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Kommentar zum Bayern-TV : „Mia san mia“ als Endlosschleife

Fußballverein wird Fernsehsender: Bayern München macht ernst Bild: dpa

Immer mehr positive Berichterstattung: Bayern München lässt sich nun 24 Stunden am Tag in einem eigenen Sender feiern. Am Rosenmontag geht es los. Das ist kein Fastnachtsscherz im Herzen des Faschings.

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          Immer noch nicht genug vom FC Bayern? Das soll es ja geben, auch wenn der deutsche Dauersieger und Rekordmeister, der seit Jahren über die Liga herrscht, ohnehin in aller Munde ist. Aber vom 27. Februar an, exakt 117 Jahre nach seiner Gründung durch jene elf Männer, die einst fanden, dass der Fußball im Münchner Turnverein nicht genug gefördert würde, wird der mittlerweile mitgliederstärkste Klub der Welt nun auch ständig im Bild sein. Am Rosenmontag geht der FC Bayern mit seinem eigenen Fernsehsender an den Start. 24 Stunden. Täglich. „Mia san mia“ als Endlosschleife.

          Überraschend ist dieser nächste und in Deutschland bisher einmalige Schritt in Richtung Globalisierung und Kommerzialisierung nicht. Er ist vielmehr konsequent - und wird entsprechend aufwendig in Kooperation mit der Telekom, einem der Anteilseigner des Klubs, ins Bild gesetzt. Die Münchner schließen mit dem FC-Bayern-TV (aus dem Namen des Senders wird noch ein Geheimnis gemacht) damit zu ihren internationalen Konkurrenten aus Madrid, Barcelona, Turin, Manchester oder Chelsea auf. Und optimieren zum anderen ihre Fußballverwertungs- und Fußballvermarktungskette.

          Stärkung der Marke

          Wenn spätestens nach einem Jahr für alle Fans und Telekom-Kunden bezahlpflichtige bayerische Jubelbilder über die Fernsehbildschirme, Laptops und Smartphones flimmern - was sie dank HD-Qualität natürlich auch nicht mehr tun werden, sondern sie dürften gestochen scharf wie ein Boateng-Pass auf den Endgeräten ankommen - dann füllt das aber nicht nur ganz direkt die Münchner Kasse. Es stärkt vor allem die Marke.

          Und verschafft den Werbepartnern des Klubs neue Plattformen. Marketing first - das ist seit Jahren der Trend in der Spitze des Profifußballs. Auch der FC Bayern, ohnehin unumstrittener Meinungsführer und uneinholbare Marktmacht, macht sich mit seinem Sender zudem auch freier von unabhängigen Medien und unliebsamen Meldungen. Real Madrid, der Vorreiter der klubeigenen Fernsehentwicklung, hat seine Nationalspieler schon lange und ganz offiziell angewiesen, in erster Linie nur noch über den Klubsender für die eigenen Fans zu sprechen - und so indirekt auch einen Teil der Refinanzierungskosten einzuspielen.

          Und wer professionell Nachrichten und Bilder rund um die Uhr produziert, hat damit auch seine eigene und zudem lukrative Antwort auf lästigen Journalismus gefunden. Unabhängige Berichterstattung ist für Klubs und Verbände, die im Fernsehen ohnehin schon mit sogenannten Partnern zusammenarbeiten, immer unwichtiger geworden. Die Fußballfans - und dazu gehören auch die, die nicht nur über Tore jubeln und Trikots kaufen, sondern auch diejenigen, die Entwicklungen in Vereinen und Verbänden kritisch sehen - bekommen immer öfter nur noch das zu hören und zu sehen, was sie hören und sehen sollen. Jetzt sogar rund um die Uhr.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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