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Präsident des FC Bayern : Hoeneß spricht über Provokationen in Haft

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„Es wurde versucht, mit reingeschmuggelten Handys Bilder von mir zu machen“: Uli Hoeneß. Bild: Picture-Alliance

Nach 21 Monaten kam der alte und neue Präsident des FC Bayern auf Bewährung frei. In einem Interview spricht er über das Verhalten von Mithäftlingen und eine monatelange Kampagne gegen ihn.

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          Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat über Provokationen von Mitgefangenen während seiner Haftstrafe berichtet. „Es wurde versucht, mit reingeschmuggelten Handys Bilder von mir zu machen, um sie dann für sehr viel Geld zu verkaufen. Es war hart zu erfahren, dass Leute, mit denen ich zuvor Karten gespielt hatte, probierten, mich unter der Dusche oder sonstwo zu fotografieren“, sagte Hoeneß der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch). In solchen Momenten sei es nicht einfach gewesen, ruhig zu bleiben.

          Dass diese Bilder nie an die Öffentlichkeit gelangten, sei darin begründet, dass „die Zeitungen wussten, wie teuer es für sie würde, wenn sie darauf eingehen würden“. Freundschaften seien daher im Gefängnis kaum entstanden. „Man kann dort wenigen Menschen trauen. Im Gefängnis hat mich meine eigentlich gute Menschenkenntnis verlassen. Du hast es mit Leuten zu tun, die teilweise gute Schauspieler sind“, ergänzte der 65-Jährige.

          Das Münchner Landgericht hatte den Präsidenten des FC Bayern München im Jahr 2014 wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach 21 Monaten in Haft war Hoeneß auf Bewährung vorzeitig nach Hause entlassen worden. Er sehe heute viele Dinge distanzierter und gelassener, sagte Hoeneß, der auch von einer monatelangen Kampagne gegen ihn sprach. So hatte er einen derartigen Rückhalt bei seiner Rückkehr ins Bayern-Präsidentenamt (97,7 Prozent der Stimmen) nicht erwartet. In politischen Talkshows werde er aber nicht mehr auftreten, „weil ich weiß, dass ich eine Schwachstelle habe, die nicht wegzudiskutieren ist“, erklärte Hoeneß.

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          Der ehemalige Sportvorstand Matthias Sammer sieht derweil  sein Verhältnis zu Hoeneß durch seine jüngste Kritik am Bayern-Präsidenten nicht belastet. „Wir sind befreundet. Er hat meinen Ansatz verstanden. Ich war ja auch kürzlich zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen“, sagte Sammer der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). Zuvor hatte der frühere Fußball-Nationalspieler unter Bezug auf zugespitzte Aussagen von Hoeneß an die gesellschaftliche Verantwortung von Vereinsfunktionären erinnert und einen anderen Umgang miteinander angemahnt.

          Zwar bekräftigte Sammer nun diese Sichtweise, sagte aber auch: „Meine Kritik war aber auf Vereins-Verantwortliche bezogen und nicht auf Uli Hoeneß allein. Mir steht es gar nicht zu, zu beurteilen, wer sich wie und wo öffentlich äußert.“ Sammer hatte seinen Sportchef-Posten beim FC Bayern München im Juli 2016 aufgegeben. Zuvor hatte er bereits aus gesundheitlichen Gründen pausiert.

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