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Lewandowskis 41. Saisontor : Ein großer Moment der Bundesliga-Geschichte

Robert Lewandowski freut sich nach seinem 41. Tor in dieser Saison. Bild: dpa

In letzter Minute trifft Robert Lewandowski und knackt den Rekord von Gerd Müller. Die 250 Fans im Stadion singen und klatschen aber nicht nur für ihn. Es ist der Tag der Abschiede beim FC Bayern.

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          In der großen Geschichte der Fußball-Bundesliga wird für Rafal Gikiewicz, einen polnischen Torhüter, sehr wahrscheinlich kein eigenes Kapitel angelegt. Am Samstagnachmittag hat er sich aber wenigstens eine Erwähnung im Kapitel des polnischen Stürmers Robert Lewandowski verdient. Er verhinderte mit seinen Paraden für 89 Minuten, dass sein Landsmann Lewandowski das 41. Tor in dieser Bundesliga-Saison schießen und den eigentlich ewigen Gerd-Müller-Rekord brechen konnte.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Doch in der 90. Minute, der letzten der Saison, schaffte es Gikiewicz, der Torhüter des FC Augsburg, dann nicht, einen Schuss von Leroy Sané festzuhalten. Und als er dem Ball hinterherschaute, musste er mitansehen, wie Lewandowski sich diesen schnappte, mit dem rechten Fuß ins leere Tor schob, sich danach das Trikot vom Körper zerrte und zur Eckfahne rannte, bis seine Mitspieler sich dort auf ihn stürzten. Ein paar Sekunden später war das Spiel vorbei.

          Am Samstagnachmittag, an dem der FC Bayern in seiner finalen Saisonpartie 5:2 gegen Augsburg gewonnen hat, sind in der Fußballarena in München sieben Tore gefallen, aber nur das von Robert Lewandowski wird in Erinnerung bleiben. Es war trotz aller Umstände, die die Corona-Pandemie zu dem Übel macht, das sie ist, ein großer Moment in der Bundesliga-Geschichte – und auch ein kleiner Moment auf dem Weg zur Normalität.

          Viele Abschiede beim FC Bayern

          Als Lewandowski zur Eckfahne rannte, warteten zwar in der Kurve keine Fans, die diesem Moment mit ihm teilen konnten. Doch auf der Haupttribüne, die er in diesem Augenblick nicht sehen konnte, standen, sangen und klatschten zu dem Zeitpunkt 250 Fans, die von nun an sagen können: Wir waren dabei!

          Es lag an diesem Samstag mehr als 14 Monate zurück, seit Fans in der Arena in München klatschen und singen durften. Am 8. März 2020 schauten 70.000 von ihnen einem 2:0-Heimsieg über Augsburg zu. Es war daher ein passender Zufall, dass 250 Fans nun für ein Bundesligaspiel gegen Augsburg wieder in die Arena zurückkehren durften. Auf Grundlage der bayerischen Corona-Bestimmungen konnten die Bayern diese Anzahl an Karten für ihr letztes Heimspiel der Saison vergeben.

          Sie teilten sie folgendermaßen auf: 100 für Pfleger und andere Helden der Pandemie, 100 für Mitglieder, 10 für den FC-Bayern-Kids-Club – und jeweils fünf für die Angehörigen der Männer, die trotz des Torrekords vor und nach dem Spiel im Mittelpunkt standen. Denn die Fans sangen und klatschten an diesem Tag nicht nur für Robert Lewandowski, sondern auch für Hansi Flick, Hermann Gerland, Miroslav Klose, David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez.

          Wenn die Mannschaft des FC Bayern in der nächsten Saison in die Arena zurückkehrt, werden diese Trainer und Spieler nicht mehr mitkommen. Sie verlassen den Verein, den sie in den vergangenen Jahren so sehr geprägt haben. Ihren Einfluss konnte man auch an der Art und Weise erkennen, wie sie verabschiedet wurden.

          Vor dem Spiel wurden ihnen Bilder überreicht, auf denen die vielen Pokale zu sehen sind, die sie gewonnen haben. Der Stadion-DJ spielte dazu Andrew Golds Song „Thank you for being a friend“. Nach dem Spiel, als die Meisterschale schon in Empfang genommen hatten, holten Alaba, Boateng und Martínez ihre Kinder aufs Feld, wo sie immer noch standen, als ihr Trainer und die meisten anderen schon verschwunden waren.

          Am späten Samstagnachmittag saß Hansi Flick im Presseraum der Arena und antwortete ein letztes Mal als Cheftrainer des FC Bayern auf die Fragen der Reporter. „Mit dem Tag heute ist die Reise zu Ende“, sagte er und erinnerte an den Tag im Mai vor zwei Jahren, als Niko Kovac ihn angerufen und gefragt hatte, ob er nicht sein Assistent werden wolle.

          Danach berichtete Flick von den emotionalen Momenten auf dem Rasen, in denen er sich laut eigener Aussage „ganz schön zügeln“ musste, „um nicht so ganz die Emotionen rauszulassen“. Er meinte vor allem den Abschied von Alaba und Boateng, den zwei Spielern, mit denen er eine besondere Verbindung aufgebaut hat. Boateng sei einer „der besten Innenverteidiger Deutschlands“ und Alaba „das Herz der Mannschaft, einer, der alle mitnimmt, alle vereint“. Wo die Verteidiger in Zukunft spielen werden, ist weiterhin ungewiss.

          Und wo wird Flick trainieren? Er sagte, dass mit dem Deutschen Fußball-Bund noch immer nicht alles „hundertprozentig“ geklärt sei, aber es sollte nach allem, was man hört, nicht mehr lange dauern, bis er zum nächsten Bundestrainer ernannt wird. Dann verließ Flick den Presseraum und später auch die Arena. Einmal wird er in diesem Sommer aber noch dorthin zurückkehren. Er wird sich dort das EM-Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Frankreich ansehen.

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