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Nur 1:1 in Leipzig : Der FC Bayern verzweifelt an sich selbst

Von Beginn an auf dem Feld, am Ende aber glücklos: Münchens Thomas Müller Bild: dpa

Gegen den RB Leipzig trifft der deutsche Rekordmeister früh. Dann aber gelingt den Münchenern trotz guter Gelegenheiten kein Tor mehr. Am Ende ist die Unzufriedenheit groß – auch weil es beinahe noch eine Niederlage geworden wäre.

          3 Min.

          RB Leipzig hat die Tabellenführung in der Bundesliga gegen den FC Bayern mit einem 1:1 im Spitzenspiel verteidigt. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann steigerte sich nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit deutlich und sicherte sich einen wichtigen Punkt gegen den deutschen Meister. Die Bayern waren in einer glanzvollen ersten Halbzeit durch Lewandowski (3. Minute) in Führung gegangen, mussten aber in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den zu diesem Zeitpunkt äußerst glücklichen Leipziger Ausgleich durch einen Elfmeter von Forsberg (45.+3) nach Foul an Poulsen hinnehmen. Nach dem Wechsel entwickelte sich ein Spitzenspiel auf Augenhöhe mit zahlreichen Torchancen, die aber wegen mangelnder Entschlossenheit vor dem Tor und erstklassigen Torhüterreaktionen nicht zum Erfolg führten.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das hätte hier auch eine Niederlage werden können“, sagte Bayern-Torwart Manuel Neuer anschließend. „Wir müssen die guten Sachen mitnehmen und das analysieren, was wir falsch gemacht haben“, sagte er mit Blick auf das Champions-League-Duell gegen Roter Stern Belgrad am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky). Bayern-Trainer Niko Kovac sah derweil eine „fantastische erste Halbzeit“, zeigte sich aber insgesamt „enttäuscht und verärgert“ über den verpassten Sieg. „Wir haben zwei Punkte weniger als eingeplant“, sagte Kovac.

          Die Bayern, die mit der Rücknahme einer Elfmeterentscheidung in der 37. Minute haderten, fielen durch das Unentschieden hinter Borussia Dortmund auf den dritten Rang zurück. Am Willen, den Sieg zu erzwingen, fehlte es den Münchnern an diesem Abend zu keiner Zeit. Bis zur letzten Minute drängten sie mit großem Engagement auf den entscheidenden Treffer. Aber Leipzig verteidigte seine Tabellenführung leidenschaftlich und geschickt.

          In den ersten 45 Minuten lieferte der FC Bayern eine eindrucksvolle Macht- und Leistungsdemonstration ab, in der die Seriensieger aus München nie den Eindruck hinterließen, eine Mannschaft zu sein, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben könnte. Das Team von Trainer Kovac beherrschte den Tabellenführer mit einer Leichtigkeit und Souveränität, die wohl kaum jemand vor diesem Spitzenspiel erwartet hatte. Und dies auch noch von Beginn an mit Müller, der statt Coutinho spielte, sowie Boateng, der den kurzfristig ausgefallenen Alaba in der Innenverteidigung in seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison ziemlich cool ersetzte. Die Bayern kamen bis zur Pause auf eine Ballbesitzquote von 76 Prozent, sie spielten 444 Pässe, von denen neunzig Prozent (404) ankamen (Leipzig 138/93) und schossen auch doppelt so oft aufs Tor wie RB (6/3). Dass es mit einem 1:1 in die Halbzeit ging, konnten die Bayern kaum glauben.

          Der Münchner Start jedenfalls war perfekt gewesen – und auch danach machten die Bayern (fast) alles richtig. Müller hatte schon in der dritten Minute im Mittelfeld mit einem perfekten Pass die Leipziger Defensive ausgehebelt, Lewandowski nutzte die Vorarbeit, die ihm freie Bahn verschaffte, zu seinem siebten Tor im vierten Saisonspiel. Unmittelbar nach dem 1:0 der Bayern hatte Klostermann die große Chance zum Ausgleich, doch seine erschreckend schwache Schusstechnik ließ keine Gefahr für Neuer aufkommen (4.).

          Hatte das zweite Leipziger Tor auf dem Fuß: RB-Profi Timo Werner

          Danach spielten und kombinierten nur die Bayern. Torchancen eröffneten sich regelmäßig, aber eine so gute wie in der Anfangsphase für Lewandowski (und Klostermann) war nicht mehr dabei. In der 37. Minute schien jedoch der nächste Bayern-Treffer nah, nachdem Schiedsrichter Stegemann ein vermeintliches Foul von Sabitzer an Hernandez geahndet hatte. Doch nach Ansicht der Bilder auf dem Fernsehschirm nahm er seine Entscheidung zurück.

          In der Folge kehrte wieder etwas Leben in das Leipziger Team zurück, das in der 41. Minute erstmals eine Pressingsituation schuf, nach der Sabitzer im Strafraum immerhin zum Schuss kam. Der Ausgleich fiel dennoch wie aus dem Nichts. Hernandez ging an der Strafraumgrenze ungestüm in einen Zweikampf mit Poulsen, dieser Elfmeterpfiff war unzweifelhaft – und Forsberg traf in der dritten Minute der Nachspielzeit entschlossen zum äußerst schmeichelhaften 1:1 für Leipzig.

          Die zweite Halbzeit, in der nun zwei Mannschaften an einem Spitzenspiel teilnahmen, war deutlich ausgeglichener. Und besser. Und spannender. Torchance ergaben sich nun im schnellen Wechsel auf beiden Seiten, mit einem leichten Leipziger Übergewicht. Die spektakulärste Chance nach einer Stunde war ein knallharter Distanzschuss von Sabitzer, den Neuer mit dem Unterarm abblockte (60.), drei Minuten später reagierte wiederum Gulasci prächtig nach einem abgefälschten Schuss des eingewechselten Tolisso.

          Das Spiel wogte bis zum Schluss hin und her, wobei die Bayern in der letzten halben Stunde die aktivere und druckvollere Mannschaft war, die konsequent auf den Siegtreffer aus war. Quasi in letzter Sekunde scheiterte Süle mit einem Kopfball an Gulacsi und dem Pfosten. Nur kurz zuvor jedoch hatte auch Münchens Neuer in großer Not gegen den heranstürmenden Werner pariert, der den möglichen Siegtreffer dabei vergab.

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