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Niklas Süles Rückkehr : Der FC Bayern und die neue Hierarchie

  • -Aktualisiert am

Wieder auf dem Rasen beim FC Bayern: Niklas Süle Bild: Picture-Alliance

Niklas Süle war der Chef in der Abwehr des FC Bayern. Dann aber zog er sich eine schwere Verletzung zu. Nun ist er nach langer Pause wieder zurück. Doch die Situation in der Münchner Abwehr hat sich geändert.

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          Manchmal sind die kleinen Momente wichtiger als die ganz großen. Das kurze Laufduell, in das sich Niklas Süle in der Schlussphase des Testspiels gegen Olympique Marseille begeben musste, ist eigentlich nichts, was in Erinnerung bleibt, vermutlich nicht einmal für den Innenverteidiger des FC Bayern München selbst. Aber es war der Augenblick, in dem Süle vielleicht das einzige Mal an diesem für ihn so besonderen Tag halbwegs gefordert wurde. Dass er ein wenig Mühe hatte, mit dem flinken Nemanja Radonjic mitzuhalten, spielte allerdings keine Rolle, denn die Südfranzosen blieben auch in dieser Szene harmlos.

          Süle war eine gute Viertelstunde zuvor eingewechselt worden, als einer von insgesamt elf Spielern, die Trainer Hansi Flick im Laufe der 90 Minuten ausgetauscht hatte bei diesem Testlauf für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea am kommenden Samstag. Zum ersten Mal seit 286 Tagen, seit er sich im Oktober vergangenen Jahres bei der Bundesliga-Partie gegen den FC Augsburg das Kreuzband gerissen hatte, an der gleichen Stelle wie knapp fünf Jahre zuvor, stand Süle am Freitag wieder auf dem Fußballplatz. Der ganze Verein, sagte Flick, „hat aufgeatmet“.

          Hauptsache zurück

          Der Nationalspieler ist zurück, das ist das Wichtigste, für ihn, für den FC Bayern. Dass „da noch nicht alle Abläufe stimmen und die Spritzigkeit noch nicht so da ist“, sagt er, sei nach so langer Pause klar, aber „wenn ich gebraucht werde, bin ich da“. Süle war vor seiner Verletzung der Innenverteidiger der Gegenwart, der Vorgänger von Flick, Niko Kovac, hatte ihn sogar zum Abwehrchef befördert. Doch jetzt ist er wohl erst einmal eher ein Spieler für die Zukunft – wenn das Knie hält. Für ihn kommt die Partie gegen Chelsea zu früh, ebenso das mögliche Finalturnier in Lissabon.

          Flick hat gegen Marseille mit der Mannschaft beginnen lassen, mit der er weitgehend am Samstag plant. Allein die Besetzung der linken Offensivseite scheint noch fraglich. Am Freitag begann dort Ivan Perisic, aber die Leihgabe von Inter Mailand hat sich nicht so gut in Szene setzen können wie später der wesentlich ballsicherere und flinkere Kingsley Coman. Für den ersten internationalen Auftritt seit Ende Februar gebe es schon „noch ein paar Dinge einzustudieren“, gab Flick nach dem 1:0-Sieg zu: „Wir müssen schauen, woran wir noch ein bisschen justieren müssen.“

          Am wenigsten allerdings in der Abwehr, obwohl der Bayern-Trainer wegen Benjamin Pavards Verletzung die Viererkette umbauen muss. Aber Joshua Kimmich füllte die vakante rechte Seite gegen Marseille so souverän aus wie früher, bevor er von Flick dauerhaft ins Mittelfeld befördert worden war.

          „David ist der Chef der Abwehr“

          Dass neben Süle auch Lucas Hernández Geduld haben muss, liegt an dem Duo im Abwehrzentrum, eines der besten derzeit in Europa. Jérôme Boateng und David Alaba sind die Innenverteidiger der Gegenwart beim FC Bayern. Allerdings ist es fraglich, ob sie auch die der Zukunft sind. Boateng hat zuletzt davon gesprochen, sich einen Wechsel in die Premier League vorstellen zu können.

          Und Alaba zögert mit der Verlängerung seines im kommenden Jahr auslaufenden Vertrags, seine Gehaltsvorstellungen decken sich offenbar noch nicht mit denen des Vereins. Laut „Bild“ soll es am Rande des Champions-League-Turniers ab Mitte August in Lissabon, sofern sich die Bayern dafür qualifizieren, zu einem weiteren Treffen zwischen den Münchner Verantwortlichen und dem Berater des Österreichers, Pini Zahavi, kommen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ließ noch einmal wissen, dass der Verein Alaba unbedingt halten wolle. „Er ist derjenige, der das Spiel eröffnet und dirigiert, der die Kommandos gibt. David ist der Chef der Abwehr – und da hatten wir zuvor eine Lücke.“

          Das Interesse, Boateng zu halten, ist wohl nicht so groß, wenigstens nicht in der Führungsetage. Zwar spielt der Weltmeister von 2014 wieder auf fast so hohem Level wie vor seinen Verletzungen, aber auch sein Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Bei einem Transfer noch in dieser Wechselperiode wäre noch eine Ablösesumme fällig. Mit einer Verlängerung der Zusammenarbeit über 2021 hinaus scheinen sich die Bayern dagegen nicht zu beschäftigen. Boateng habe „auch schon die 3 davor“, sagte Rummenigge vor ein paar Tagen. Mit 31 Jahren sieht er ihn offenbar nur noch als Spieler für den Moment.

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