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Trainingslager in Qatar : Die nächste umstrittene Reise des FC Bayern

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Für Franck Ribéry ist die Vorbereitung in Qatar schon Routine. Bild: Picture-Alliance

Obwohl Qatar in der Kritik steht, reist der FC Bayern auch in diesem Winter zum Training ins Land der WM 2022. Das liegt aber nicht nur an den Bedingungen, die Klub-Präsident Uli Hoeneß preist.

          „Die Würde des Menschen sei „unantastbar“, hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei der legendären Pressekonferenz im Oktober vollmundig erklärt – und auf Artikel 1 des Grundgesetzes hingewiesen. Dass in Qatar die Menschenrechte keineswegs unantastbar sind, scheint den deutschen Fußball-Rekordmeister dagegen schon seit Jahren nicht groß zu stören. Zum neunten Mal in Folge bereitet sich der FC Bayern im viel kritisierten Gastgeberland der WM-Endrunde 2022 auf die Bundesliga-Rückrunde vor. Am Freitagvormittag geht es wieder los.

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          Im Emirat am Persischen Golf gebe es schlicht und einfach „hervorragende Trainingsbedingungen“, verteidigte unlängst bereits Bayern-Präsident Uli Hoeneß die umstrittene Reise der Münchner nach Qatar. Dass die nationale Fluglinie des Emirats ein Großsponsor des Rekordmeisters ist, dürfte bei der Wahl des Trainingslagers aber ebenso eine entscheidende Rolle spielen.

          Rummenigge hat das umstrittene Trainingslager derweil einmal mehr verteidigt. "Der FC Bayern ist eines von vielen deutschen Mittelstandsunternehmen, die mit einem Partner aus Doha kooperieren. Wie andere Fußballvereine und Sportfachverbände auch beteiligen wir uns dabei an einem Dialog in der Golf-Region. Wir stehen mit unseren Partnern in Qatar in regelmäßigem Austausch über Entwicklungen in unseren Gesellschaften, der das Thema der Menschenrechte und die Rechte von Arbeitern bzw. Arbeitnehmern einschließt", sagte Rummenigge vor dem Abflug der Bayern den Münchner Tageszeitungen tz und Abendzeitung. "Die Menschenrechtsorganisation der UN, internationale Gewerkschaften und NGOs attestieren heute, dass Qatar auf öffentliche Kritik reagiert und Änderungen realisiert hat. Dazu zählen die positive Entwicklung der Rechtslage für Wanderarbeiter und Verbesserungen der Arbeitsrechte in Qatar", sagte Rummenigge weiter.

          Die Bayern flogen am Freitagfrüh mit 29 Spielern nach Doha. Der Rückflug ist für den 10. Januar geplant. Auch mit an Bord waren der bislang einzige Winterzugang Alphonso Davies (Vancouver Whitecaps) sowie die schon länger verletzten James und Corentin Tolisso. Beide arbeiten weiter an ihrem Comeback.

          Der Wüstenstaat sieht sich seit Jahren vor allem wegen der im Land herrschenden Arbeitsbedingungen für hunderttausende Gastarbeiter auf den WM-Baustellen massiver internationaler Kritik ausgesetzt. Das Land sei „zu Reformen verpflichtet, nicht nur wegen der WM, aber die WM hat eine reformierende Kraft und ist ein Antreiber für positiven Wandel. Seit der WM-Vergabe gab es massive Reformen im Arbeits- und Sozialwesen“, sagte zuletzt auch Hassan Al-Thawadi, Chef des katarischen WM-Organisationskomitees. Bayern-Trainer Niko Kovac sind die brisanten Umstände sicher bekannt, doch für den 47-Jährigen steht die optimale Vorbereitung seiner Stars im Vordergrund. In der Aspire Academy sollen die Grundlagen für die geplante Aufholjagd auf Spitzenreiter Borussia Dortmund und die Hammer-Aufgabe im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool gelegt werden.

          Kovac versprach bei sechs Punkten Rückstand auf den BVB einen „erbitterten Kampf“ um die deutsche Meisterschaft. Er habe die Winterpause mit dem Gefühl verbracht, „dass wir wieder der FC Bayern vom Saisonstart sind, dass wir uns unsere Leichtigkeit und das Selbstbewusstsein zurückgeholt haben – und dass die Jungs heiß sind, in der Rückrunde alles aus sich rauszuholen“, sagte Kovac in einem Interview auf der klubeigenen Homepage.

          Sportdirektor Hasan Salihamidzic arbeitet derweil weiter am Kader der Zukunft. Seit dem 1. Januar steht der 18 Jahre alte Alphonso Davies unter Vertrag. Der Flügelspieler vom MLS-Klub Vancouver Whitecaps kostete die Bayern bislang rund 14 Millionen Euro. Mit Zuschlägen können es dem Vernehmen nach bis zu 19 Millionen werden. Der von den Münchnern umworbene französische Abwehrspieler Lucas Hernandez von Atletico Madrid wäre mit 80 Millionen Euro Ablöse um ein Vielfaches teurer. Auch Offensivspieler Callum Hudson-Odoi (18) vom FC Chelsea soll bis zu 40 Millionen kosten. Salihamidzic will im Januar die Gespräche mit den Spielern intensivieren. Ob sich bis zum Bundesligastart am 18. Januar in Hoffenheim noch etwas tut, ist offen. Klar positioniert haben sich die Bayern dagegen bei zwei zuletzt unzufriedenen Stars. So sollen 2014er-Weltmeister Mats Hummels und der Kolumbianer James, der mit Juventus Turin in Verbindung gebracht wurde, aktuell nicht abgegeben werden.

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