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Probleme in Kaiserslautern : Die FCK-Krise wird zum Politikum

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Bei den „Roten Teufeln“ in Kaiserslautern gibt es nicht nur sportliche Sorgen. Bild: Reuters

Das Geschäftsgebaren des 1. FC Kaiserslautern belastet den finanziell und sportlich strauchelnden Fußball-Zweitligaklub weiter massiv. Nun fordert nicht nur der Oberbürgermeister eine Aufklärung.

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          Das Geschäftsgebaren des 1. FC Kaiserslautern während der Vorstandstätigkeit von Stefan Kuntz belastet den finanziell und sportlich strauchelnden Fußball-Zweitligaklub weiter massiv. Jetzt fordern der Kaiserslauterer Oberbürgermeister sowie der Vorstand der kreditgebenden lokalen Sparkasse eine Aufklärung diverser Geschäftsvorfälle. Es ist wohl das erste Mal, dass ein Amtsträger und ein Bankenvorstand aus der Stadt derart deutlich auf einen Fußballklub zugehen und dessen Management hinterfragen. Wie diese Zeitung erfahren hat, erwarten Stadtoberhaupt Klaus Weichel (SPD) sowie Sparkassenchef Karl-Heinz Dielmann in einem Schreiben an die Klubführung eine „vorurteilsfrei sachliche“ Untersuchung. Auch mögliche Regressansprüche sollten erörtert werden. Eine ihrer Forderungen ist die Überprüfung externer Beratungen ab einem Pauschalbetrag von 10.000 Euro.

          Damit verstärkt sich der Druck auf die FCK-Bosse, die aus Mitgliederkreisen schon länger zur Aufarbeitung der Hinterlassenschaften Kuntz’ aufgefordert werden. Doch bislang ist beim FCK kein ernster Eifer zur Klärung erkennbar. Ebenfalls blieb eine Anfrage dieser Zeitung mit Hinweis auf die zeitliche Enge ums Pokalspiel am Mittwoch offen. Unlängst bewertete FCK-Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampff das Verhältnis zur Kommune noch als „sehr gut“. Mittlerweile aber treten die Spannungen offen zutage.

          Auch die Bereitschaft der Politik, dem FCK weiterhin zu helfen, stößt an Grenzen. Mit ihrer Stadiongesellschaft ist die Stadt enger Partner des Vereins. Sollte der FCK als einziger Mieter ausfallen, stehen für die Steuerzahler rund 100 Millionen Euro auf dem Spiel. Kaiserslautern gehört zu den am höchsten verschuldeten Städten in Deutschland. Immer wieder wird um die Miete gerungen. Derzeit gilt eine reduzierte Pacht, die demnächst wieder die ursprünglich vereinbarten 3,2 Millionen Euro betragen soll. Die FCK-Vorstände haben schon signalisiert, diese Summe nicht zahlen zu wollen. Doch unlängst hinterfragte ein CDU-Antrag im Stadtrat die Tragfähigkeit des Stadionmodells. Ebenso knüpft Oberbürgermeister Weichel seine Wegbegleitung an eine „unverzügliche“ und „konsequente Aufklärung“.

          Der heutige U-21-Nationaltrainer Kuntz war von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender beim 1. FC Kaiserslautern. Auf Mitgliederversammlungen was ihm bisweilen Vetternwirtschaft und Missmanagement vorgehalten worden. Im Fokus steht auch eine expensive Transferpolitik: Es kamen und gingen mehr als 200 Spieler. Zwischenzeitlich musste ein Kredit in Höhe von drei Millionen Euro die Handlungsfähigkeit des Vereins sichern. Zudem kursieren Fragen zur Bilanzgestaltung, etwa zum für die Lizenzierung wichtigen Zahlenwerk am 31. Dezember 2015. Seit Jahren gibt es Warnungen an Aufsichtsräte und Kassenprüfer. Die Alt-Vorstände Kuntz und Fritz Grünewalt sowie der frühere Aufsichtsratsboss Dieter Rombach wurden von den Mitgliedern nicht entlastet. Kuntz behauptete zuletzt auf Nachfrage, gewissenhaft und seriös gewirtschaftet zu haben.

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