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4:0-Sieg nach Kovac-Aus : Die Bayern-Gala wirft Fragen auf

  • -Aktualisiert am

Wenn die Bayern feiern: Lewandowski, Alaba und Müller (von links) haben beste Laune nach dem 4:0-Sieg über Dortmund. Bild: Reuters

Die Münchner erteilen Dortmund im Topspiel eine bittere Lehrstunde und beweisen großen Siegeswillen. Doch warum zeigen sie erst jetzt genau den Einsatz, den der entlassene Niko Kovac immer angemahnt hatte?

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          Man kann den Dortmundern nicht nachsagen, dass sie nicht alles versucht hätten. Also zumindest, was Hans-Joachim Watzke, den BVB-Geschäftsführer, und Michael Zorc, den Sportdirektor, betrifft – seit dem mitreißenden 3:2-Sieg in der Champions League über Inter Mailand nach einem 0:2-Pausenrückstand hatten sie alles unternommen, um ein wenig von der Kraft dieses Erfolges und der Magie dieses Abends mit in das Spitzenspiel der Bundesliga zu nehmen.

          Bundesliga

          Dementsprechend frustriert dürften beide vier Tage später nun sein – die Reise nach München endete so wie immer in den vergangenen Jahren: mit einer bitteren Lehrstunde. Die Bayern, gerade erst im Pokal in Bochum blamiert und danach in Frankfurt vorgeführt, dominierten, die Borussen trabten hinterher und waren dabei hoffnungslos unterlegen. Vom „Männerfußball“, den Zorc medienwirksam öffentlich eingefordert hatte, war der BVB so meilenweit entfernt, dass er sein Saisonziel Meisterschaft umgehend korrigieren sollte.

          Wie recht Zorc mit seiner Einschätzung hatte, dass Biss und Leidenschaft in diesem Spiel wichtiger sein würden als die Taktik, machte ausgerechnet der Gegner deutlich. Die Bayern waren nämlich plötzlich all das, was sie in den vergangenen Wochen nicht waren, was sie vor allem vor einer Woche beim 1:5 in Frankfurt ganz augenscheinlich nicht waren: bereit, jeden Weg zu laufen, der nötig war – und dabei vor allem jene wenig spektakulären, die nötig waren, um die ohnehin halbherzigen Dortmunder Angriffsbemühungen jederzeit energisch zu unterbinden.

          Der Wille, dieses Spiel unbedingt zu gewinnen, war den Münchnern spätestens nach dem Führungstreffer von Lewandowski so sehr in jeder Situation anzumerken, dass automatisch Fragen auftauchen müssen: Warum zeigten sie erst jetzt genau den Einsatz, den Kovac immer angemahnt hatte, warum waren Rückwärtsbewegung und Konterabsicherung, zwei der Lieblingsthemen von Kovac, plötzlich wie selbstverständlich?

          Das alles nur mit der eher robusten Münchner Aufstellung und dem Verzicht auf die Künstler Coutinho und Thiago in der Startaufstellung zu erklären greift zu kurz. Es funktionierte, weil die Bayern-Spieler es wollten. Und das beschert dem scheidenden Präsidenten Uli Hoeneß eine angenehme Atmosphäre bei seiner letzten Jahreshauptversammlung – und Hansi Flick vermutlich einen Job als Cheftrainer bis zum Saisonende.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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