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2:2 gegen Wolfsburg : Die Bayern verspielen den Sieg

Kein erfolgreicher Abend für Franck Ribery und die Bayern. Bild: dpa

Ein umstrittener Elfmeter und ein abgefälschter Schuss bescheren den Münchnern eine 2:0-Führung. Doch mit einem krassen Fehler nimmt das bayrische Unheil seinen Lauf.

          3 Min.

          Es war eine erfüllte Arbeitswoche für Martin Schmidt. Am Montag noch arbeitslos, am Dienstag schon auf der Bank des VfL Wolfsburg, beim 1:1 gegen Bremen – und am Freitag schon in München, zum Gastspiel beim deutschen Meister. Vier Tage im Job, zwei Bundesligaspiele, das haben nicht viele geschafft. Und schon gar nicht, auch noch etwas mitzunehmen aus München. Die Rolle des „Bayern-Schrecks“, die sich der Schweizer Trainer bei seinen vergangenen Besuchen beim FC Bayern verdient hatte als der Letzte, der dort mit einem Auswärtsteam gewann, im März 2016, und der Letzte, der dort einen Punkt holte, im vergangenen April, beides mit Mainz 05, hat sich nun auch mit dem VfL Wolfsburg fortgesetzt, der zuvor regelmäßig die Punkte in München gelassen hatte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Beim 2:2 am Freitag drehten die Wolfsburger einen 0:2-Pausenrückstand nach einem sehr zweifelhaften Elfmeter von Robert Lewandowski (33. Minute) und einem abgefälschten Schuss von Arjen Robben (42.) in der zweiten Halbzeit mit einem Freistoßtreffer von Maximilian Arnold nach krassem Fehler von Torwart Sven Ulreich (56.) und dem späten Ausgleich durch Daniel Didavi (84.). Damit kehrten die „Wölfe“ erstmals nach 15 Niederlagen wieder mit Beute aus München heim. „Ulle hat sich am meisten geärgert. Aber so ein Fehler haut ihn nicht um“, sagte Mats Hummels bei Eurosport zu der Szene von Ulreich. „Leider haben wir Wolfsburg wieder ins Spiel gelassen. Nach dem 2:1 wollten wir und hatte auch die Chancen. Aber es war nicht richtig koordiniert.“ Auch Thomas Müller war enttäuscht: „Wolfsburg hat den Punkt nicht gewonnen, sondern wir haben ihnen den noch mit Schleife übergeben.“

          Bundesliga

          Von Beginn an bewiesen die Wolfsburger nach nur wenigen Tagen unter dem neuen Trainer bereits deutliche Fortschritte und zeigten eine ordentliche Abwehrleistung gegen über weite Strecken etwas betuliche Bayern. Nach einem kurzen Angriffswirbel zu Beginn mit drei Ecken binnen der ersten drei Minuten spielte der Favorit allzu behäbig und berechenbar fast nur durch die Mitte, wo die Wege zumeist verstellt waren. Die einzigen halben Gelegenheiten der ersten halben Stunde waren zwei Freistöße von Lewandowski, von denen einer in der Mauer und der andere neben dem Tor landete.

          Mit der offensiven Traditionsbesetzung Robben und Ribéry auf den Flügeln anstelle von Coman und dem beim 3:0 bei Schalke 04 brillierenden James fehlte dem Spiel der Bayern diesmal über weite Strecken Tempo und Phantasie. So benötigten sie für das Führungstor einen Elfmeter, den nicht nur die früheren Bayern-Größen Matthias Sammer und Stefan Effenberg als TV-Experten unberechtigt fanden.

          Lewandowski stolperte im Duell mit Marcel Tisserand über dessen stehendes Bein und kam danach ausdrucksstark zu Fall – minimal gehalten von dem französischen Verteidiger, aber erst, als er schon im Fallen war. Zum Entsetzen der Wolfsburger pfiff Schiedsrichter Christian Dingert Elfmeter, ohne dass der Videoschiedsrichter eingriff – anders als am Dienstag in Schalke, wo ebenfalls beim ersten Tor eine Elfmeterentscheidung zugunsten der Bayern überstimmt worden war. Lewandowski verwandelte das Präsent wie gewohnt sicher – genau zwei Jahre nach seinem Tor-Weltrekord mit fünf Toren binnen neun Minuten ebenfalls gegen Wolfsburg.

          Wolfsburg-Trainer Schmidt hatte Spaß mit den Münchner Musikanten. Bilderstrecke
          Wolfsburg-Trainer Schmidt hatte Spaß mit den Münchner Musikanten. :

          Knapp zehn Minuten später war es dann ein abgefälschter Schuss, der die Wolfsburger um den Lohn ihrer guten Defensivleistung brachte. Robben spurtete vom linken Flügel diagonal Richtung Tor, schoss aus zwanzig Metern – und traf die Wade des seinen Weg kreuzenden Kollegen Rafinha. Sie fälschte den Ball gegen die Sprungrichtung von Torwart Koen Casteels unhaltbar ab. Ohne eine einzige herausgespielte zwingende Torchance führten die Bayern zur Pause 2:0.

          Ein Blackout von Torwart Ulreich ließ die Wolfsburger dann wieder hoffen. Einen wuchtigen, flattrigen, aber aus gut 25 Metern genau auf ihn zufliegenden Freistoß von Arnold versuchte der Vertreter des für den Rest des Jahres ausfallenden Manuel Neuer weg zu fausten, schlug dabei aber ein Luftloch. Der Ball rauschte über den verdutzten Keeper zum 2:1 ins Netz, und fünf Tage vor dem großen Champions-League-Duell bei Paris St-Germain schaute Trainer Carlo Ancelotti grimmig drein – ein Torwartproblem kann er in diesem Herbst nicht gebrauchen. Seine Miene verdunkelte sich weiter, als der eingewechselte Didavi den späten Ausgleich per Kopfball erzielte und sein Team nicht mehr antworten konnte. Der Schwung der drei Siege mit 10:0 Toren als Antwort auf die Niederlage in Hoffenheim und das Grollen hinter den Kulissen ist am Freitag erst einmal wieder verflogen.

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