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Torwart-Debatte in München : Das Machtwort des FC Bayern zum Fall Nübel

  • Aktualisiert am

Bald Kollegen in München: Alexander Nübel (links) und Manuel Neuer Bild: Picture-Alliance

Seit Wochen sorgt die Torwart-Debatte in München für Wirbel. Ob Manuel Neuer seinen Vertrag verlängert, ist unklar. Neuzugang Alexander Nübel steht im Fokus. Nun versucht der Klub die Kritik an der Verpflichtung zu beenden.

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          Mit einem Machtwort versucht Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, die anhaltenden Diskussionen um die Verpflichtung von Torhüter Alexander Nübel zu beenden. Er wolle „klarstellen, dass alle Entscheidungsträger des FC Bayern inklusive Cheftrainer Hansi Flick sehr glücklich darüber sind, dass Alexander Nübel zur neuen Saison Spieler des FC Bayern wird. Er ist einer der besten Nachwuchstorhüter Europas und ein wichtiger Spieler für die Zukunft unserer Mannschaft“, schrieb Rummenigge in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme.

          Die Verantwortlichen beim deutschen Fußball-Rekordmeister seien überzeugt, „dass Manuel Neuer mit seiner Qualität und großen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Alexander Nübel leisten wird. Weiterhin möchten wir festhalten, dass sich der FC Bayern abwertende Kommentare von Spielerberatern über andere Spieler des FC Bayern grundsätzlich verbittet“, betonte Rummenigge.

          Die Bayern hatten den 23 Jahre alten Nübel von Schalke 04 zur neuen Saison ablösefrei verpflichtet und mit einem Vertrag bis Mitte 2025 ausgestattet. Über Inhalte des Vertrags hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder Spekulationen gegeben. Angeblich sollen die Bayern Nübel sogar einige Pflichtspiele zugesichert habe. Dies sorgte wiederum bei Neuer für Verstimmung. „Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und will immer spielen“, sagte der 34-Jährige mit Nachdruck.

          Neuer verhandelt aktuell über eine Verlängerung seines Vertrags über Mitte 2021 hinaus. Der Verhandlungspoker hatte zuletzt zu einigen Irritationen zwischen dem Kapitän und den Münchnern geführt. Neuer monierte vor allem, dass Inhalte aus den Gesprächen an die Öffentlichkeit gelangt waren. Inzwischen sollen sich die Parteien aber wieder angenähert haben. Zumal Neuer als „Führungsspieler und Identifikationsfigur“, wie Vorstand Oliver Kahn unterstrich, weiter enorm wichtig für den Rekordmeister ist.

          Hansi Flick positionierte sich nun in der aufgeregten Münchner Torwart-Debatte. Der 55 Jahre alte Trainer betont im Zuge der neuen Torhüterkonstellation im Sommer mit Schalke-Zugang Nübel seine Entscheidungshoheit in Aufstellungsfragen beim FC Bayern und bestätigt schon vorab den Nummer-eins-Status von Neuer. Zugleich verteilt der Trainer geschickt Lob, etwa an Sportdirektor Hasan Salihamidzic, um die vielschichtige Thematik zu entspannen. „Wer letztendlich spielt, ist immer Sache des Trainers“, erklärte Flick im „Kicker“ (Donnerstag). Und das wird auch in der veränderten Konstellation mit dem ehemaligen U-21-Nationaltorhüter Nübel wohl bis auf sehr wenige Ausnahmen weiterhin Kapitän Neuer sein.

          Am Torwart-Ranking wird Flick, dessen Anstellung als Cheftrainer gerade erst bis Mitte 2023 ausgedehnt worden ist, zumindest an der Spitze nicht rütteln. „Manuel Neuer ist eindeutig unsere Nummer eins, daran wird sich auch in der kommenden Saison nichts ändern“, sagte Flick, garniert mit dem Zusatz: „Alexander Nübel weiß das auch.“ Der ehemalige U-21-Nationaltürhter stand nach einigen Patzern zuletzt auch bei Schalke nicht mehr im Tor.

          Flicks Aussagen können nicht überraschen. Er ist ein Fan des Torwarts Neuer, mit dem er in der gemeinsamen Zeit beim DFB als Assistent von Bundestrainer Joachim Löw 2014 Weltmeister wurde. „Manuel Neuer ist für mich der weltbeste Torhüter“, sagte Flick Anfang Januar im Trainingslager in Qatar, und das einen Tag nachdem der Verein die Verpflichtung von Nübel bekanntgegeben hatte. Damals war Flicks Zukunft als Cheftrainer über diesen Sommer hinaus noch offen. Dennoch positionierte er sich schon damals klar für eine Vertragsverlängerung mit Neuer über Mitte 2021 hinaus. „Bayern München wird alles daran setzen, ihn weiterzuverpflichten“, sagte Flick in Doha.

          Nübels Verpflichtung (mit angeblichen Einsatzzusagen) hat die Verhandlungen mit dem Kapitän verkompliziert. Es knirschte zuletzt arg zwischen Verein und Kapitän. Neuer beklagte Indiskretionen, er stand wegen angeblicher Forderungen (Vertrag bis Mitte 2025, 20 Millionen Euro Jahresgehalt) in Corona-Zeiten als raffgierig dar. Rummenigge meldete sich zu Wochenbeginn via „Bild“ zu Wort und versicherte, dass man „eine für beide Seiten glückliche Lösung finden“ werde.

          Flick ist derweil bemüht, internes Konfliktpotential abzumildern. So lobt er im „Kicker“ ausdrücklich Salihamidzic (43). Es sei „eine sehr gute und strategisch kluge Entscheidung“ des Sportdirektors gewesen, Nübel zu holen, noch dazu ablösefrei. „Wenn du den besten deutschen Nachwuchstorhüter verpflichten kannst, dann musst du es tun. Das hat Hasan wirklich super gemacht“, sagte der Trainer. Flick verspricht Nübel, „das gleiche Vertrauen und die gleiche Wertschätzung“ zu erhalten wie alle Spieler beim FC Bayern. „Er ist ein junger, sehr talentierter Keeper, den wir weiterentwickeln wollen.“ Es folgt aber auch der Hinweis, „dass beim FC Bayern der Leistungsgedanke zählt - sogar noch extremer als woanders“.

          Neuer verzichtet bekanntlich gar nicht gerne und schon gar nicht freiwillig auf Einsätze. Das kriegt auch ein Weltklassemann wie Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona in der deutschen Nationalelf zu spüren. Da entscheidet freilich Löw, wer im Tor steht. Jede der 3330 Pflichtminuten bis zur Unterbrechung der laufenden Spielzeit wegen der Corona-Pandemie stand Neuer im Münchner Tor. Ersatztorwart Sven Ulreich musste immer zuschauen. Flick bescheinigt seiner aktuellen Nummer zwei aber demonstrativ „hervorragende“ Arbeit.

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