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Bayern-Trainer Flick hadert : „Das ist echt mau“

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Nicht glücklich über die lange Verletztenliste beim FC Bayern: Trainer Hansi Flick in Doha Bild: EPA

Hansi Flick setzt einen Notruf ab: Neben den Langzeitverletzten plagen den FC Bayern im Trainingslager in Qatar nun auch noch Sorgen um einen Angreifer, der dort nicht mehr trainieren wird.

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          Oliver Kahn schrieb fleißig Autogramme und posierte auch geduldig für ein paar Selfies mit den „Olli, Olli“ rufenden Fans. Nach der nächtlichen Ankunft im Teamhotel des FC Bayern in Qatar suchte das neue Vorstandsmitglied auch rasch den Kontakt zu den Münchner Fußball-Profis. Nach dem Frühstück und einem ersten Gespräch mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic schaute Kahn überwiegend unter einem Sonnenzelt sitzend dem Team um Kapitän Manuel Neuer bei der schweißtreibenden Vormittagseinheit mit harter Konditionsarbeit zu. Auch Hansi Flick gesellte sich für einen kurzen Plausch zum Bayern-Chef der Zukunft.

          Was Kahn und Flick besprachen, während vor ihnen die Feldspieler um Thomas Müller sprinteten und Gewichte stemmten und in rund 50 Meter Entfernung Kapitän Manuel Neuer beim Torwarttraining nach den Bällen hechtete, blieb geheim. Ein Thema dürfte auch aber die Verletzungsmisere gewesen sein, die sich im neuen Jahr fortsetzt.

          Anderthalb Wochen vor dem Bundesliga-Rückrundenstart gegen Hertha BSC droht der Ausfall einer halben Elf. Auf dem Trainingsplatz in Doha fehlen zu viele wichtige Spieler. „Die Personalsituation ist echt mau“, stöhnte Flick nach dem Training, als er berichtete, dass die Achillessehnenprobleme bei Nationalspieler Serge Gnabry einfach nicht nachlassen. Der Angreifer wird in Doha nicht mehr ins Teamtraining einsteigen können und womöglich sogar vorzeitig nach Deutschland zurückreisen. Gnabry hatte bei der Laufeinheit am frühen Morgen wieder Probleme.

          Die Abwehrspieler Niklas Süle, Javi Martínez und Lucas Hernández sowie Angreifer Kingsley Coman, mit dem Flick nach einer Knieblessur erst in rund vier Wochen rechnet, fallen zum Start in die zweite Saisonhälfte garantiert aus. Dazu kommt der in Berlin nach der fünften Gelben Karte gesperrte Nationalspieler Joshua Kimmich. Und bei Gnabry steht die Ampel aktuell auch auf Rot.

          „Wir kommen langsam an die Grenze. Wir sind auf manchen Positionen ausgedünnt“, kommentierte Thomas Müller. „Es fallen ein paar Spieler aus, das merkt man schon“, sagte der von Flick zum Abwehrchef beförderte David Alaba zu Problemen bei der taktischen Trainingsarbeit. Ohne die Flügelzange Coman/Gnabry wird Müller wohl erstmal wieder rechts auf dem Flügel aushelfen müssen.

          „Wenn es nicht anders geht, ist das sicherlich eine Möglichkeit. Aber es ist von meiner und von Trainerseite her nicht das Wunschszenario“, sagte Müller. Immerhin liegt Torjäger Robert Lewandowski bei seiner Reha daheim in München nach einer Leisten-Operation daheim im Plan. Flick rechnet fest mit dem Polen gegen Hertha.

          Das Bayern-Team für Berlin stellt sich – Stand jetzt – fast von selbst auf: Neuer im Tor. Pavard, Boateng, Alaba und Davies in der Abwehrreihe. Im Mittelfeld davor Thiago mit Goretzka oder Tolisso. Und in der Offensive Müller, Coutinho, Perisic und Lewandowski. Diese Elf muss liefern. „Wir sind unter Druck. Wir haben zu viele Punkte liegengelassen in der Hinrunde“, mahnte Müller.

          Neu-Vorstand Kahn kann den aktuellen Notstand nicht beheben. In Doha nimmt er erstmal die Beobachterrolle ein. „Ich möchte mir einen ersten Einblick zu verschaffen. Wie ist die Stimmung, wie sind die unterschiedlichen Spieler drauf“, hatte der 50-Jährige bei seiner Vorstellung am Dienstag in München gesagt.

          Müller verriet ein wenig über die ersten Kahn-Stunden im Kreise des Teams. „Wir haben uns begrüßt, aber es gab noch keine Mannschaftsansprache. Ich denke, das wird noch kommen. Er muss sich auch nicht groß vorstellen, das ist sein Vorteil, selbst die jüngeren Spieler kennen ihn. Es ist schön, wenn einer dazukommt, der eine gewisse Ausstrahlung hat. Die Entscheidung tut dem Verein gut, auch wenn wir als Mannschaft nicht so viel von einem Vorstandsvorsitzenden beeinflusst werden“, schilderte der Vize-Kapitän. Kahn soll Ende 2021 Karl-Heinz Rummenigge (64) ablösen. „Unser Ansprechpartner in der täglichen Arbeit ist das Trainerteam, der direkte Einfluss wird demnach nicht extrem sein“, meinte Müller.

          Kahn soll am Freitag auch mit der Mannschaft aus Doha nach Nürnberg fliegen. Trotz der Auswirkungen auf den Flugverkehr nach dem iranischen Vergeltungsangriff auf die amerikanischen Truppen im Irak soll die Chartermaschine mit dem Bayern-Tross wie geplant abheben. In Franken bestreitet der deutsche Rekordmeister am Samstag (15.30 Uhr) ein Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Der Nahost-Konflikt beschäftigt die Münchner Profis im nicht weit von Iran entfernten Emirat Qatar schon. „Als ich das gehört habe, habe ich mir schon gedacht, über welche Route sind wir beim Hinflug geflogen. Aber ich denke, dass alle Zuständigen des Vereins und der Airline werden die richtigen Entscheidungen treffen“, sagte Müller.

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