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0:1 in Hoffenheim : Die Bayern verzweifeln am Taktiker Nagelsmann

Ratlos: Als Bayern-Kapitän kann Arjen Robben nicht viel gegen die starken Hoffenheimer anrichten Bild: dpa

Mit starker Leistung im ersten und viel Glück im zweiten Durchgang besiegt die TSG erstmals in der Bundesliga den FC Bayern. Der Meister aus München agiert dagegen anfangs überfordert – und am Ende planlos.

          Sie hatten mit Widerstand gerechnet – und trotzdem dachte Carlo Ancelotti auch an die kommenden Aufgaben. Das Bundesliga-Duell gegen Borussia Dortmund in vier Tagen (18.30 Uhr / live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET), der Champions-League-Klassiker gegen Real Madrid in acht Tagen – vor der entscheidenden Saisonphase entschied sich der Italiener deshalb dafür, abermals einige seiner Stars zu schonen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So saßen Lahm, Boateng und Ribéry gegen Hoffenheim zunächst nur auf der Bank. Neuer (Operation am Fuß) und Müller (Sprunggelenksverletzung) fehlten gleich ganz im Kader. Und tatsächlich wirkten die Bayern nicht nur durchrotiert, sondern zeitweise reichlich durcheinander, und verloren so am Dienstagabend verdient 0:1 bei 1899 Hoffenheim. Das entscheidende Tor erzielte Kramaric (21. Minute).

          Sonntagsschuss: Kramaric fasst sich ein Herz und hämmert den Ball zum 1:0 ins Münchner Netz Bilderstrecke

          Der Erste der Fußball-Bundesliga gegen den Dritten – diese Partie wollte sich auch Bundestrainer Joachim Löw nicht entgehen lassen. Er sah den deutschen Rekordmeister von Beginn an in Bedrängnis, weil Xabi Alonso und Renato Sanches das Mittelfeld weitgehend ihren Gegenspielern überließen. Hoffenheim spielte so immer wieder schnell von Strafraum zu Strafraum. Vor allem Amiri, Demirbay und Kramaric machten ordentlich Dampf. Der Kroate hatte auch schon früh die erste Chance, Rafinha aber klärte gerade noch zur Ecke (2).

          Den Hoffenheimern aber machte das nur Lust auf mehr. Erst zielte Kramaric noch links vorbei (8.), aber dann nutzte er eine zu kurz geratene Kopfballabwehr von Hummels zu einem Schuss aus 18 Metern. Neuer-Vertreter Ulreich bekam die linke Hand noch an den Ball, lenkte diesen aber lediglich ins eigene Tor (21.). Die Bayern hingegen taten sich schwer in der Offensive, fanden kein richtiges Mittel gegen einen Gegner, der mit fünf Spielern in letzter Linie verteidigte und den Spielaufbau der Münchner extrem früh störte. So bekamen vor allem Robben und Coman auf den Flügeln kaum Raum und Zeit, um einmal einen ihrer Hochgeschwindigkeitsläufe zu starten.

          Szeneapplaus von Nagelsmann

          Diese gab es nur auf der anderen Seite. Über eine Ein-Kontakt-Passstafette gelangte der Ball über Amiri, Wagner und Kramaric zu Demirbay, der jedoch aus zehn Metern ans Ulreich scheiterte (41.). Szenenapplaus von Trainer Nagelsmann. Erst kurz vor dem Seitenwechsel kam Coman doch einmal zur Grundlinie, spielte zu Lewandowski, doch der Pole scheiterte aus kurzer Distanz an der Querlatte.

          Diesen Schwung der Schlussminute nahmen die Bayern mit in den zweiten Abschnitt. Sie wirkten nun ballsicherer, zielstrebiger, und trotzdem dauerte es bis zur 55. Minute, ehe sie zum ersten Mal gefährlich zum Abschluss kamen. Wieder war es Lewandowski, der jedoch aus zehn Metern an Torhüter Baumann scheiterte. Nagelsmann spürte, dass er reagieren musste und brachte in Szalai für Wagner einen neuen Stürmer. Zudem ersetzte Schwegler im Mittelfeld Demirbay (62.). Die Hoffenheimer kamen dennoch nicht mehr so gut in die Zweikämpfe, rannten ihren Gegenspielern immer öfter hinterher – und hatten trotzdem die Chance zum zweiten Treffer. Nach einer Flanke kam Kramaric im Fünfmeterraum an den Ball, geriet aber zu sehr in Rückenlage und schoss den Ball über das Tor (68.).

          Ancelotti, im dunklen Anzug gekleidet, verfolgte beinahe das gesamte Spiel am Spielfeldrand, gestikulierte ungewohnt viel, nahm immer wieder Korrekturen vor und brachte auch noch Ribéry für die Schlussphase. Herauskam mehr Ballbesitz rund um den Hoffenheimer Strafraum, Dauerdruck fast wie im Handball. Die Hoffenheimer aber kämpften, und überstanden auch die vierminütige Nachspielzeit. So fügten sie den Bayern die erste Niederlage in der Rückrunde zu – und bleiben selbst auf Champions-League-Kurs.

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