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Bayern gegen Hertha : Die erste große Überraschung der Saison

Zwei Tore von Robert Lewandowski reichen den Bayern nicht zum Sieg. Bild: Reuters

Die Bundesliga startet mit einem turbulenten Spiel. Lewandowski trifft doppelt für die Bayern. Zum Sieg reicht das aber nicht, weil Hertha zwei kuriose Tore erzielt. Dafür gibt es einen Erfolg auf dem Transfermarkt.

          Das geht ja gut los mit der 57. Saison der Fußball-Bundesliga. In einem turbulenten Eröffnungsspiel ist der deutsche Meister Bayern München, der die Hälfte aller bisherigen Bundesligatitel, 28, gewonnen hat, die letzten sieben davon am Stück, am Freitagabend nicht über ein 2:2 gegen Hertha BSC hinausgekommen. Beide Tore für die Bayern erzielte Robert Lewandowski (24./60. Minute), nachdem die Berliner zwischenzeitlich durch Dodi Lukebakio (36.) ausgeglichen und durch Marko Grujic (39.) sogar die Pausenführung erzielt hatten. Damit endete das Trainerduell zweier in Berlin geborener Kroaten unentschieden, Niko Kovac bei den Bayern und Ante Covic bei der Hertha. Covic ist einer von acht neuen Bundesligatrainern zu Beginn der Saison, so viele wie nie seit der ersten Spielzeit 1963. „Wir wissen das richtig einzuordnen“, sagte Covic. „Aufgrund der Chancen ist das Ergebnis in Ordnung.“

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Bayern legten von Beginn an ein hohes Tempo vor und kamen, nachdem Thomas Müller aus dem Rückraum das Berliner Tor knapp verfehlt hatte (7.), nach einem halben Dutzend guter, aber noch zu ungenauer Angriffe zur verdienten Führung. Als die Berliner einmal ein wenig zu weit aufgerückt und auf der linken Seite zu locker postiert waren, fand Joshua Kimmich Raum für einen Spurt, spielte den Ball dann präzise in den Lauf von Serge Gnabry, und der Rechtsaußen fand mit einer scharfen, flachen Hereingabe in den Rücken der Abwehr den im Zentrum durchstoßenden Lewandowski. Aus vollem Lauf grätschte der Pole den Ball mit einem langen Schritt zum ersten Treffer der Saison 2019/20 ins Netz.

          Die Sache schien den erwarteten Verlauf zu nehmen. Nur mit Glück überstanden die Berliner die folgenden Minuten, in denen die Bayern das 2:0 bei einer Doppelchance durch Gnabry und Lewandowski nur knapp verpassten. Und schossen dann mit noch mehr Glück wie aus dem Nichts das 1:1. Neuzugang Lukebakio, der in der vergangenen Saison beim 3:3 mit Düsseldorf mit drei Treffern zum großen Bayern-Schreck geworden war, setzte noch eins drauf, als wolle er beweisen, dass er in der Münchner Arena einfach nichts falsch machen kann. Er entschloss sich zu einem Distanzschuss, der vom Rücken seines Mitspielers Vedad Ibisevic unhaltbar für Torwart Manuel Neuer ins Bayern-Tor abgefälscht wurde.

          Und nur drei Minuten später war der Verlauf der ersten Halbzeit auf den Kopf gestellt, als Verteidiger Benjamin Pavard, der einzige Neuzugang in der Bayern-Startelf, nach einer Kollision mit Grujic einen Moment benommen und damit die Bayern-Abwehr unsortiert war. Ibisevic spielte den Ball mit einem präzisen Chip in den Lauf von Grujic, und der vom FC Liverpool ausgeliehene Serbe lief allein aufs Tor zu, umkurvte Neuer und schob den Ball zum 1:2 ins Netz. In der letzten Szene vor der Pause reklamierten die Bayern vehement einen Elfmeter nach einem Schubser von Niklas Stark an Kingsley Coman, doch Schiedsrichter Harm Osmers stufte die Aktion als regelkonform ein.

          Wer sollte die Sache für die Bayern drehen? Die Optionen auf der Bank schienen dürftig. Der nach dem geplatzten Sané-Transfer ausgeliehene Ivan Perisic durfte am Freitag wegen einer noch in Italien erhaltenen Gelbsperre nicht spielen, und Leon Goretzka fehlte verletzt. Und auch zwei zehn Jahre lang vertraute Namen, zwei Männer für alle Fälle, fehlten erstmals seit Urzeiten auf dem Spielberichtsbogen, die von Arjen Robben und Franck Ribéry, seit dieser Saison Bayern-Helden a.D.

          Ein neuer Name hatte kurz vor Anpfiff aus Spanien die Runde gemacht, von wo eine Einigung der Bayern mit dem FC Barcelona über eine Ausleihe des Brasilianer Philippe Coutinho vermeldet wurde. Sportdirektor Hasan Salihamidzic bestätigte die Personalie nach dem Spiel im ZDF. Nur noch Details seien zu klären, zudem stehe der Medizincheck noch aus. Coutinho wird zunächst für ein Jahr ausgeliehen, danach haben die Münchner eine Kaufoption, über deren Höhe Salihamidzic keine Auskunft geben wollte. „Wir sind glücklich, dass wir den Spieler zum FC Bayern holen werden“, sagte er. Auch Trainer Kovac war zufrieden: „Er ist ein Topspieler.“

          Gegen Hertha aber mussten es noch die vorhandenen Kräfte richten, allen voran die beiden schnellen Außenstürmer. Nach 51 Minuten entwischte Coman seinem zähen Gegenspieler Lukas Klünter, doch Torwart Rune Jarstein war zur Stelle. Ebenso stark parierte der Norweger fünf Minuten später einen wuchtigen Weitschuss von Gnabry. Machtlos war er erst, als sich der Videoassistent einschaltete und Schiedsrichter Osmers ein Gerangel im Strafraum zwischen Lewandowski und Grujic abseits des Balles noch einmal auf dem Bildschirm studierte und auf ein Foul des Berliners erkannte. Beim fälligen Elfmeter lockte Lewandowski den Torwart in die falsche Ecke und vollendete sicher zum 2:2.

          Die Bayern erhöhten den Druck weiter, fanden aber die Lücke nicht. Aus bester Position verzog Corentin Tolisso (72.), Gnabry jagte den Ball über das Tor (85.). Mit einer nervenstarken Abwehrleistung und etwas Glück retteten die Berliner den Punktgewinn ins Ziel – und bescherten der Saison schon am ersten Tag die erste große Überraschung. „Wir haben nicht schlecht gespielt und viele Chancen gehabt. Die haben wir aber leider nicht genutzt“, sagte Lewandowski. Auch Salihamidzic befand: „Wir hätten die Tore machen müssen, hatten gute Chancen und 11:0 Ecken. Wir hatten auch Pech. So können die Spiele laufen, aber ich bin zuversichtlich.“

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