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Bundesliga-Krise : Der beispiellose Absturz des FC Schalke 04

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Zwei Männer, eine Geste: Schalke-Trainer David Wagner (im Hintergrund) und sein Spieler Daniel Caligiuri Bild: AFP

Erst das 0:4 in Dortmund, jetzt das 0:3 gegen Augsburg: Schalke 04 ist in der Bundesliga tief in der Krise. Die Mängelliste von Trainer David Wagner ist erschreckend lang. Und die sportlichen Sorgen sind längst nicht die einzigen.

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          Die Mängelliste von David Wagner wurde immer länger. „Uns fehlen Leichtigkeit, Vertrauen, Automatismen“, gab der Trainer von Schalke 04 nach dem 0:3 (0:1)-Debakel gegen den FC Augsburg zu und ergänzte zunehmend ratlos: „Keine Torgefahr, schlechte Chancenverwertung, eklatante individuelle Fehler.“ Nach neun Spielen ohne Sieg mit 2:22 Toren sind die Baustellen beim aktuell schlechtesten Bundesliga-Klub jedoch längst keine rein sportlichen mehr.

          Bundesliga

          Der beispiellose Absturz in der Rückrunde, noch steiler und erschreckender als in der Vorsaison, hat grundsätzliche Probleme geschaffen und verschärft. Die Zweifel an Wagner wachsen: In der Hinrunde noch gefeiert, weil er den Beinahe-Absteiger in kürzester Zeit zum vermeintlichen Spitzenklub transformierte, beim ersten Geister-Heimspiel am Spielfeldrand 90 Minuten lang seltsam sprach- und bewegungslos, scheinbar mit seinem Trainer-Latein am Ende.

          Die Konsequenz ist höchst bedrohlich: Der hochverschuldete Traditionsklub, nach eigener Analyse in der Coronakrise bereits „existenziell“ gefährdet, ist dabei, zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal in vier Jahren den Europapokal zu verpassen – und seine Finanzsorgen zu vergrößern. „Man sollte nicht zu oft nicht dabei sein“, betonte Finanzvorstand Peter Peters, als er das Minus von 26 Millionen Euro im vergangenen Jahr bekannt gab.

          Nach sieben Jahren in Folge im internationalen Geschäft und den damit verbundenen dreistelligen Millioneneinnahmen verliert Schalke seit 2017 den Anschluss – sportlich und wirtschaftlich. Die Champions-League-Teilnahme 2018/19 sorgte zwar noch einmal für einen Rekordumsatz, doch die Rekordausgaben des früheren Managers Christian Heidel auf dem Transfermarkt in Höhe von insgesamt 160 Millionen Euro ließen die Schulden nicht schrumpfen.

          Mit 197 Millionen stand Königsblau zum Jahreswechsel in der Kreide, die Zwangspause wegen der Corona-Pandemie bedrohte den einstigen Champions-League-Stammgast mehr als die meisten anderen Bundesligavereine. Kein Wunder, dass die lange in der Schublade schlummernden Pläne für eine Ausgliederung der Profiabteilung jetzt wieder herausgeholt werden. Nach Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der das Thema nach dem 0:4-Desaster im Revierderby in Dortmund aufs Tapet brachte, sprach sich auch Sportvorstand Jochen Schneider für eine Strukturreform aus.

          Die Tradition müsse niemand opfern, betonte Schneider. Aber ob Schalke als einer von nur noch fünf eingetragenen Vereinen in der Bundesliga zukunftssicher sei, müsse man diskutieren. „Wir sind als Manager angestellt, nicht als Verwalter“, sagte Schneider bei DAZN: „Das ist unser Job.“ Eine Öffnung für Investoren und frisches Geld galt bei den Fans lange als rotes Tuch, doch aktuelle Umfragen zeigen, dass die Zahl der Traditionalisten sinkt.

          In Sachen Trainer sieht Schneider dagegen keinen Handlungsbedarf. Er sei von Wagners Arbeit „vollkommen überzeugt“, betonte der Sportvorstand trotz des dramatischen Absturzes, gute Klubs zeichne es aus, „Ruhe zu bewahren“. Als Schalke vor 20 Jahren zum letzten Mal neun Spiele lang ohne Sieg blieb, bewahrte der damalige Manager Rudi Assauer die Ruhe: Huub Stevens durfte zur Jahrtausendwende Trainer bleiben und machte Königsblau ein Jahr später zum „Meister der Herzen“.

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