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3:3 gegen Düsseldorf : Jetzt sind die Bayern endgültig in der Krise

Die Bayern wollen gar nicht mehr hinsehen nach dem 3:3 gegen Düsseldorf. Bild: EPA

Die Münchner kassieren den nächsten Tiefschlag: Gegen Aufsteiger Düsseldorf trifft Müller zwar doppelt. Doch ein Fortune ist nicht zu halten von den Bayern – und erzielt gleich drei Tore beim 3:3.

          Dodi Lukebakio, es ist ein Name, den man sich merken wird in München. Drei Mal erschien er am Samstag auf der Anzeigetafel der Münchner Arena. Drei Tore, drei Tiefschläge für den deutschen Meister, der nach dem 3:3 gegen den Aufsteiger Fortuna Düsseldorf endgültig in der sportlichen Krise angekommen ist. Nach der frühen 2:0-Führung durch Niklas Süle (17. Minute) und Thomas Müller (20.) schienen die Bayern auf dem Weg zu einem sicheren Sieg, auch Lukebakios Anschlusstreffer kurz vor der Pause (44.) wirkte nur wie ein kleiner Schönheitsfehler, den Müller mit seinem zweiten Treffer (58.) bald wieder auszubügeln schien.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Doch mit zwei Durchbrüchen gegen die abermals behäbige Bayern-Defensive gelang dem 21 Jahre alten Belgier zwei Mal im Eins-zu-eins-Duell mit Torwart Manuel Neuer, erst in der 77. Minute, dann in der dritten Minute der Nachspielzeit, ein vom Düsseldorfer Anhang frenetisch gefeierter Punktgewinn – während die Bayern am Ende mit ausdruckslosen Gesichtern wie festgefroren auf dem Rasen standen.

          Die Bayern setzten damit ihre Negativserie mit jetzt vier sieglosen Liga-Heimspielen fort. Der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund beträgt nach diesem für die Münchner schwarzen Wochenende schon neun Punkte. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte nach der jüngsten Durststrecke mit nur zwei Siegen aus sieben Spielen und der Niederlage in Dortmund „eine Reaktion“ für die Partie gegen Düsseldorf gefordert. Man sei „in der Bringschuld“, hatte auch Müller betont. Die gewünschte Reaktion gegen den Aufsteiger blieb allerdings aus.

          Dabei hatte der Tag für Lukebakio denkbar schlecht begonnen. Beim Klärungsversuch im eigenen Strafraum schlug er den Ball genau in die Füße von Süle, der wie schon in einer ähnlichen Situation beim 3:0 im Länderspiel gegen Russland zuletzt die Ruhe behielt und den Ball präzise zum 1:0 ins rechte Eck schoss. Drei Minuten später spielte Jerome Boateng einen feinen Diagonalpass hinter die Abwehrkette, auf den Fuß des in den Raum gestarteten Müller. Der brachte den im Sprung schwierig zu nehmenden Ball nicht perfekt unter Kontrolle, improvisierte dann aber gekonnt und stocherte ihn mit der Sohle am herauseilenden Torwart Michael Rensing vorbei. Im Schneckentempo kullerte der Ball über die Linie, ein echtes Müller-Tor.


          Die Bayern kontrollierten das Spiel scheinbar nach Belieben, aber vor allem Robert Lewandowski, der Torjäger vom Dienst, zielte mehrfach schlecht. So vergab er in der 34. Minute nach perfekter Vorlage eine Riesenchance mit einem ungenauen Flachschuss. Das 3:0 schien zu diesem Zeitpunkt dennoch nur eine Frage der Zeit. Umso überraschter wirkte der Meister, als er eine Minute vor der Pause wie aus dem Nichts den Anschlusstreffer kassierte – Jean Zimmer lenkte nach einem langen Zuspiel den Ball im Sitzen vors Bayern-Tor, wo Lukebakio zum 2:1 verwandelte.

          Wer ist das denn? Lukabakio (rechts) trifft drei Mal gegen Neuer.

          Nach 58 Minuten schob Lewandowski, unter Bedrängnis durch einen Gegenspieler an der Strafraumgrenze, den Ball mit der Sohle gekonnt in den Fuß des seinen Laufweg kreuzenden Müller, und dieser traf kurzentschlossen flach mit dem linken Fuß ins lange Eck. Typisch Müller, bejubelte er nicht sich selbst, sondern dankte dem klugen Vorlagengeber. Doch nicht einmal diese abermalige Zwei-Tore-Führung gab den Bayern die gewohnte Sicherheit. Die Düsseldorfer kamen durch den schnellen Lukebakio nach 77 Minuten im Eins-zu-eins-Duell mit Neuer abermals zum Anschlusstreffer – der Video-Assistent überstimmte den Mann an der Linie, der nach dem Treffer fälschlich Abseits angezeigt hatte. Das Tor zählte, die Fortuna schöpfte wieder leise Hoffnung.

          Die Bayern schienen dennoch mit einem blauen Auge davonzukommen und versuchten, den Zittersieg über die Runden zu bringen – bis Lukebakio in der letzten Minute nach einem lang geschlagenen Ball abermals Verteidiger Süle entwischte und Neuer im Münchner Tor zum dritten und letzten Mal überwand. Fünftausend lustige Fortuna-Fans feierten noch lange nach Schlusspfiff Fußball-Karneval in der Arena der großen Bayern: „Oh, wie ist das schön!“

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