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3:0 in Darmstadt : Netter Bayern-Ausflug in die Provinz

  • -Aktualisiert am

Torschützen unter sich: Coman (links) und Rode treffen für Bayern in Darmstadt. Bild: AFP

Der arme Aufsteiger aus Darmstadt kann die reichen Münchner nur ein bisschen ärgern. Am Ende geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Trotz der Niederlage ist für die Hessen ein Feiertag.

          3 Min.

          Die Bayern in Darmstadt – man muss sich das vorstellen wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag, und noch dazu das Heinerfest, die alljährliche riesige Straßenparty der Südhessen. Darmstadt stand Kopf an diesem Samstag, als der Meister kam, die Übermannschaft aus München, die 2008 mit einem Benefizspiel dafür gesorgt hatte, dass bei den damals insolventen „Lilien“ nicht die Lichter ausgingen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Und nun, sieben Jahre später, fuhr der rote Luxusbus tatsächlich an der Darmstädter Stadion-Ruine vor, und die Herren Boateng, Vidal und Neuer und wie sie alle heißen, schnürten in der rustikalen Gästekabine die Stiefel, um vor 17.000 Zuschauern tatsächlich um Bundesligapunkte zu spielen. „Wir fühlen uns sauwohl hier, weil es ein bisschen Fußballromantik ist“, sagte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. „Ich habe als Trainer in der vierten Liga angefangen. Im Vergleich dazu ist dieses Szenario hier Wahnsinn.“

          Dass sie am Ende 3:0 gewannen und den „Lilien“ damit die erste Saisonniederlage beibrachten, verdankten sie einem Fernschuss von Vidal (20. Minute) und zwei Treffern im Minutentakt von Coman und Rode (62./63.). Der Aufsteiger hielt eine Stunde lange erstaunlich gut mit, dann war er mit seinen Kräften am Ende, ausgeknockt vom Meister. „Wir Trainer sind heute sehr, sehr zufrieden“, sagte Bayern-Coach Pep Guardiola. „Hier haben in den letzten beiden Jahren nur sehr, sehr wenige gewonnen.“

          Dieser Wunsch der Darmstädter Fans ging zumindest auf dieses Spiel bezogen nicht in Erfüllung. Bilderstrecke

          „Ein bisschen ärgern“, so die bescheidene Ansage von Trainer Schuster, wollte der arme Aufsteiger die reichen Münchner. Und das funktionierte anfangs recht gut. Die Münchner hatten in ihrer Startformation auf Thiago, Müller, Alonso und Lahm verzichtet, Torjäger Lewandowski fehlte verletzt. An seiner Stelle durfte Götze von Beginn an mitspielen, und aus der zweiten Reihe rückten Rode, Kimmich und Rafinha nach.

          Da hätte man auf die Idee kommen können, der Meister nähme die Aufgabe in der Fußballprovinz nicht allzu ernst, und tatsächlich taten sich die Münchner nicht nur bis zu Vidals Fernschuss zum 1:0 in der 20. Minute schwer. Zwar hatten sie jede Menge Ballbesitz, schafften es zunächst aber nicht, über die fixen Außen Coman und Costa gute Torchancen herauszuspielen. Und weil auch Götze im Sturmzentrum keinen Schrecken verbreitete, blieb vieles im Ansatz stecken.

          Die Darmstädter taten, was sie konnten, verteidigten geschickt und eng vernetzt mit elf Mann hinter dem Ball, wenn die Münchner sich in Richtung ihres Tores mühten. Und sie trauten sich auch immer wieder, mit langen Bällen, meist auf Mittelstürmer Stroh-Engel geschlagen, in Kontersituationen. Es war in der ersten Halbzeit nicht so, wie manche befürchtet hatten, dass man in der Bayern-Hälfte während des Spiels den Rasen hätte mähen können. Auch dort wurde Fußball gespielt.

          Schon nach acht Minuten verhinderte eine knappe Abseitsstellung die erste gute Darmstädter Chance, und mehr als einen Versuch von Vidal (10.) und einen Freistoß von Alaba (19.) hatten die Münchner auch nicht zu bieten – bis Vidal in der 20. Minute Maß nahm und der Ball vom Innenpfosten ins Tor sprang. Schon vier Minuten später hatte auf der Gegenseite Stroh-Engel eine dicke Chance, seinen Schuss lenkte Torwart Neuer zur Ecke. Und nach 32 Minuten hatten die Bayern Glück, dass Heller nach einem feinen Konter nur das Außennetz traf.

          So lange es 0:1 stand, war Hoffnung im Stadion, Hoffnung auf eine Sensation, und als der für Stroh-Engel eingewechselte Sandro Wagner nach einer Stunde einen Kopfball in Richtung Münchner Tor brachte, glimmte sie noch ein klein wenig mehr. Aber nicht mehr lange. Ausgeblasen war sie zwei Minuten später, als sich zunächst der starke Rode spielend leicht gegen Verteidiger Caldirola durchsetzte und in der Mitte Coman bediente, der keine Mühe hatte, zum 2:0 zu vollenden.

          Schon im nächsten Angriff war es wieder Rode, der davon zog und den Ball im zweiten Versuch im Darmstädter Tor unterbrachte. Für den tapferen Aufsteiger ging es von da an nur noch um Schadensbegrenzung. Für die Bayern nur noch um ein besseres Trainingsspielchen. „Da haben wir etwas optimistisch und naiv verteidigt. Dann hat es zweimal gescheppert – und das Spiel war erledigt“, sagte Darmstadts Trainer Schuster. Ansonsten sei „die normalste Sache der Welt“ passiert: „Bayern München hat in Darmstadt gewonnen.“ Die Darmstädter Fans ließen sich die Laune davon nicht verderben. Und ihren großen Feiertag schon gar nicht.

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