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Hohe Risikobereitschaft : Die Gruppe der selbsternannten Schalke-Retter outet sich

  • -Aktualisiert am

2011: Als Trainer hat Rangnick Schalke schon das Fußball-Einmaleins beigebracht. Bild: dpa

Alles auf Rangnick: Nun ist bekannt geworden, wer den Fußball-Entwickler unbedingt zum Bundesliga-Krisenklub lotsen will. Doch es gibt schwere Vorwürfe.

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          Risikobereitschaft ist seit langem ein prägendes Merkmal der Vereinspolitik des FC Schalke 04. „Wetten auf die Zukunft“ bei der Budgetierung gehören zu den Hauptursachen für die schwere Gegenwartskrise. Nun ist die sogenannte Retter-Gruppe, von der am vorigen Freitag bekanntwurde, dass sie sich für eine Rückkehr von Ralf Rangnick nach Gelsenkirchen einsetzt, ins Risiko gegangen. Sie hat bekanntgemacht, welche Personen hinter den Aktivitäten stecken, und nebenbei für die Gefahr gesorgt, dass bei einem Scheitern der Rangnick-Pläne andere Kandidaten für den derzeit nur interimsmäßig besetzten Posten des Sportvorstandes abspringen. Der Leipziger Sportdirektor Markus Krösche hat bereits abgesagt, verhandelt wird mit einem zweiten Kandidaten, der sich womöglich ebenfalls distanziert. Aber die Schalke-Retter agieren aus tiefster Überzeugung.

          Bundesliga

          „Wir wollen für Schalke die bestmögliche Lösung“, sagte Ulrich Paetzel, einer der Sprecher der Gruppierung, die vor neun Monaten gegründet wurde, um Schalke auf dem Weg in eine bessere Zukunft zu unterstützen. Über private Verbindungen sei Kontakt zu Rangnick aufgenommen worden, in den folgenden Gesprächen ist dann der Eindruck entstanden, dass der 62 Jahre alte Schwabe sehr gerne wieder auf Schalke arbeiten wolle. Und „in dem Moment, wo man einen Ralf Rangnick bekommen kann, den Verein so neu aufstellen kann, darf es eigentlich keine zwei Diskussionen mehr geben“, erklärte Paetzel. Bei so einer Chance müsse man „mit allem, was man hat, nach vorne gehen und alles dafür tun, einen Ralf Rangnick zu verpflichten“.

          „Chance“ oder „vereinsschädigend“?

          Paetzel ist der Vorstandsvorsitzende des Wasserwirtschaftsverbandes Emschergenossenschaft, an seiner Seite agiert Frank Haberzettel, der Geschäftsführer des Deutschen Beamtenwirtschaftsbundes. Beraten werden sie von dem ehemaligen DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Dahinter stehen etliche weitere Unterstützer. Etwa der Bauunternehmer und Schalker Ärmelsponsor Harfid Hadrovic oder Hans Mosbacher, der Chef der Stölting Service Group, die ebenfalls einen Werbevertrag mit dem Klub hat. Der ehemalige Profi Ingo Anderbrügge sowie Bodo Menze, der seit den 1990er Jahren in verschiedenen Funktionen für den Klub arbeitete, sind ebenfalls dabei.

          Es gehe ihnen nicht um persönlichen Einfluss, sondern einzig um den Verein, erklärten sie, was Jens Buchta womöglich anzweifelt. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte das Vorgehen der Gruppe in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ zu Beginn der Woche „vereinsschädigend“ genannt. Weil die Unterstützer versucht hätten, über Sponsoren Druck auszuüben, und angeblich auf einen Austausch des gegenwärtigen Vorstandes hinwirken wollten. Frank Haberzettel wies diese Behauptungen „entschieden zurück“, und auf die Frage, ob unter diesen Umständen eine Zusammenarbeit mit Buchta möglich sei, erwiderte Paetzel: „Ja, eindeutig“. An diesem Mittwochnachmittag sollte es ein erstes Treffen geben (siehe unten). „Wir haben die große Hoffnung, dass wir ab heute Nachmittag nicht mehr übereinander reden, sondern miteinander“, sagte Paetzel.

          Geld könnte zum Problem werden

          Wirklich freundschaftlich wird es da aber eher nicht zugehen, nachdem Buchta schwere Vorwürfe gegen die Gruppe erhoben hat, deren kritische Grundhaltung gegenüber dem gegenwärtigen Aufsichtsrat in großer Deutlichkeit sichtbar ist. Der Hauptvorwurf lautet, es mangele dem Gremium an der erforderlichen Phantasie für ein ambitioniertes Wiederaufbaukonzept. Buchta hatte erklärt, er habe „Rangnick nicht angesprochen, weil wir meinten, wir könnten ihm nicht die Rahmenbedingungen bieten, wie er sie in Leipzig und Hoffenheim hatte“. Dabei hatte Rangnick Anfang des Monates in einem langen ARD-Interview eine Art Initiativbewerbung abgegeben, als er sagte: „Ich würde schon noch gerne eine schöne, große Aufgabe übernehmen. Gerne auch bei einem großen Traditionsverein.“ Klarere Hinweise auf Schalke sind kaum vorstellbar.

          An einem Angebot für Rangnick, Bundestrainer zu werden, wird das Projekt nicht scheitern, der DFB ist nicht interessiert, aber die finanziellen Abgründe des Klubs könnten tatsächlich zum Problem werden. „Wir haben an keiner Stelle Einblick in detaillierte Schalker Zahlen“, räumte Paetzel ein, dessen Koalition ohne konkrete Kenntnisse mit Rangnick über ein Budget gesprochen hat, „das im oberen Bereich der jetzigen Zweitligavereine liegen muss“. Rangnick wäre nicht der erste Vorstand, der beim Blick auf die wirtschaftliche Realität erschrocken zusammenzuckte. Wobei die Gruppe auch finanzielle Hilfen in Aussicht gestellt hat.

          Die gegenwärtige Klubführung um den vorläufigen Sportvorstand Peter Knäbel gab unterdessen am Dienstag bekannt, dass Danny Latza, der auf Schalke ausgebildet wurde und zuletzt Mannschaftskapitän von Mainz 05 war, nach Gelsenkirchen zurückkehrt, um in der zweiten Liga zu helfen. Viele Anhänger wird das freuen. Was Rangnick über Latza denkt, ist unbekannt.

          Entspannung nach Treffen am Mittwochabend

          Der Aufsichtsrat von Schalke 04 ist nach dem beim Werben um Ralf Rangnick ausgelösten Machtkampf um Entspannung bemüht. Nach einem Austausch zwischen dem Gremium und einer Interessengemeinschaft aus Politik, Wirtschaft und Vereinsumfeld am Mittwoch sei man sich einig gewesen, dass der Verein in dieser sportlich wie wirtschaftlich herausfordernden Zeit Ruhe brauche, „damit Vorstand und Aufsichtsrat als zuständige Gremien die Planungen für die kommende Saison hochkonzentriert und mit voller Kraft fortsetzen können“, sagte der Aufsichtsratvorsitzende Jens Buchta der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Damit ist der Weg für eine offizielle Anfrage an Rangnick frei. „Im nächsten Schritt wird sich der Aufsichtsrat unmittelbar mit dem Berater von Ralf Rangnick zusammensetzen, um die Möglichkeit einer Zusammenarbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu erörtern“, so Buchta weiter. (dpa)

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