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Bayerns Niederlage in Augsburg : Nagelsmann ist zum ersten Mal „richtig sauer“

  • -Aktualisiert am

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann diskutiert mit dem 4. Offiziellen; „richtig sauer“ war er aber vor allem über sein Team. Bild: Reuters

Der freie Tag ist für die Bayernprofis gestrichen. Stattdessen gibt es eine Videoanalyse von Trainer Julian Nagelsmann. Thomas Müller glaubt den Grund für die fahrige Defensivarbeit seiner Kollegen zu kennen.

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          Außergewöhnliche Ereignisse bedingen manchmal kurzfristig Planänderungen. Bei einem Erfolg kann das für eine Fußball-Mannschaft einen unverhofften freien Tag bedeuten, andernfalls das Gegenteil, eine zusätzliche Trainingseinheit eben. Julian Nagelsmann ist soweit nach der 1:2-Niederlage des FC Bayern beim FC Augsburg nicht gegangen, vielleicht auch nur deshalb, weil dafür im dichten Terminplan der Münchner ohnehin keine Zeit wäre, will man die Regenerationsphasen einhalten. Aber eine kleine Extraschicht gab es am Tag danach trotzdem für die Mannschaft des deutschen Rekordmeisters. Nicht auf dem Platz, sondern vor dem Bildschirm. Der Bayern-Trainer hat aus der Reihe eine Videoanalyse angesetzt. „Das“, sagte Nagelsmann, „machen wir bei dem Rhythmus normalerweise nicht.“ In englischen Wochen, meint er.

          Bundesliga

          Am Dienstag treten die Münchner schon wieder in der Champions League bei Dynamo Kiew an (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN). Es gilt in diesem vorletzten Vorrundenspiel darum, den ersten Platz in der Gruppe endgültig zu sichern – und dort endlich zu beherzigen, was der Trainer den Spielern immer wieder zu vermitteln versucht. Zum ersten Mal in seiner Zeit beim FC Bayern sei er „richtig sauer“, gibt Nagelsmann zu. Nicht nur auf die Mannschaft, betont er, „auf uns alle“. Zwei Tage zuvor habe man „die Sachen besprochen“ und dann wurden „leider die gleichen Fehler wieder gemacht“. Die beiden Gegentore seien auf „sehr identische Weise“ gefallen, sagt er, wie drei der fünf bei der Pokal-Blamage in Gladbach, wie die gegen Freiburg und Benfica. Er hätte noch weiter zurückgehen können in der Saison-Historie, und es wären ihm vermutlich noch ein paar mehr Gegentreffer eingefallen, deren Entstehung eine Blaupause waren für die Tore von Mads Pedersen (23. Minute) und André Hahn (36.): Ballverlust im Mittelfeld und dann „viel Daumendrücken und Hoffen, dass es die anderen noch verteidigen“, sagt Nagelsmann.

          Kein Druck, keine Absicherung

          Dabei will es der Bayern-Trainer nicht als unterlassene Hilfeleistung des Kollektivs verstanden wissen, es gehe vielmehr um die nicht konsequente Reaktion unmittelbar bei Ballverlust und um die anschließend ungeordnete Absicherung im Raum. Vor dem 0:2 schafften es drei Augsburger fünf Gegenspieler zu überlisten, weil die Münchner zunächst eine Flanke von der linken Seite zuließen und dann bei Hahns Kopfball zu weit weg standen, um den Stürmer ernsthaft zu stören. „Wir haben zu sorglos verteidigt“, fasste Nagelsmann das Fehlverhalten in der Defensive zusammen. „Die Baustelle müssen wir schnell schließen.“

          Thomas Müller & Co. sind bedient ob der Niederlage in Augsburg.
          Thomas Müller & Co. sind bedient ob der Niederlage in Augsburg. : Bild: Reuters

          Die in der Abwehr und vielleicht auch jene, um die sich die Diskussion in den vergangenen Tagen drehte, die um Joshua Kimmich, der schon wieder in Quarantäne musste, weil er als Ungeimpfter einen Kontakt mit einer positiv auf Corona getesteten Person hatte. Schon bei der Pokal-Blamage in Mönchengladbach hatten die Bayern gezeigt, dass Unruhe im Umfeld auch Spuren hinterlassen, die Konzentration aufs Wesentliche stören kann. Und jener bissige Kimmich hat dem Bayern-Spiel gegen leidenschaftlich kämpfende Augsburger ganz besonders gefehlt. Seinem Vertreter ist nicht nur einer dieser beiden verhängnisvollen Ballverluste unterlaufen, er sei auch sonst noch nicht auf dem Niveau, auf dem er in Leipzig gespielt habe, stellte Nagelsmann fest. „In ihm steckt viel mehr.“

          Ist die beeindruckende Offensive an den mangelnden Defensivtugenden Schuld?

          Für Thomas Müller sind die Sorglosigkeiten beim Verteidigen eine Frage der Perspektive. „Wenn du in jedem Spiel das Gefühl hast, du kannst zwei, drei, vier Tore erzielen“, sagte der Offensivmann, der es als erster Feldspieler des FC Bayern seit dem Bundesliga-Aufstieg auf 600 Pflichtspieleinsätze gebracht hat, „dann ist deine Haupttugend eben nicht diese extreme Gier auf die Defensive“. Und es rächt sich, wenn die Tormaschine des FC Bayern mal stottert – wie in Augsburg. Außer dem Anschlusstreffer von Robert Lewandowski (38.) bekam Torhüter Rafal Gikiewicz kaum etwas zu halten. „Zu wenig Aktivität, zu wenig Mut“ attestierte Kapitän Manuel Neuer den Kollegen aus der Offensiv-Abteilung, vor allem in der ersten Spielhälfte.

          Nach der Pause erhöhten die Münchner zwar den Druck, aber ernsthaft in die Bredouille brachten die Augsburger lediglich Alphonso Davies nach einem Solo und Lewandowski, der aus zehn Metern den Ball weit übers Tor drosch. „Insgesamt“, stellte Nagelsmann fest, „haben wir zu wenig aufs Tor geschossen“, um das Spiel noch zu drehen und die Niederlage, die dritte in dieser Saison und auch die dritte gegen die Schwaben seit deren Bundesliga-Aufstieg 2011, zu verhindern. „Das ist ein bitterer Rückschlag für unser Selbstverständnis“, sagt Müller. Aber eben auch ein Weckruf, die Baustellen noch nicht ernsthaft genug in Angriff genommen zu haben.

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