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„Bin kein Corona-Leugner“ : Joshua Kimmich und seine Entscheidung gegen die Impfung

Beklagt auch den derzeitigen Ton in der Impfdebatte: Nationalspieler Joshua Kimmich Bild: Reuters

Im Anschluss an den Sieg gegen Hoffenheim sagt FC-Bayern-Spieler Joshua Kimmich, dass er nicht geimpft sei. Er habe Bedenken wegen „fehlender Langzeitstudien“ – und betont, kein „Impfgegner“ zu sein.

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          In der Fußballarena in München wurden schon die Tore abgebaut, da stand Joshua Kimmich noch immer in der Interviewzone am Spielfeldrand. Es ging in dem Gespräch mit dem Rechteinhaber Sky aber nicht um den 4:0-Bundesliga-Sieg von Kimmich und seinem FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim, sondern: ums Impfen.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Am frühen Samstagabend hat der Nationalspieler Kimmich erzählt, dass er sich noch nicht gegen Covid-19 habe impfen lassen. „Ja, das stimmt“, sagte er angesprochen auf eine Meldung der Bild, die schon am Abend davor verbreitet worden war. „Weil ich für mich persönlich Bedenken habe, was fehlende Langzeitstudien angeht.“

          Es sei nicht so, dass er „ein Corona-Leugner oder ein Impfgegner“ sei, sagte Kimmich und hielt dann einen kurzen Monolog: „Das finde ich immer so ein bisschen schade, wenn es um die Debatte geht. Es gibt nur noch geimpft und nicht geimpft. Und nicht geimpft bedeutet dann oftmals gleich, dass man Corona-Leugner oder ein Impfgegner ist. Es gibt auch ein paar andere Menschen zu Hause, die ein paar Bedenken haben. Das sollte man respektieren. Vor allem so lange man sich an die Maßnahmen hält.“ In seinem Fall heiße das: regelmäßig getestet zu werden, alle zwei bis drei Tage getestet. Die Tests zahle momentan der FC Bayern. Falls der Verein das in Zukunft nicht mehr übernehmen wolle, werde er dies auch selbst machen.

          FC Bayern rät zur Impfung

          In dem Interview wollte Kimmich, der während der Pandemie mit Leon Goretzka die Spenden-Initiative „We Kick Corona“ gegründet hat, nicht ausschließen, dass er sich doch noch impfen lasse. Das sei „sehr gut möglich“. Vielleicht sogar kurzfristig? „Auch das kann passieren.“ Auf der anderen Seite wies er in dem Gespräch auf „Impfdurchbrüche“ hin.

          Aus Sicht des Vereins könnte die Entscheidung des Führungsspielers sportliche Folgen haben. Er setzt sich nämlich einem höheren Risiko der Ansteckung – und grundsätzlich einem höheren Risiko des Fehlens aus. Unter anderem weil die Quarantäne-Regeln für ungeimpfte Personen etwa im Kontaktfall deutlich strenger sind als für geimpfte.

          Der FC Bayern rät seinen Spielern daher, sich impfen zu lassen. „Wir plädieren dafür, dass man es macht“, sagte Trainer Julian Nagelsmann, der trotz vollständigen Impfschutzes unter der Woche positiv auf Covid-19 getestet worden ist. Den Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften könne man in den Kliniken sehen. „Es gibt keinen Zwang, sondern eine Empfehlung, und die sprechen wir aus.“

          So ähnlich äußerte sich auch sein Assistent und Vertreter Dino Toppmöller am Samstagabend, als er auf Kimmichs Entscheidung gegen das Impfen angesprochen wurde. „Ich respektiere das“, sagte er. Alle Spieler hätten die Möglichkeit gehabt, vom Internisten des Klubs „über alles aufgeklärt“ zu werden.

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