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1:2 in Mönchengladbach : Die Bayern verlieren die Kontrolle und das Spiel

Auch der Münchner Thomas Müller vergab Chancen in Gladbach. Bild: Reuters

Die Münchner dominieren das Topspiel zunächst nach Belieben, treffen aber das Tor nicht. Als sie es doch tun, kommt Gladbach schnell zum Ausgleich. In der Nachspielzeit überschlagen sich dann die Ereignisse.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Dank eines spät einsetzenden Steigerungslaufs bis zum ultimativen Tagesgipfel hat sich Borussia Mönchengladbach am Samstagnachmittag im Spiel der Spiele am 14. Bundesliga-Spieltag belohnt. 45 Minuten lang war der Tabellenführer der Bundesliga dem deutschen Meister FC Bayern München hoffnungslos unterlegen. Ein Wunder, dass es zur Pause angesichts von zahlreichen Münchner Torgelegenheiten 0:0 stand. Als die Bayern dann auch noch 1:0 durch Perisics Schuss aus der Drehung in Führung gingen (49. Minute), schien sich dieses Spitzenspiel auch ergebnistechnisch zugunsten der bis dahin deutlich besseren Mannschaft zu drehen.

          Bundesliga

          Der Rückstand aber schien die Gladbacher nach dem Motto „Jetzt ist schon alles egal“ endlich alarmiert und an ihre eigenen Stärken erinnert zu haben. „Wir haben uns in das Spiel reingefressen und reingearbeitet“, sagte Trainer Marco Rose über die Phase, die den Umschwung in dieser lange einseitigen Partie einleitete. Die Bayern dagegen wirkten nun seltsam satt.

          Der erste Gladbacher Erfolg für die erhöhte Bereitschaft, den Münchnern Auge in Auge zu begegnen, war Bensebainis Kopfballtor (60.) zum 1:1 nach einem Eckball von Hofmann. Danach wurde aus einer Münchner Demonstration ein hin und her wogendes Kampfspiel, in dem die Borussia auch durch die Einwechslungen von Embolo und Herrmann mehr und mehr ihre Offensivpower ausspielte und den zusehends müder werdenden Champion in die Ecke drängte.

          Am Ende, als sich beide Teams mit dem Remis arrangiert zu haben schienen, landeten die hungrigeren Gladbacher ihren Lucky Punch. Der schon verwarnte Martinez hatte Thuram in der letzten Minute im eigenen Strafraum gefoult und wurde von Schiedsrichter Fritz des Feldes verwiesen. Bensebaini, der sich an diesem Tag auch noch die letzte nervliche Herausforderung zutraute, trat zum Strafstoß an und traf zum glücklichen 2:1-Sieg (90.+3) für die den Bayern um sieben Punkte enteilten Gladbacher. Die Münchner dagegen fielen nach den Nachmittagsspielen auf Rang sechs der Tabelle zurück und müssen bis Sonntag damit rechnen, in der Tabelle noch tiefer zu sinken.

          Bundesliga

          Der Goldglanz der alten Zeit lag über diesem Liga-Klassiker, als zwischen 1969 und 1977 Borussia Mönchengladbach (fünf deutsche Meisterschaften) und der FC Bayern München (vier) den national wichtigsten Titel unter sich aufteilten. Es waren große Jahre des deutschen Fußballs, in denen die jugendbewegten, stürmischen „Fohlen“ mit Protagonisten wie Günter Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts die Fans begeisterten und die seinerzeit schon abgeklärten Bayern unter der Regentschaft von Franz Beckenbauer auch international leuchtende Zeichen setzten.

          Bei den Münchnern war das Ballyhoo um dieses Duell nicht so hoch wie bei den Gladbachern, die den Bayern erstmals seit 43 Jahren wieder als Bundesliga-Tabellenführer begegneten. Bei denen sich die Helden von einst, Berti Vogts, Rainer Bonhof und der in Mönchengladbach zum Profi gewordene Lothar Matthäus, mit Elogen auf Trainer Marco Rose und den neuen Offensivstil der Borussia zu Wort gemeldet hatten.

          Der Titelverteidiger spielte zwar den besseren Fußball, ließ aber die Konsequenz im Handeln vermissen, ehe die Mannschaft den Biss aus der ersten Hälfte mehr und mehr verlor. „Wir haben irgendwann das Fußballspielen vergessen“, klagte Trainer Hans-Dieter Flick leise. Der vom Assistent zum Chef aufgestiegene Interimsnachfolger des entlassenen Niko Kovac muss damit rechnen, dass er es nach der Winterpause mit einem neuen Vorgesetzten an der Säbener Straße zu tun bekommen wird. Es rächte sich, dass die Mannschaft wie vergangene Woche beim 1:2 daheim gegen Bayer Leverkusen allerbeste Gelegenheiten liegen ließ. Als Perisic die Bayern nach dem Wechsel 1:0 in Führung gebracht hatte, setzte der Meister nicht nach. Und so kamen die nun schon seit acht Spieltagen führenden Gladbacher zurück ins Spiel.

          „Wir waren selbst schuld“, sagte Nationalspieler Joshua Kimmich über den Umschwung in dieser Partie. Die Vielzahl guter Chancen nicht genutzt zu haben, sei „nicht immer nur Pech“. Kimmich rätselte über den späten Einbruch seiner Mannschaft, die 45 Minuten lang „richtig guten Fußball“ gezeigt habe. Nicht nur wegen der sieben Punkte Rückstand auf die Gladbacher ist der diesmal als rechter Verteidiger aufgebotene Schwabe davon überzeugt, „dass es in dieser Saison für uns deutlich schwieriger wird als in der letzten“, als die Münchner neun Punkte auf Borussia Dormund aufholten und am Ende wieder einmal die Meisterschaft feierten. In der Saison 2019/20 muss der Titelverteidiger gleich mit mehreren Widersachern im Kampf um die Meisterschale rechnen, zu denen neben den Gladbachern auch RB Leipzig oder Borussia Dortmund, vielleicht sogar Bayer 04 Leverkusen gehören.

          Vom Bayern-Blues weit entfernt, feierten die Gladbacher am Samstag ihren unverhofften Sieg mit ihren begeisterten Fans, die ihr Team mit unglaublicher Inbrunst unterstützt hatten. „Wir haben uns nicht unterkriegen lassen“, sagte Torhüter Yann Sommer über den Spielverlauf am Samstag. „Der erste Platz für uns ist insgesamt verdient, aber wir müssen gegen jeden Gegner alles geben. Dann ist es schwer, uns zu schlagen.“ Aber nur dann. Was ihnen droht, wenn sie nur ein wenig nachlassen, auch das bekam die Borussia am Samstag zu spüren. Und deshalb waren die Umstände des 21. Bundesliga-Heimsiegs über die Bayern auch sehr lehrreich.

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