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Bundesliga-Topspiel beim BVB : Der Plan des FC Bayern für den „Geistergipfel“

Gerade die Dortmunder haben sich, zumindest defensiv, bei Standards durch Mats Hummels’ Rückkehr aus München deutlich verbessert – vom schwächsten Team der Liga in der Vorsaison (19 von 44 Gegentoren durch Standards) zum zweitbesten in dieser Saison (sieben von 33). Auch die Dortmunder Torbilanz von 15:1 in den letzten sechs Bundesligaspielen, allesamt gewonnen, spricht dafür, dass die Bayern sich im Topduell keinesfalls allein auf ihre Torgefahr verlassen können – so wie sie es gegen Frankfurt konnten.

Die Ungeduld, mit der sein Team die Angelegenheit nach dem 3:2 umgehend zu korrigieren versuchte (was durch ein Tor von Alphonso Davies und ein Eigentor von Hinteregger auch gelang), konnte Flick nicht gefallen – weil das dem Gegner zwei-, dreimal große Räume öffnete, wie sie gegen ein Team wie Dortmund fatal wären. „Wir spielen oft sehr schnell in die Offensive, wollen schnell zum Abschluss kommen“, erklärte Flick. Manchmal, bei einer 3:0-Führung etwa oder auch wenn es hektisch werde, müsse man „auch mal Tempo rausnehmen, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren lassen“. Da könne sich seine Mannschaft noch steigern, bemängelte Flick, klang aber zugleich wie der nachsichtige Pädagoge, der bei seinen Zöglingen lieber Fehler aus Übermut als aus Mutlosigkeit verzeiht. „Die Mannschaft will immer nach vorn spielen. Wir wollen offensiv spielen. Das zeigt die Mannschaft, das ist in ihr drin.“

Das Selbstvertrauen ist es auch. „Wir wollen die Meisterschaft nach München holen“, sagte Müller forsch. „Da, wo sie hingehört.“ Sollte Müller am Dienstag sein 250. Bundesliga-Sieg gelingen, wäre den Bayern bei dann sieben Punkten Vorsprung der achte Titel hintereinander kaum noch zu nehmen. Ja, auch ohne Sieg im Ligagipfel werde „in der Summe der FC Bayern am Ende der Saison die Nase vorn haben“, erwartet der Frankfurter Trainer Adi Hütter. Flick sieht sein Team und sich „in einer Position der Stärke“.

„Lieber, wenn das Stadion kochen würde“

Es ist auch die Stärke, mit schwierigen Bedingungen jeder Art zurechtzukommen, mit Höllenlärm wie Totenstille gleichermaßen. Ein Publikum, das hat sie mit dem munteren Aufgalopp gegen überforderte Frankfurter gezeigt, braucht Flicks Elf nicht, um sich zu mobilisieren. Sie bezieht, wie jeder gute Profi in jedem Beruf, ihre Motivation aus der Arbeit selbst, nicht aus dem Beifall, den sie dafür erhält. Müller pries „die Galligkeit von Beginn an“ und „die Intensität, wie wir ins Spiel gegangen sind, wie wir die Zweikämpfe geführt haben“. Das soll beim „Geistergipfel“ nicht anders sein. „Gegen Dortmund werden wir zu 100 Prozent da sein“, versprach Goretzka. „Das sind die Spiele, denen wir entgegenfiebern.“

Dennoch, auch den besten und professionellsten Teams helfen Fans, vor allem in schwierigen Phasen. Dass den Dortmundern dieser Antrieb durch ihr legendäres Publikum fehlen wird, sieht Müller nicht als Vorteil für sich und sein Team. „Wir Fußballer spielen ja auch wegen dieser Hitzigkeit, wegen dieser Atmosphäre. Diese Spiele in Dortmund, der deutsche Klassiker, wie er sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Da wäre uns das absolut lieber, wenn das Stadion kochen würde.“ Am Dienstag bleibt die Küche kalt. Die Hitze muss von innen kommen.

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