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Kahn zu Haaland-Transfer : „Das ist für den FC Bayern aktuell nicht denkbar“

  • Aktualisiert am

„Sorry, wer davon spricht, hat die Situation noch immer nicht begriffen“: Oliver Kahn Bild: EPA

Oliver Kahn spricht über die Zukunft des FC Bayern und die hohe Ablösesumme für Julian Nagelsmann. Zudem macht er deutlich, warum der Dortmunder Stürmerstar Erling Haaland kein Thema in München ist.

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          Bayern-Vorstand Oliver Kahn will Fußball-Nationalspieler Niklas Süle in Sachen Vertragsverhandlungen womöglich eine Frist setzen. „Das ist durchaus denkbar“, sagte Kahn der „Sport Bild“ (Mittwoch). Der Vertrag des 25 Jahre alten Verteidigers läuft Mitte 2022 aus, der frühere Hoffenheimer hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass es ihm auch um die sportliche Perspektive beim deutschen Rekordmeister geht. Die Bayern wollen einen zweiten Fall David Alaba verhindern, mit dem keine Einigung erzielt werden konnte und der die Münchner im Sommer ablösefrei verlässt.

          DFB-Pokal

          „Man muss ja auch sehen, welches Paket wir als FC Bayern einem Spieler bieten können. Der Klub ist wirtschaftlich stabil. Der FC Bayern hat einen exzellenten Kader, der alle Titel gewinnen kann. Dazu diese wunderbare Stadt! Das muss man in Europa erst noch einmal finden. Was will man denn als Spieler noch mehr?“, meinte Kahn. Süle gehörte nach überstandener Verletzungspause zuletzt wieder zum Bayern-Kader. Er könnte im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) sein Comeback geben.

          Grundsätzlich werde es bei Zugängen „in den kommenden Jahren darauf ankommen, sehr klug auf dem Transfermarkt zu agieren“, betonte Kahn weiter: „Es wird sehr stark darum gehen, Gelegenheiten schnell zu nutzen. Das wird eine Herkulesaufgabe werden.“ Er sei aber „kein Freund von Leihgeschäften“, sagte der designierte Bayern-Chef. Für ihn zähle „vor allem die Identifikation mit dem Klub, und ich weiß nicht, ob sich ein Leihspieler mit den Werten und Zielen eines Klubs ausreichend identifiziert“.

          Haaland wieder im Training

          Einen Transfer von Dortmunds Stürmerstar Erling Haaland nach München schloss Kahn in dem Interview aus. „Sorry, wer davon spricht, hat die Situation noch immer nicht begriffen. Ein Paket, das wie man hört mehr als 100 Millionen Euro kostet, ist aktuell für den FC Bayern nicht denkbar“, sagte der frühere Nationaltorhüter.

          Der designierte Nachfolger von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge kann sich Transfers dieser Größenordnung durch seinen Klub aufgrund der Finanzsituation durch die Corona-Krise nicht vorstellen. Außerdem habe man in Robert Lewandowski einen Topstürmer, meinte der 51 Jahre alte Kahn. „Robert hat hier noch zwei Jahre Vertrag, und seine Leistung steht außer Frage. Er steht aktuell bei 39 Bundesliga-Toren! Allein deshalb müssen wir uns heute keine Gedanken über Haaland machen“, sagte Kahn. Lewandowski könne dieses Niveau noch einige Jahre halten, lobte Kahn den 32 Jahre alten Polen.

          Bundesliga

          Haaland steht derweil rechtzeitig vor dem Pokalfinale seines Team am Donnerstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) gegen RB Leipzig vor dem Comeback. Nach gut zweiwöchiger Zwangspause nahm der 20 Jahre alte Norweger am Dienstag erstmals wieder am Teamtraining des Fußball-Bundesligavereins teil. Bereits am eigentlich trainingsfreien Montag hatte er eine individuelle Einheit absolviert.

          Damit dürfte der beste Dortmunder Torschütze dieser Saison zum Kader gehören, der am Mittwochnachmittag zum Endspiel nach Berlin fliegt. Haaland hatte sich am 24. April beim 2:0 der Borussia in Wolfsburg eine Prellung im Oberschenkel zugezogen und deshalb im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Holstein Kiel (5:0) und im Bundesliga-Spiel gegen Leipzig (3:2) gefehlt.

          Kahn relativierte derweil die spekulierte Rekordablöse für den neuen Trainer Julian Nagelsmann. „Ich denke, wir haben innerhalb eines kurzen Zeitfensters einen guten Job gemacht. Als klar war, dass Hansi Flick den FC Bayern verlässt, wäre es fahrlässig gewesen, nicht zügig zu handeln, wenn sich so eine Chance bietet“, sagte Kahn und erklärte: „Damit wir überhaupt halbwegs in die Nähe der kolportierten Summen kämen, müssten wir bis 2026 fünfmal die Champions League gewinnen. Ich weiß nicht, ob das realistisch ist“, sagte Kahn.

          „Der garantierte Betrag ist deutlich darunter. Zudem bestehen zusätzliche Refinanzierungsmöglichkeiten, die die Ablösesumme weiter relativieren“, führte der 51-Jährige aus. „Wir sind neue Wege gegangen, die über die übliche Mechanik hinausgehen, eine Summe X zu überweisen. Mögliche Freundschaftsspiele sind Zukunftsmusik und zum jetzigen Zeitpunkt nicht spruchreif.“ Am Jahresende löst er Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters ab.

          Nagelsmann wechselt für eine Rekordablösesumme von RB Leipzig nach München, wo er einen Fünfjahresvertrag erhält. Über die gerade in Corona-Zeiten für einen Trainer hohe Ablöse kann nur spekuliert werden. Die schon in den Raum geworfenen 30 Millionen Euro werden sicher nicht erreicht. Aber auch die kolportierten rund 15 Millionen Euro plus Prämienzahlungen sind ein Höchstwert.

          „Im ersten Gespräch waren wir wie Nordpol und Südpol“, sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff der „Sport Bild“ zu den Verhandlungen mit Kahn. „Ich habe Julian die Tür auch nur aufgemacht, weil er mir schon 2019, als wir in einem Frankfurter Hotel verhandelt haben, gesagt hat, dass es ein Lebenstraum von ihm wäre, mal den FC Bayern zu trainieren, meinte Mintzlaff. Unter zwei Voraussetzungen könne man den Wunsch erfüllen. „Erstens: Es muss eine exorbitante Ablöse geben“, schilderte Mintzlaff. „Zweitens: Wenn das bis zum Montag vor unserem Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen nicht geklärt ist, werden wir bekanntgeben, dass du bleibst. Dann ist die Tür zu.“

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