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Transfermarkt für Trainer : Neues vom Dämon beim FC Bayern

Ein teurer Trainer: Julian Nagelsmann wechselt von RB Leipzig zum FC Bayern. Bild: dpa

Der FC Bayern verpflichtet Julian Nagelsmann als neuen Trainer und zahlt dafür offenbar knapp 25 Millionen Euro. Es ist der Höhepunkt eines Trends, der den Stellenwert der Trainer in der Bundesliga sichtbar macht.

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          Am Wochenende hat Karl-Heinz Rummenigge von einem Dämon erzählt. In einem „Bild am Sonntag“-Interview sagte er über das Verhalten seines FC Bayern und vieler anderer Klubs aus der Elite des europäischen Fußballs: „Wir haben jedes Jahr die Ausgaben für Spielergehälter erhöht, höhere Ablösesummen gezahlt – weil wir uns einem Dämon namens Transfermarkt unterworfen haben.“ Und als wollte der Dämon ihm schnell antworten und zustimmen, tat sich nun auf dem Transfermarkt etwas: Der FC Bayern ist bereit, wohl knapp 25 Millionen Euro an RB Leipzig zu überweisen. Mit dem Geld kaufen die Bayern aber keinen Spieler, sondern Julian Nagelsmann, den Trainer.

          Wenn es stimmt, was in Sachen Ablöse nun zu hören ist, wird Nagelsmann, 33 Jahre alt, der teuerste Trainer in der Geschichte der Bundesliga. Es wäre der vorläufige Höhepunkt eines Trends, der in den vergangenen Wochen sichtbar geworden ist. Der Trainer Marco Rose wechselt für fünf Millionen Euro von Mönchengladbach nach Dortmund. Der Trainer Adi Hütter wechselt für 7,5 Millionen Euro von Frankfurt nach Mönchengladbach. Jetzt 25 Millionen Euro für Nagelsmann? Es wäre auch die nächste Unterwerfung vor dem Dämon Transfermarkt. Dort wird nicht mehr nur wegen Spielern um Millionen gefeilscht, sondern nun auch wegen Trainern.

          Es ist – vorsichtig formuliert – erstaunlich, dass der Trend zur Trainerablöse in der Zeit entsteht, in der viele Manager in der Bundesliga klagen, wie viel Geld ihnen wegen der Corona-Pandemie fehlt. Man könnte das aber auch positiv deuten. Sie setzen womöglich neue Prioritäten. Die oberste: Der wichtigste Angestellte im Verein ist der Trainer.

          Weltbeste Trainer selten in Bundesliga

          Nun sollte man es mit solchen Deutungen nicht übertreiben. Trainer sind nicht die neuen Spieler. Es gibt kaum Fans, die sich wegen eines Trainers ein Ticket fürs Stadion oder ein Abo fürs Fernsehen kaufen. Im Fanshop des FC Bayern wird wohl auch in Zukunft kein Trikot mit dem Namen Nagelsmann auf dem Rücken angeboten werden. Und wenn das Millionenverschieben im Fußball auch in diesem Fall befremdlich bleibt, macht diese Entwicklung den Stellenwert des Trainers, den viele in Deutschland für überschätzt halten, für alle sichtbar. Das kann der Bundesliga nicht schaden. Dorthin verirren sich die weltbesten Trainer nur selten. Sie arbeiten lieber in England, Spanien und Italien.

          Was ein guter Trainer bewirken kann, konnte man in den vergangenen anderthalb Jahren in München beobachten. Die Mannschaft, die unter dem Trainer Niko Kovac 1:5 gegen Eintracht Frankfurt verloren hat, gewann in derselben Saison unter dem Trainer Hansi Flick 8:2 gegen den FC Barcelona. Jetzt wird Flick gehen – auch weil man ihm wohl nicht das Mitspracherecht gab, das er forderte. Wie wird Julian Nagelsmann mit diesem Kompetenzkonflikt umgehen? Die rund 25 Millionen Euro, die der FC Bayern womöglich für ihn ausgibt, könnten ihm helfen. Sie wären eine Machtlegitimation, die kein Trainer in München vor ihm hatte.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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