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Hoeneß pöbelt gegen Alaba : Die Tabubrüche des FC Bayern

Nicht begeistert vom Verhalten seines Klubs: David Alaba Bild: Picture-Alliance

Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der einst wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist, nennt David Alabas Berater einen „geldgierigen Piranha“. Dabei steckt sein Verein mittendrin.

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          Am Anfang ein Ratespiel zum FC Bayern München. Welcher Spieler hat’s gesagt? „Alle Gespräche, die ich seitdem hier hatte, wurden immer sehr vertrauensvoll geführt. Nie ist etwas nach außen gedrungen. Jetzt aber stehen ständig Details aus den aktuellen Gesprächen in den Medien, die oft nicht einmal stimmen. Klar, das ärgert mich. Das kenne ich so nicht beim FC Bayern.“ Wer hat’s gesagt? David Alaba? Falsch. Thiago? Auch nicht. Es war Manuel Neuer.

          Jetzt, da der FC Bayern mit seinem Abwehrchef Alaba und seinem Mittelfeldstrategen Thiago neue Arbeitsverträge abschließen will, sollte man sich an den April erinnern, als der Verein mit Neuer, seinem Kapitän, verhandelte. Damals drangen so viele angebliche Forderungen des Torhüters zur Vertragslaufzeit und zum Jahresgehalt an die Öffentlichkeit, dass Neuer sich in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ über seinen Klub beschwerte. Das kommt selten vor. Jetzt, fünf Monate später, ist es schon wieder passiert. Am Montag sagte David Alaba zur „Bild“: „Ich wünsche mir, dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird. Daher haben mich ein paar Aussagen und Berichte der letzten Wochen verwundert und durchaus auch verletzt.“

          Es zählt zum Erfolgsgeheimnis des FC Bayern, dass er Spielern, die ihm wichtig waren, fast immer gegeben hat, was sie (und ihre Berater) wollten: mehr Geld. Das heißt nicht, dass der Verein nicht hart verhandelt hat, aber er hat es im Büro getan, nicht im „Doppelpass“. Die Fälle von Alaba und Thiago, zwei Pfeilern der Flick-Elf, drängen, weil ihre Verträge im Sommer 2021 auslaufen. Wenn sich die Bayern nicht mit ihnen einigen, können sie im nächsten Jahr verschwinden – ohne Ablösezahlung. Ein Szenario, das Uli Hoeneß als „Super-GAU“ bezeichnet.

          Am Sonntag hat Hoeneß, der Aufsichtsrat und Ehrenpräsident des FC Bayern, mit einem pöbelhaften Auftritt im „Doppelpass“ passenderweise demonstriert, was Neuer und Alaba ihrem Verein vorgeworfen haben. Im Live-Fernsehen schimpfte Hoeneß über den Spielerberater Pini Zahavi, der Alaba vertritt, und hörte dann gar nicht mehr auf. Er sagte, dass Alabas Vater sich von Zahavi beeinflussen lasse, woraufhin Vater Alaba dem FC Bayern „schmutzige Lügen“ und „dreckige Anschuldigungen“ unterstellte.

          Hoeneß, der einst wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist, nannte Zahavi einen „geldgierigen Piranha“ und sagte: „Wenn ihr wüsstet, was Herr Zahavi allein für die Unterschrift von David im zweistelligen Millionenbereich für sich verlangt.“ Es stimmt, dass Zahavi in den vergangenen Jahren an vielen großen Deals in der Fußballwelt mitverdient hat. Es stimmt aber auch, dass es in dieser Welt eben viel Geld zu verdienen und zu verteilen gibt, was nicht zuletzt auch einen Verein antreibt: den FC Bayern.

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