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5:0 im Bundesliga-Topspiel : Die erstaunlichen Töne der Super-Bayern

Die Bayern Goretzka (links) und Lewandowski jubeln, spucken aber keine großen Töne. Bild: AFP

Nach dem 5:0 im Bundesliga-Topspiel ist von breitbeinigem Mia san mia keine Spur. Die Münchner geben sich erstaunlich zurückhaltend. Dafür will Trainer Niko Kovac etwas loswerden – und echauffiert sich.

          Genießen und schweigen. Das war das unausgesprochene, aber mit sichtlichem Vergnügen zur Schau getragene Motto von Uli Hoeneß, als er Richtung Ausgang der Münchner Arena strebte. Nur ein Satz war dem Präsidenten des FC Bayern am späteren Samstagabend zu entlocken: „Die Mannschaft hat gesprochen.“ Etwa gleichzeitig, ein paar Gänge und Räume weiter, hatte jemand anders indes größeren Redebedarf.

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          Es war Niko Kovac, der nach dem 5:0 des FC Bayern gegen Borussia Dortmund mal das eine oder andere loswerden wollte. In eigener Sache, und in Sachen Fußball und dessen öffentlicher Betrachtung überhaupt. Angesichts dessen, was da gerade passiert war, dieses zu einem Spaziergang geratene Spitzenspiel, die wiedereroberte Tabellenführung, der Big Point im Kampf um die deutsche Meisterschaft, in dem die Bayern nun wieder mit einem Punkt (und fünfzehn Toren) vorn liegen – gemessen an all dem war Kovac bemerkenswert angefasst und angriffslustig.

          Auslöser war in diesem Fall die Frage in der Pressekonferenz, ob seine Spieler nun auf Jerome Boatengs Party im Szeneklub P1 gehen dürften. Kovac echauffierte sich darüber, dass im Fußball „nur noch Nebensächlichkeiten“ eine Rolle spielten. „Das ärgert mich“, sagte er, „aber nicht nur mich. Da gibt es noch andere Kollegen, die das genauso ärgert. Ich bin kein Moralapostel. Aber das ist nicht in Ordnung, was hier abgeht.“

          Geradezu zynisch reagierte er beim ZDF in der Frage, ob dieser 5:0-Sieg auch für ihn eine Genugtuung gewesen sei nach all der Kritik der vergangenen Wochen. Auch da musste es aus Kovac offenbar einfach mal raus. „Alle auf einen“, so sei sie inzwischen, die Welt, aber er sei stark und halte das schon aus. Spricht so einer, der gerade seinen bislang größten Erfolg im wohl schwierigsten Trainerjob des deutschen Fußballs geschafft hat? Es war jedenfalls ein merkwürdiger Ton, der da am späten Samstagabend noch in den Vordergrund drängte. Der aber auch noch einmal verdeutlichte: Es hatte sich etwas angestaut, bei den Bayern, bei Kovac, und so gesehen war die Gelegenheit schon günstig, das alles mal loszuwerden.

          Das kuriose dabei war, dass dieses Reizklima den Bayern zugleich offenbar ziemlich gut zupass gekommen war – das 1:1 gegen Freiburg, das 5:4 gegen Heidenheim, die anschließende Mahnung von Hoeneß, dass es nun „keine Ausreden“ mehr gebe, die Bemerkung von Kovac, in der er seinen Job mit der (mühsamen) Erziehungsarbeit bei Kindern verglich, nicht zuletzt der öffentliche Druck – das alles spielte in dieses zum Spiel aller Spiele apostrophierte Duell hinein, in dem die Münchner prompt ihre beste Saisonhälfte aus sich herauskitzelten. In der sie mit rätselhaft verunsicherten und zugleich unvorteilhaft aufgestellten Borussen Katz und Maus spielten, dass sie und das Münchner Publikum ihre helle Freude daran hatten. „Adrenalin pur“, fand Thomas Müller. Er war es auch, der jene Antwort der Mannschaft, von der Hoeneß gesprochen hatte, ausbuchstabierte: „Es war von A bis Z ein Superspiel von uns.“

          Tatsächlich waren die Borussen am Ende mit den fünf Treffern durch Mats Hummels (10. Minute), Robert Lewandowski (17. und 89.), Javi Martinez (40.) und Serge Gnabry (43.) noch gut bedient. Weil die Bayern in jeder Hinsicht überlegen waren und daran „von der ersten Minute“ (Lewandowski) oder gar „der ersten Sekunde“ (Müller) keinen Zweifel ließen. Man konnte auch sagen: Sie hatten ihre Lektion aus dem Rückspiel gegen Liverpool in der Champions League gelernt, das Trainer Kovac und sie voller Respekt und Vorsicht angegangen waren und verloren. „Wir sind am besten, wenn wir aktiv mit und gegen den Ball sind. So wollen alle, die es mit uns halten, die Bayern sehen“, sagte Hummels forsch. „Das offensive Spiel“, ergänzte Lewandowski, „ist unsere DNA“.

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