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Stress in der Bundesliga : Problem verdrängen, bis es kracht

  • -Aktualisiert am

Zu dünn aufgestellt: der Kader des FC Bayern München um Robert Lewandowski (links) und Thomas Müller Bild: EPA

Falsche Trainer bei Schalke und Mainz, zu wenige Spieler bei den Bayern. Schon der zweite Spieltag der neuen Saison offenbart alte Probleme. Trotz Corona wäre im Sommer Zeit gewesen, sie zu lösen.

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          Er wäre lieber Zweiter, hat Sebastian Hoeneß am Sonntag nach dem 4:1-Coup gegen die Bayern gesagt. Als laste damit nun ein zusätzlicher Druck auf ihm und 1899 Hoffenheim, als stünden sie nun auch nur einen Deut weniger im Mittelpunkt, wären sie in der Tabelle nicht ganz nach oben geklettert. Doch wer die Bayern besiegt, muss es sich so oder so gefallen lassen, in den Schlagzeilen zu stehen. Da muss der Trainer nicht einmal der Neffe des ehemaligen Bayern-Präsidenten sein – und sein Team kein Tabellenführer.

          Die Zeiten, da es besonders günstig schien, auf die Münchner zu treffen, wenn diese gerade von schweren Auswärtsfahrten in der Champions League zurückgekehrt waren, schienen eigentlich vorbei. So lange, dass sich mancher nicht mehr daran erinnern konnte. Nun sind diese Tage offenbar wieder da. Und wären es nicht die Bayern, die bekanntlich keine Fehler machen, müsste man dem Dauersieger tatsächlich Managementfehler bei der Zusammenstellung des Kaders attestieren, der derzeit etwas dünn erscheint. Dass es mit der Müdigkeit der Spieler so kommen könnte wie am Sonntag in Hoffenheim, war im Grunde nicht die Frage – sondern angesichts der Terminhatz eher, wann es passieren würde.

          So unberechenbar Fußball auch sein mag: Vieles, was am Wochenende geschah, war absehbar. Und das gilt nicht nur für den FC Bayern, es gilt auch für Schalke 04 und Mainz 05. Die Probleme der vergangenen Saison mit in die neue Spielzeit zu nehmen und darauf zu hoffen, dass es wie von Zauberhand besser würde und sich alle Schwierigkeiten in Luft auflösen, erscheint hier wie dort doch einigermaßen naiv.

          Ob Beten weiter hilft? Achim Beierlorzer wurde entlassen.
          Ob Beten weiter hilft? Achim Beierlorzer wurde entlassen. : Bild: dpa

          Vielleicht hat Sebastian Hoeneß mit seinem Wunsch, nicht so im Mittelpunkt zu stehen, dabei auch ein wenig an David Wagner gedacht. Ist ja noch nicht lange her, dass er der richtige Mann für Schalke schien – nach der Hinrunde der vergangenen Saison standen die Schalker schließlich in der Tabelle punktgleich mit Borussia Dortmund da, und wer dem BVB damals Titelchancen bescheinigte, musste dies, wenn auch mit einem Augenzwinkern, auch bei Schalke tun. Dann stürzte Königsblau mitsamt Wundermann Wagner ab. Und irgendwo in Moskau wird sein Vorgänger, der ebenfalls vorübergehende Schalker Wundercoach Domenico Tedesco, der mittlerweile Trainer beim aktuellen Tabellenzweiten Spartak ist, gedacht haben: Jau, kenne ich.

          Dass es schwierig werden würde beim FC Schalke, war genauso erwartbar wie die Entwicklung beim FSV Mainz. Es schien zwischen Trainer und Mannschaft schon länger nicht zu harmonieren. Der Eindruck von außen täuschte nicht. Doch in Corona-Zeiten regiert bei den Vereinen noch ein Stückchen mehr als üblich das Prinzip Hoffnung, dass es schon gutgehen werde. Denn jede Trainerentlassung kostet vor allem und erst einmal, je nach Restlaufzeit des Vertrages, viel Geld. Zwei Trainerentlassungen am zweiten Spieltag sprechen aber für einen verschenkten Sommer, in dem die Klubs alte Probleme hätten lösen können. Corona hin oder her.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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