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1:0 in Mainz : Der Maskenmann macht’s für Schalke

Einer behielt den Durchblick in Mainz: Kolasinac (rechts) traf für Schalke zum 1:0. Bild: Picture-Alliance

Mit dem nächsten Bundesliga-Sieg hat Schalke plötzlich die Plätze für den Europapokal vor Augen. Für Mainz sieht es dagegen nicht so gut aus. Die glücklosen Gastgeber geraten nun in Bedrängnis.

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          Wenn Christian Heidel das Hemd näher ist als die Hose, dann dürfte er sich nach dem 1:0-Sieg des FC Schalke 04 bei Mainz 05 nach einem Tor von Sead Kolasinac (50. Minute) gefreut haben. Der Erfolg beschert dem Manager der „Knappen“ schließlich etwas Entspannung und Distanz zur Abstiegsregion mit seinem aktuellen Arbeitgeber, während sein Heimatverein durch die Heimniederlage nun in immer ärgere Bedrängnis gerät. „Es ist schon etwas Besonderes für mich“, sagte Heidel nach dem Spiel in einem Sky-Interview. „Ich denke, dass es eine Energieleistung war.“

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Spiel hatte eine ganz besondere Not, da Heidel erstmals als Gegner zu seinem Herzensverein Mainz 05 zurückkehrte. 24 Jahre lang hatte er die Verantwortung für den Lizenzspielerbereich und war damit maßgeblich daran beteiligt, aus einer grauen Maus der zweiten Bundesliga einen etablierten Bundesligaverein zu entwickeln. Sein Abgang im vergangenen Jahr nach Gelsenkirchen, wo Heidel sich selbst die Tauglichkeit auch für einen anderen Standort als Mainz beweisen will, hinterließ in der Mainzer Vereinsführung ein Machtvakuum, das bislang nur im sportlichen Bereich durch die Verpflichtung von Sportdirektor Rouven Schröder gefüllt wurde.

          Darüber hinaus fehlte dem Verein in den vergangenen Monaten die ordnende Hand, die der nahezu allmächtige Heidel stets war. Die Folge war eine Vereinskrise, die nach dem Verzicht von Präsident Harald Strutz auf eine abermalige Kandidatur nur vordergründig bewältigt ist. Da wirkt es fast folgerichtig, dass der Klub nach der Niederlage gegen Schalke im ersten Jahr nach Heidels Abgang so tief in den Abstiegskampf verstrickt ist wie in den vergangenen acht Jahren nicht, in denen Mainz 05 seit dem Aufstieg im Jahr 2009 nicht einmal einen Spieltag lang auf einem Abstiegsrang positioniert war.

          So weit ist es auch nach dem 25. Spieltag dieser Spielzeit aber noch nicht. Aber der Abstand zu Relegationsrang 16 beträgt nur noch zwei Punkte. „Wir stecken jetzt mittendrin“, sagte Danny Latza mit Blick auf den Abstiegskampf. Schalke 04 wahrte hingegen drei Tage nach dem Viertelfinaleinzug in der Europa League auch in der Bundesliga bei nun nur noch drei Punkten Rückstand auf Rang sieben die Hoffnungen auf eine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb in der kommenden Spielzeit.

          Besonderes Spiel: Schalke-Sportdirektor Heidel kehrte nach Mainz zurück. Bilderstrecke
          Schalke in Mainz : Die Bilder des Siegs

          Verdient war der Schalker Erfolg in Mainz freilich nur bedingt: Die Königsblauen zeigten zwar nach der kräftezehrenden Aufholjagd im Europapokalspiel in Mönchengladbach am Donnerstag viel Einsatzfreude und verteidigten weitgehend aufmerksam und leidenschaftlich, die Mainzer gingen das unterhaltsame Spiel vor 31.000 Zuschauern aber schwungvoller und mutiger an. Sie waren sichtlich um Wiedergutmachung für die desaströse Leistung bei der 1:2-Niederlage in der Vorwoche beim Tabellenschlusslicht Darmstadt 98 bemüht, wie Trainer Martin Schmidt es unter der Woche angekündigt hatte.

          Jhon Cordoba scheiterte nach einer Flanke von Daniel Brosinski aber per Kopfball (19. Minute). Kurz vor der Pause häuften sich die Mainzer Gelegenheiten jeweils nach starken Eckstößen von Levin Öztunali. Sowohl Bojan Krkic, der erstmals seit vier Spielen wieder in der Startelf stand und wenigstens ansatzweise seine einst beim FC Barcelona nachgewiesene außergewöhnliche Begabung nachwies, als auch Danny Latza per Distanzschuss scheiterten jedoch an Torwart Ralf Fährmann.

          Schalke genügte dann eine gute Aktion, um das Spiel in der zweiten Halbzeit nach dem Wiederanpfiff für sich zu entscheiden: Guido Burgstaller legte den Ball Sead Kolasinac in den Lauf, der trotz seiner Schutzmaske die Übersicht behielt und mit seinem starken linken Fuß aus spitzem Winkel Jonas Lössl im Tor des FSV überwand (50.). „Das war klasse rausgespielt“, sagte Heidel und fügte mit Blick auf Kolasinac an: „Wenn er nach vorne geht, ist er kaum zu halten.“ Die Mainzer rannten auch anschließend mit großem Willen an, spielten sich aber keine zwingenden Chancen heraus. Schalke wiederum ging mit den sich in der Schlussphase bietenden Konterchancen vor allem durch Nabil Bentaleb sehr fahrlässig um, sodass Heidels aktueller Klub die alte Liebe des Sportvorstands wenigstens bezüglich der am Ende im Abstiegskampf womöglich entscheidenden Tordifferenz schonte.

          Zumindest Heidel sorgt sich indes ohnehin nicht um seinen alten Klub. „Es wird hier in Mainz viel zu viel über Abstiegskampf geschrieben“, sagte der 53 Jahre alte Schalker Sportvorstand. „Man muss einfach aufhören, auf die Tabelle zu schauen und stattdessen sehen, dass Mainz 29 Punkte hat und 40 braucht. Die nötige Qualität dafür hat diese Mannschaft.“ Vielleicht hat Heidel das nach dem Spiel auch seinem Mainzer Kollegen Rouven Schröder vermittelt, als sich die beiden nach dem Spiel intensiv ausgetauscht haben. Heidel kennt das Szenario des Abstiegskampfs aus seinen 24 Jahren in Mainz schließlich zur Genüge.

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