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Gestern Götze, heute Upamecano : Der FC Bayern und eine altbekannte Transfer-Strategie

  • -Aktualisiert am

Trägt künftig das Trikot des deutschen Fußball-Rekordmeisters: Dayot Upamecano Bild: dpa

Dayot Upamecanos Wechsel zu den Bayern lässt eine Strategie erkennen: Der Rekordmeister gewinnt eine Naturgewalt, und RB Leipzig verliert den Abwehrchef. Wer aber ist der neue Mann in der Münchner Defensive?

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          Für jemanden, dem nur eine Nebenrolle zugedacht war, rückte Dayot Upamecano ziemlich auffällig in den Mittelpunkt. Beim 2:1 von RB Leipzig gegen den FC Augsburg schaute der 22 Jahre alte Franzose von der Ersatzbank aus nur zu, aber alle anderen auf ihn. Was daran lag, dass der FC Bayern die Verpflichtung des Verteidigers offiziell bekanntgegeben hatte – kurz vor Beginn des Spiels der Leipziger. Die waren entsprechend pikiert: „Bei Upa ist es so, dass Bayern München den Wechsel bestätigt hat, nicht wir. Ich habe mich mit der Mannschaft auf das Spiel konzentriert und nicht um andere Dinge gekümmert. Alles andere müssen Sie mit den Personen klären, die sich dazu geäußert haben, 20 Minuten vor einem Spiel“, sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann.

          Bundesliga

          Bayern Münchens Sportchef Hasan Salihamidzic hatte die Verpflichtung hinausposaunt. Von ihm waren Manöver dieser Art bis dahin nicht bekannt, doch folgen sie einer gewissen bayrischen Tradition. Es ist nicht das erste Mal, dass der deutsche Rekordmeister zu einem Zeitpunkt mit einem Spielerwechsel in Verbindung gebracht wird, der dem abgebenden Verein, nun ja, nicht ganz entgegenkommt.

          Ähnlich verhielt es sich im Fall von Mario Götze, dessen Wechsel nach München publik wurde, kurz bevor er mit seinem damals aktuellen Arbeitgeber Borussia Dortmund ein Halbfinale in der Champions League gegen Real Madrid zu bestreiten hatte. Der BVB war zu diesem Zeitpunkt das, was RB Leipzig dieser Tage ist – der national ärgste Rivale der Bayern. Auch der Transfer an sich folgt einer altbekannten Strategie: Die Münchener, die an diesem Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei DAZN) auf Arminia Bielefeld treffen, entreißen der Konkurrenz immer wieder die besten Spieler. Gestern Götze, heute Upamecano.

          Ein Schlag in die Magengrube

          Für all jene, die der Bundesliga wegen der Münchner Dominanz vorhalten, nicht zu den spannendsten Veranstaltungen der Sportwelt zu gehören, ist dieser Wechsel ein weiterer Schlag in die Magengrube. Macht er doch den FC Bayern, der als frisch gekürter Klub-Weltmeister national seinem neunten Meistertitel in Serie entgegenstrebt, vermutlich noch stärker, weil Upamecano dort nach den gescheiterten Vertragsgesprächen mit David Alaba als Innenverteidiger eine wichtige Planstelle besetzt, und dürfte die Leipziger gleichzeitig durch seine Abwesenheit empfindlich schwächen. Jedenfalls so lange, bis sie einen Nachfolger für ihren Abwehrchef aufgebaut haben.

          Kaum ein Innenverteidiger in der Bundesliga ist schneller, kaum einer athletischer: Dayot Upamecano wechselt von Leipzig nach München.
          Kaum ein Innenverteidiger in der Bundesliga ist schneller, kaum einer athletischer: Dayot Upamecano wechselt von Leipzig nach München. : Bild: AP

          Der gehört zur Generation jener Spieler, die inzwischen exemplarisch stehen für Absolventen der Fußballhochschule RB. Als jungen Mann fanden ihn Späher beim französischen Klub Valenciennes, wobei die Entdeckung keine große Detektivleistung darstellte. Upamecano hatte bei der Europameisterschaft der unter 17-Jährigen 2015 so überzeugend gespielt, dass diverse europäische Spitzenklubs ihr Interesse hinterlegten. Zu diesem Kreis gehörte auch der FC Bayern.

          Am liebsten wäre Upamecano früh nach England gewechselt, mit seiner Mutter weilte er schon in Manchester, um bei United einen Vertrag zu unterschreiben. Die Klubführung ließ das Geschäft jedoch im letzten Moment platzen. Ihr war eine (kolportierte) Ablösesumme von 700.000 Pfund zu groß. Heute ist der Spieler ein Vielfaches wert, Bayern überweist 42,5 Millionen Euro für seine Dienste nach Leipzig. Und das nur, weil Upamecano sich die Summe als vertraglich festgeschriebene Ablöse zusichern ließ. Sein Marktwert wird allgemein höher geschätzt, auf mindestens 60 Millionen Euro.

          Um in diese Preisklasse vorstoßen zu können, bedurfte es einer akribisch geplanten Karriere. Nach dem geplatzten Wechsel zu United ließ sich Upamecano vom damaligen RB-Chef Ralf Rangnick überzeugen. Statt zu einem Spitzenklub ging es erst einmal in die zweite österreichische Liga, zur kleinsten RB-Filiale FC Liefering. Dann nach Salzburg und von dort weiter nach Leipzig. Ein typischer Werdegang im Fußball-Konzern. In Leipzig entwickelte sich Upamecano nach anfänglichen Problemen zu einer Naturgewalt.

          Bei einer Körpergröße von 1,86 Meter wird sein Gewicht mit 90 Kilogramm angegeben. Kaum ein Innenverteidiger in der Bundesliga ist schneller, kaum einer athletischer. In einigen Aspekten seines Spiels erinnert Dayot Upamecano an den jungen Jérôme Boateng, den er von Sommer an entweder in München beerbt – oder dort mit ihm vielleicht doch noch zusammenspielen wird.

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