge zu lösen „hätte sich über ein halbes Jahr hinziehen können“, sagt Heldt. „Aber wir haben nicht ewig Zeit, auf einen neuen Cheftrainer zu warten.“

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