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1:4 bei Hoffenheim : Die Bayern gehen zu Boden – und wie!

  • -Aktualisiert am

Eindeutige Niederlage gegen Hoffenheim: Die Bayern zeigen sich verwundbar Bild: EPA

Hoffenheimer Favoritensturz: Die TSG bringt den Münchnern die erste Niederlage seit fast zehn Monaten bei. Kramaric trifft beim 4:1 zweimal. Wird die Dauerbelastung für Bayern doch zu viel?

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          Diesmal sollte es ein richtiges Bundesligaspiel in Sinsheim werden. Ohne Störmanöver irregeleiteter Fans, die sich mit Pöbeleien an Dietmar Hopp, dem Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim, hätten abarbeiten wollen. So geschehen am 29. Februar, als der FC Bayern München in der Sinsheimer Arena schon 6:0 führte und dem Duell mit den Kraichgauern ob der verbalen Entgleisungen einiger Anhänger der Abbruch drohte. Damals konnte das irreale Spiel noch in einer Schlussviertelstunde des gegenseitigen Ballzuspielens zu Ende gebracht werden, mochten die Umstände der ungleichen Begegnung zwischenzeitlich auch unwürdig anmuten.

          Bundesliga

          Diesmal war alles anders. Diesmal waren die Hoffenheimer ein veritabler Gegner der in diesem Jahr bis Sonntag noch ungeschlagenen Bayern. Und diesmal gewannen die Hoffenheimer vor 6030 begeisterten Zuschauern nach einem fabelhaften Auftritt durch die Treffer von Bicakcic (16. Minute), Dabbur (24.) und zweimal Kramaric (77., 90.+2/Foulelfmeter) bei einem Gegentor von Kimmich (36.) 4:1. Es war die erste Münchner Niederlage nach zuvor 32 erfolgreichen Pflichtspielen. Fürs Erste sind die Kraichgauer sogar Tabellenführer, aber noch haben die Bayern ja lange Zeit, das zu ändern.

          Eine kleine Chance hatten die mit einem glücklichen 3:2-Erfolg in Köln in die Saison gestarteten Hoffenheimer von vornherein gewittert ob der vielen Belastungsproben, denen die Münchner zuletzt ausgesetzt waren – aktuell in einer englischen Woche, in der sie zunächst den FC Schalke 04 beim federleicht herausgespielten 8:0-Triumph gedemütigt hatten und danach am Donnerstag in Budapest zwei Stunden Schwerstarbeit verrichten mussten, um nach der Meisterschaft, dem DFB-Pokalgewinn und der Champions-League-Krönung auch noch den europäischen Supercup zu erobern: durch ein 2:1 nach Verlängerung über den EuropaLeague-Besten FC Sevilla.

          Keine Entschuldigungen

          Trainer Hansi Flick, den gemeinsame Jahre mit der TSG als Trainer und Geschäftsführer verbinden, wollte Klagen über die in München übliche hohe Dauerbelastung erst gar nicht gelten lassen. Und so sagte er auf dem Weg in seine nordbadische Heimat: „Auch wenn man müde ist, kann man Topleistungen abrufen, wenn auch vielleicht nur sechzig Minuten.“ Im Vergleich zum Kraftakt gegen die Spanier ließ Flick diesmal zu Beginn den laut Flick „leicht angeschlagenen“ Stürmerstar Lewandowski, Mittelfeld-Antreiber Goretzka, Linksverteidiger Hernández und Innenverteidiger Süle, einen ehemaligen Hoffenheimer, draußen. Dafür standen Zirkzee, Tolisso, Davies und Boateng in der Startelf.

          Die Münchner, in der ersten Halbzeit verwundbar wie lange nicht, erlebten zu ihrem Schrecken mit, wie die TSG die Vorgabe ihres neuen Trainers Sebastian Hoeneß exakt umsetzte. „Wir müssen mental, taktisch und körperlich gut vorbereitet sein und mit viel Herz und Leidenschaft spielen“, hatte Hoeneß, der in der vorigen Saison die zweite Mannschaft der Bayern zur Drittligameisterschaft führte, von seiner Mannschaft eingefordert.

          Hoffenheim setzt sich durch

          Und so trat Hoffenheim dann auch auf. Nach kurzem Abtasten setzte die TSG ein erstes Leuchtzeichen, als sich Innenverteidiger Bicakcic nach Geigers Eckball im Duell mit Tolisso die Lufthoheit erkämpfte und den auf der Linie verharrenden Torwart Neuer per Kopfball zum 1:0 für den Außenseiter überwand. Acht Minuten später chippte der israelische Stürmer Dabbur den Ball über Neuer hinweg zum 2:0 für die Hoffenheimer ins Netz. Zuvor hatte sich Pavard im Duell mit dem Hoffenheimer Stürmerstar Kramaric ungeschickt angestellt, so dass der Ball vom französischen Weltmeister bei Dabbur landete.

          Jubel in Blau: So hatten sich die Hoffenheimer das vorgestellt.
          Jubel in Blau: So hatten sich die Hoffenheimer das vorgestellt. : Bild: EPA

          Erst danach wurde Bayern zielstrebiger und kam durch Kimmichs Kunstschuss in den Winkel zum Anschlusstreffer. Hoffenheim aber blieb bei seinen rasanten Gegenattacken jederzeit torgefährlich, was Kramarics Lattenschuss (45.) noch einmal bewies. Da war Bicakcic, der Torschütze zum 1:0, längst in der Kabine. „Eisen-Ermin“, wie er genannt wird, knickte vor dem Münchner Treffer im Zweikampf mit Sané um und verletzte sich dabei.

          Nach weiteren Torgelegenheiten hüben wie drüben kamen dann doch der „angeschlagene“ Lewandowski anstelle von Zirkzee trotz dessen Lattentreffers Sekunden davor und Goretzka für Pavard ins Spiel (57.). Ein deutliches Münchner Zeichen dafür, dass es so wie zuvor nicht weitergehen durfte. Die Bayern erhöhten den Druck, ohne so souverän wie sonst anzumuten. Hoffenheim blieb torgefährlich gegen die wacklige Münchner Abwehr. Und dann schlug Kramarics große Viertelstunde. Erst bezwang er Torwart Neuer mit einem überlegten Flachschuss, dann per Elfmeter, nachdem der Münchner Keeper Bebou von den Beinen geholt hatte.

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