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Bayern München : Am liebsten für immer Meister

Vereinspräsident Uli Hoeneß (links) und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (rechts) in der Kabine des FC Bayern München. Bild: dpa

Die Verträge mit allen wichtigen Spielern sind verlängert, die ersten Transfers für die neue Saison unter Dach und Fach. Und der Präsident findet, dass der FC Bayern „mal wieder schlauer“ war als alle anderen.

          Im Winter soll man gut lüften, und das Transferfenster bleibt ja noch fast zwei Wochen weit offen. Doch wird es immer schwieriger, mitten in der Saison noch echte personelle Verstärkungen zu finden. Erst recht auf dem Niveau des FC Bayern. Vor einem Jahr, als Not am Mann war in der Innenverteidigung, probierte der Rekordmeister es trotzdem noch einmal und lieh Serdar Tasci von Spartak Moskau.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler machte dann nur drei Spiele für die Bayern - und ging zurück nach Russland. Doch mitten in dieser Saison haben die Bayern eine spektakuläre, dazu ablösefreie Verstärkung gefunden. Die beiden letzten Spiele, bevor er kam, hatten sie verloren, in Dortmund und Rostow am Don. Seitdem aber alle sechs Partien gewonnen. Und auch sonst mischt Uli Hoeneß überall wieder ganz vorne mit - vor allem mit so typischen Ansagen des alten neuen Präsidenten wie der, dass der FC Bayern „mal wieder schlauer“ war als alle anderen.

          „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“

          Die Aussage bezog sich auf die Wahl des Trainingslagers in Qatar, lässt sich aber auf jeden Geschäftsbereich ausdehnen. Dabei entfernen die Bayern sich wirtschaftlich mit solch großen Schritten vom Rest der Bundesliga, dass es bald schon egal ist, wie schlau oder dumm sie sportlich agieren. Außer Paris St-Germain, wie die Münchener in Deutschland seit 2013 in Frankreich ununterbrochen Meister, ist kein Klub in Europa der nationalen Konkurrenz finanziell so weit voraus wie die globalisierten Bayern.

          An diesem Freitag (20.30 Uhr / Live bei ARD, Sky und Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) geht es für den Weltklub in die Provinz, zum SC Freiburg, dessen Umsatz nur etwa ein Achtel von dem der Bayern beträgt. Mit dem letzten Spiel der Vorrunde werden die Münchner das Fußballjahr 2017 eröffnen und, unabhängig vom Ergebnis, mitten im Winter Herbstmeister werden. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, sagt Trainer Carlo Ancelotti vor seinem ersten Auftritt auf dem kleinsten Spielfeld der Liga. „Wenn der Platz klein ist, kann uns das helfen, kompakter zu sein.“ Das Ziel lautet, „so gut zu spielen wie gegen Leipzig“, als man den bis dahin punktgleichen Verfolger kurz vor Weihnachten 3:0 schlug. In den sechs Monaten seiner bisherigen Arbeit, findet der Italiener, sei das Spiel der Bayern „natürlicher geworden“.

          Der perfekte Kader für die Meisterschaft 2020

          Natürlich sind die Bayern aber längst dabei, nicht nur den Titel für diese Spielzeit zu planen, sondern auch schon für die drei danach. Nach zahlreichen Vertragsverlängerungen steht mit Neuer, Boateng, Hummels, Martinez, Alaba, Sanchez, Müller, Lewandowski, Kimmich, Costa und dem zur neuen Saison aus Hoffenheim verpflichteten Niklas Süle bereits eine komplette Elf für die Meisterfeier 2020 parat.

          Neun von ihnen sind sogar bis 2021 unter Vertrag. Neben Süle, der mehr als zwanzig Millionen Euro kostet, kommt ablösefrei und ebenfalls aus Hoffenheim der im defensiven Mittelfeld und als Rechtsverteidiger einsetzbare Sebastian Rudy. Dazu wurde diese Woche nach Franck Ribéry auch Arjen Robben zumindest bis Ende der kommenden Saison weiter gebucht, während Xabi Alonso, mit 35 Jahren zuletzt nicht immer ganz auf der Höhe, dem Klub sein Karriereende nach Saisonende angekündigt haben soll.

          Ancelotti will davon aber nichts wissen und hofft, „dass er nächste Saison noch für uns spielt“. Die Meldungen aus Frankreich, er habe als möglichen Nachfolger für Alonso seinen italienischen Landsmann und früheren Spieler Marco Verratti von Paris St-Germain angerufen, verweist er ins Reich der Fabel. „Ich habe nicht mit ihm telefoniert, keine Chance“, sagte er und empfahl: „Vergesst es!“

          Bröckelnde Innenverteidigung

          Auch mögliche Engpässe auf der Innenverteidiger-Position machen Ancelotti nicht nervös. „Unser Kader ist komplett“, hat er vor kurzem verkündet. Holger Badstuber nach Schalke zu verleihen birgt kein großes Risiko. Ancelotti hat ohnehin nicht auf ihn gesetzt, und spätestens wenn Süle kommt, wäre Badstuber maximal noch Nummer vier in der Innenverteidiger-Hierarchie.

          Zudem hat, als den Bayern zu Beginn der letzten Rückrunde nacheinander Benatia, Boateng, Martinez und Badstuber ausfielen, sein Vorgänger Pep Guardiola das Rezept hinterlassen, wie man eine Innenverteidigung ohne Innenverteidiger organisiert. Monatelang ohne fitte Fachkraft, nur mit Alaba, Kimmich und anderen ungelernten Notstopfen, stellte das Team mit neun Gegentoren einen neuen Rückrundenrekord auf. Weniger als null Innenverteidiger geht nicht. Was soll da also jetzt noch groß passieren? Der Konkurrenz bleibt nur die Motivation, es Hoeneß wenigstens auf dem Platz mal zu zeigen: dass, wenn der Ball rollt und nicht der Rubel, manchmal auch die Kleinen schlauer sein können.

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