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Trainersuche in München : Absage für Bayern – Hoeneß gibt Zeitplan vor

  • Aktualisiert am

Noch-Bayern-Präsident Uli Hoeneß will sich mit der Suche nach einem neuen Trainer ein wenig Zeit lassen. Bild: dpa

Bei der Suche nach dem neuen Bayern-Trainer erklärt ein Kandidat, dass er nicht zur Verfügung steht – zumindest vorerst. Uli Hoeneß spricht über den Plan der Münchner und sein Telefonat mit Niko Kovac.

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          Jetzt legt Interimscoach Hansi Flick beim FC Bayern los. Mit der einzigen Trainingseinheit kann der bisherige Assistent von Niko Kovac die Fußball-Profis des deutschen Rekordmeisters auf das Gruppenspiel in der Champions League gegen Olympiakos Piräus einstimmen. Im grauen Trainingsanzug leitete der 54-Jährige am Dienstagvormittag auf dem Vereinsgelände in München gemeinsam mit dem als Assistent reaktivierten Hermann Gerland (65) das Abschlusstraining, das nur während des Aufwärmens für die Medien zugänglich war. Flick wirkte gut gelaunt und voller Tatendrang.

          Champions League

          Nach der Übungseinheit wird der frühere Assistent von Bundestrainer Joachim Löw vor die Medien treten und in einer Pressekonferenz mitteilen, wie er das Gruppenspiel am Mittwochabend (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) in der ausverkauften Allianz Arena gegen die Griechen angehen will.

          Mit dem vierten Sieg im vierten Spiel können die Bayern vorzeitig ins Achtelfinale einziehen und damit international ein erstes Etappenziel fixieren. Dieser Erfolg würde nach dem 1:5-Tiefpunkt gegen Eintracht Frankfurt, in dessen Folge es zur Trennung von Kovac kam, Rückenwind für das Liga-Duell an diesem Samstag mit Borussia Dortmund geben. Flick hat von der Vereinsführung zumindest für diese beiden Partien das Mandat als Interimscoach erhalten. „Hansi Flick genießt unser Vertrauen, und ich denke, dass er im Moment genau der richtige Mann ist“, äußerte Vorstandschef über den ehemaligen Bayern-Profi.

          Kovac verabschiedete sich zwei Tage nach seiner Trennung persönlich von seiner ehemaligen Mannschaft. Zusammen mit seinem Bruder Robert Kovac, der als Kotrainer arbeitete, stattete der 48-Jährige dem Starensemble vor dem Training einen Besuch am Vereinsgelände an der Säbener Straße ab. Das bestätigte der FC Bayern. Am Sonntag hatten sich der Klub und der Coach nach der Übungseinheit getrennt. Da am Montag trainingsfrei war, konnte sich Kovac auch da nicht vom Team verabschieden. Ihm war es ein Anliegen, noch einmal persönlich zur Mannschaft zu sprechen.

          Zahlreiche Kandidaten werden nun als dauerhafte Wahl gehandelt. Einer strich sich bereits selbst von der Liste, zumindest als kurzfristige Lösung. „Ich kann bestätigen, dass ich in dieser Saison bei Ajax bleiben werde“, sagte der Niederländer Erik ten Hag in London bei der Pressekonferenz vor der Champions-League-Partie von Amsterdam gegen den FC Chelsea. Ajax sei ein „fantastischer Verein“. Der 49 Jahre alte Niederländer ten Hag kennt München aus seiner Zeit bei der zweiten Bayern-Mannschaft (2013 bis 2015). Er sorgte in der Vorsaison mit Amsterdam für Furore, als die Mannschaft nur knapp das Champions-League-Finale verpasste. Ten Hag ist vertraglich bis Mitte 2022 an Ajax gebunden.

          Bei der Suche nach einem Kovac-Nachfolger sieht Präsident Uli Hoeneß seinen Verein derweil nicht unter Druck. Da auf das BVB-Spiel die nächste Länderspielpause folge, hätte man jetzt knapp drei Wochen Zeit, sich zu überlegen, „wie wir damit umgehen“, sagte Hoeneß am Montagabend in Hannover. Der 67-Jährige geht davon aus, dass bis zum Auswärtsspiel am 23. November gegen Fortuna Düsseldorf Klarheit herrschen könne, „wie es mit der Trainerfrage weitergeht“. Zuvor werde der Verein „in Ruhe“ die beiden Partien gegen Piräus und Dortmund spielen.

          Hoeneß ist mit dem Ablauf der Trennung von Kovac zufrieden. „Ich finde, wir haben das gut gemacht“, sagte er. Mit Kovac habe der Verein ein „prima Auskommen“ gehabt und „ein gegenseitiges Einvernehmen“ erzielt. „Es gibt keine schmutzige Wäsche mit Niko“, betonte Hoeneß. „Ich habe heute noch mit ihm telefoniert. Es ist alles soweit okay.“ Er habe das Gefühl, dass Kovac von einem ungeheuren Druck befreit sei.

          Hoeneß äußerte sich am Rande einer Podiumsdiskussion mit Teresa Enke in Hannover anlässlich des bevorstehenden zehnten Todestages ihres Mannes Robert Enke. Der Nationaltorwart von Hannover 96 hatte sich am 10. November 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben genommen. Bei der Veranstaltung wurde auch der Film „Robert Enke – auch Helden haben Depression“ vorab gezeigt. Er läuft am kommenden Sonntag (23.45 Uhr) im NDR Fernsehen und soll später auch in der ARD gesendet werden. Stiftungschefin Teresa Enke, Witwe des Torhüters, hatte Hoeneß als Ehrengast eingeladen. Er erzählte auch von seinen Erfahrungen mit dem ehemaligen Nationalspieler Sebastian Deisler, der wegen seiner Depressionen seine Karriere beendete. „Ich habe in dem Film viele Parallelen zu Sebastian gesehen“, meinte der Bayern-Präsident.

          Zehn Jahre nach dem Suizid von Enke sieht Hoeneß keinen Lerneffekt im Umgang miteinander. „Ich finde, dass wir gerade jetzt in unserer Gesellschaft, und das gilt nicht nur für den Fußball, relativ respektlos in vielen Bereichen miteinander umgehen“, sagte er und verband dies auch mit einer Kritik an den Medien: Gerade diese hätten nichts aus der Trauerfeier für Enke nichts gelernt.  Besonders heftig ging der Bayern-Chef das Internet an. Es sei zu einem Mittel geworden, „das katastrophal ist“. Er forderte den Gesetzgeber auf, gegen Hetze und Mobbing im Internet stärker vorzugehen.

          Boateng für zwei Spiele gesperrt

          Der kriselnde deutsche Rekordmeister Bayern München muss zwei Spiele auf Innenverteidiger Jerome Boateng verzichten. Der Rio-Weltmeister wurde nach seiner Roten Karte wegen einer Notbremse im Spiel bei Eintracht Frankfurt (1:5) vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Begegnungen gegen Borussia Dortmund am Samstag und bei Fortuna Düsseldorf (23. November) gesperrt. Boateng und die Bayern haben dem Urteil zugestimmt. Durch die Sperre vergrößern sich die Abwehrsorgen der Münchner. Auf die Innenverteidiger Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Lucas Hernandez (Teilruptur des Innenbandes im Sprunggelenk) muss der FC Bayern langfristig verzichten. (sid)

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