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2:1 gegen FC Bayern : Eintracht schafft ein historisches Werk

Konsternierte Spieler des FC Bayern München und jubelnde Frankfurter Profis. Das Spiel endet ungewöhnlich. Bild: Picture-Alliance

In der 83. Minute stellt Filip Kostic den Spielverlauf auf den Kopf. Die Bayern dominieren die zweite Hälfte, erzielen aber kein Tor. Kevin Trapp rettet mit herausragenden Paraden den Auswärtssieg.

          3 Min.

          Es gibt einen Abwehrspieler, den Manuel Neuer wohl gar nicht gern durch seinen Strafraum in München schleichen sieht. In seiner Karriere als Torhüter des FC Bayern sind Neuer dort schon manche der größten Stürmer der Fußballgeschichte begegnet. Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé, Neymar. Sie lösen in allen Strafräumen der Welt das Alarmsystem aus. In München sollte dieses in Zukunft aber auch einen Abwehrspieler aus Österreich identifizieren: Martin Hinteregger.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Wenn Hinteregger, 29 Jahre alt, für einen Eck- oder Freistoß in Neuers Revier kommt, heißt das für den Welttorhüter nichts Gutes. Im Mai 2020 hat er für Eintracht Frankfurt dort in drei Minuten zwei Tore gemacht. Am Sonntagabend schlich er in der 32. Minute dann mal wieder durch den Strafraum von Neuer – und köpfte den Ball auch an diesem vorbei ins Tor.

          Bundesliga

          Erster Saisonsieg für die Eintracht

          Ein wuchtiger Kopfball von Martin Hinteregger, viele spektakuläre Paraden von Torhüter Kevin Trapp und ein Linksschuss von Filip Kostic in der 83. Minute haben der Eintracht gereicht, um am siebten Bundesliga-Spieltag in der Arena in München 2:1 gegen den FC Bayern zu gewinnen. Es war der erste Saisonsieg für Frankfurt – und die erste Saisonniederlage für München. Der Meister sammelte viele Chancen, aber nur ein Tor: durch Leon Goretzka (29. Minute).

          Es ist fast 14 Jahre her, dass die Eintracht in einem Bundesligaspiel in München nicht verloren hat. Damals, im November 2007, „ermauerte“ sie unter dem Trainer Friedhelm Funkel ein 0:0, wie es die Kicker-Reporter in ihrem Spielbericht formulierten. Diese gaben dem Torhüter Oka Nikolov dann auch die Note 1 und den Stürmern Naohiro Takahara und Ioannis Amanatidis die Note 5. An eigenen Toren mangelte es den Frankfurtern seitdem meistens.

          In den vergangenen fünf Saisons endeten die Bundesliga-Auswärtsfahrten nach München für sie folgendermaßen: 0:5, 2:5 (Hinteregger!), 1:5, 1:4, 0:3. Und dennoch sagte der neue Trainer Oliver Glasner, der mit Wolfsburg gegen den FC Bayern in vier Spielen viermal verloren hat, vor dem Duell, was ein Bundesliga-Trainer trotz aller Wettbewerbsnachteile sagen sollte: „Wir fahren nicht nach München, um dort einen Sonntagsausflug mit Kaffee und Kuchen zu machen, sondern wir wollen den Bayern einen Fight liefern und dort gewinnen.“

          Überlegene Münchner gehen in Führung

          Dafür änderte Glasner seine Startelf im Vergleich zum 1:0-Europa-League-Sieg in Antwerpen am Donnerstag auf drei Positionen. Er stellte Stefan Ilsanker, Jesper Lindström und Tuta für Ajdin Hrustic, Sam Lammers und den angeschlagenen Makoto Hasebe auf. Und diese Mannschaft schaffte, was in dieser Saison noch keine andere Mannschaft geschafft hat – obwohl sie in den ersten 30 Minuten dem Ball fast nur hinterhergelaufen war.

          Als Djibril Sow in der vierten Minute seine Beine schloss, war der Ball schon durchgerollt. Der bayerische Linksverteidiger Alphonso Davies hatte ihn mit einem Beinschuss überrumpelt – und war danach durch den Frankfurter Strafraum geflitzt. Es war die erste von vielen guten Szenen. Die Bayern waren ihren Gegenspielern überlegen. Nur einem nicht: Kevin Trapp, dem Torhüter.

          Als er in der 14. Minute einen Schuss von Thomas Müller fing, sangen die mitgereisten Fans aus Frankfurt seinen Namen. Das dürfte auch der Bundestrainer Hansi Flick registriert haben, der sich das Spiel in der Arena anschaute. Er hat Trapp für die anstehenden Länderspiele nicht nominiert. Am Sonntag war dieser nur einmal machtlos: In der 29. Minute lenkte Robert Lewandowski einen Ball aus der Luft kunstvoll mit der Fußspitze zu Leon Goretzka, der ihn allein vor Trapp flach ins Tor schoss.

          Kevin Trapp zeigt eine hervorragende Leistung in München.
          Kevin Trapp zeigt eine hervorragende Leistung in München. : Bild: Picture-Alliance

          Es dauerte danach nur zwei Minuten, bis Trapp im Eins-gegen-Eins gegen Leroy Sané das 0:2 verhinderte. Und nur drei Minuten, bis Hinteregger das 1:1 köpfte – beim ersten und einzigen Eckstoß der Partie für Frankfurt. Mit dem Gegentor verloren die Bayern nicht nur die Führung, sondern auch die Spielkontrolle. Es ging danach hin und her. In den finalen Minuten der ersten Halbzeit tauchten Almamy Touré und Serge Gnabry für Frankfurt und München allein vor dem Tor auf. Der eine scheiterte an Manuel Neuer (fantastische Parade mit dem Fuß), der andere am Pfosten. Aus dem Frankfurter Fanblock hörte man „Auswärtssieg“-Rufe. Sie sollten sich erfüllen.

          Die zweite Halbzeit fing mit einer Chance der Bayern an. Der formstarke Sané schoss nach 21 Sekunden über das Tor. In der 56. Minute führte Kevin Trapp dann die wohl spektakulärste Aktion des Spiels vor. Als Joshua Kimmich von den rechten Seite in den Strafraum flankte und Lewandowski aus weniger als fünf Metern köpfte, riss Trapp seinen rechten Fuß hoch – und wehrte den Ball wirklich ab. Solche Paraden sieht man in diesem Stadion eigentlich nur von Manuel Neuer.

          In der 75. Minute, es stand immer noch 1:1, wechselte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann auf Sieg. Er tauschte Marcel Sabitzer für den Verteidiger Niklas Süle ein. Acht Minuten später schoss dann aber die Eintracht das entscheidende Tor. Sow eroberte den Ball und passte sofort zu Kostic, der ihn aus spitzem Winkel im Tor versenkte. Die Fans brüllten wieder: „Auswärtssieg!“ Diesen sicherte dann Kevin Trapp. In der letzten relevanten Szene des Spiels lenkte er einen Schuss von Lewandowski über die Latte. Seine Note dürfte da längst schon festgestanden haben.

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