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Bayern München : Alles-Manager unter Über-Manager?

Der Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigt einen neuen Sportdirektor an. Bild: dpa

In den nächsten sechs Wochen will Bayern München einen Sportdirektor präsentieren. Wird es Kahn? Van Bommel? Flick? Interessanter als der Name des Neuen wird etwas anderes sein.

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          Nach einem Vierteljahrhundert als Trainer richtet Carlo Ancelotti seine Gemütslage nicht mehr nach Dingen, die er nicht beeinflussen kann. „Ich bin glücklich mit und ohne“, sagte er am Montag. Der Beweis steht bald an: Bisher ist er ohne, bald mit. „In den nächsten sechs Wochen“, kündigt Präsident Uli Hoeneß an, werde der FC Bayern „einen Sportdirektor präsentieren“.

          Überraschend kommt das nicht. Seit Matthias Sammers Rücktritt vor einem Jahr war der Meister auf der Suche. Philipp Lahm, der Wunschkandidat von Karl-Heinz Rummenigge, sagte ab, Max Eberl, der von Hoeneß, ebenfalls. Nun werden wieder die üblichen Verdächtigen aufgelistet. Wer auch immer, wie Lahm und Eberl, erstens früherer Bayern-Profi und zweitens nicht auf den Kopf gefallen ist, hat schon gute Voraussetzungen für eine Kandidatur in der Gerüchteküche: wie Kahn, van Bommel, Linke oder Flick.

          Interessanter als der Name des Neuen wird seine Idee sein. Oder vielmehr die, die der Klub von ihm hat. Was soll ein Bayern-Sportdirektor? Ständig ganz nah an Team und Trainer bleiben, um Stimmungen zu erspüren, aber keine Verhandlungen führen, wie Sammer? Ein Chef, der mit den Profis nicht über Geld und Verträge spricht, sondern das anderen überlässt, kann nur begrenzte Autorität gewinnen. Oder eher als Drahtzieher im Hintergrund agieren, sich nicht ständig in die Kabine drängen, so wie es Lahm sich vorstellte? Eher auf Distanz zu Team und Tagesgeschäft? Hoeneß hat an beiden Definitionen des Jobs etwas auszusetzen. Seine eigene war immer anders: Ein Sportdirektor macht alles. So wie er es selbst tat.

          Dieser Posten hat im deutschen Fußball Gewicht, im Gegensatz etwa zu Spanien, wo traditionell Präsidenten das Sagen haben, und zu England, wo die Trainer, „Manager“ genannt, den Job des Sportdirektors miterledigen. Geprägt wurde das deutsche Modell von Günter Netzer in der Hamburger Erfolgsära von 1978 bis 1986, vor allem aber von Hoeneß, während der dreißig Jahre, in denen er den FC Bayern vom klammen Altmeister zur Weltmarke des Unterhaltungsgeschäfts machte. „Manager“ nannte man das damals noch – ein Job, der alles umfasste, vom Kindermädchen für jammernde Spieler bis zum knallharten Business- und Medienprofi, der Öffentlichkeit und Konkurrenz in Schach hielt.

          Noch gibt es in der Bundesliga Nischen für diese Alles-Manager, doch sie werden kleiner. Christian Heidel schuf sich eine in Mainz, so wie Eberl in Gladbach oder Jörg Schmadtke in Köln. Doch schon in Schalke, schon in Heidels erster Saison bei einem Großklub, stieß das Modell an Grenzen. Erst recht wäre das so bei einem XXL-Klub wie dem FC Bayern, der einen großen Stab hochqualifizierter Mitarbeiter hinter den Stars auf dem Rasen beschäftigt. Weltklubs sind heute komplexe Unternehmen, in denen delegiert und diversifiziert wird. In dieser Arbeitswelt wird ein Sportdirektor nicht mehr annähernd das Spektrum bearbeiten können, das Hoeneß abdeckte. Und dann hat er ja auch noch den Über-Manager Hoeneß über sich.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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