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Spektakel in München : Die große Show des Robert Lewandowski

Vier Treffer: Robert Lewandowski machte gegen die Hertha den Unterschied. Bild: AFP

Beim Spiel des FC Bayern gegen Hertha BSC überschlagen sich in der Schlussphase die Ereignisse. Kurz vor dem Abpfiff gleichen die Berliner aus – doch dann kommt Münchens Angreifer Robert Lewandowski noch einmal an den Ball.

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          Am Sonntag musste Hansi Flick nicht nur ein Spiel im Blick behalten, sondern gleich mehrere. Das erste Spiel verfolgte Flick in der Fußballarena in München, wo er, der Trainer des FC Bayern, die Dinge von seinem Platz an der Seitenlinie meistens sehr gut im Blick hat. Die anderen Spielchen verfolgte Flick vermutlich am Handy, wo Anrufe, E-Mails, SMS und fast alle anderen modernen Kommunikationsformen zusammenlaufen, die nötig sind, um die Entwicklungen auf dem Transfermarkt mitzubekommen. Und weil es dort so viel Hin und Her gab, dürfte es dieses Mal sogar Flick herausgefordert haben, die Dinge im Blick zu haben.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Am Sonntagabend zeigte sich, was das Spiel und die vielen Spielchen miteinander zu tun haben. In seiner Startelf gegen Hertha BSC konnte Flick im Außensturm mit Serge Gnabry nur einen Spezialisten aufstellen. Leroy Sané und Kingsley Coman fielen wegen Verletzungen aus. Einen vierten Mann sucht Flick noch. Es war daher auffällig, dass er am Samstag öffentlich von Callum Hudson-Odoi schwärmte („eines der größten Talente auf dieser Position“), einem Spieler, der dem FC Chelsea gehört, den der FC Bayern aber wollte, nicht zum ersten Mal übrigens.

          „In letzter Sekunde“, so meldete es „Bild“ vor dem Spiel gegen Hertha, scheiterte der Deal. Das Spiel gegen die Berliner ging dafür gut aus, weil die Bayern Robert Lewandowski haben, Europas Fußballer des Jahres. Weil der Stürmer vier Tore schoss – das letzte davon mit einem Strafstoß in der dritten Minute der Nachspielzeit –, siegten die Bayern 4:3. „Kompliment an die Mannschaft, was die Mentalität betrifft“, sagte Flick später, der Matchwinner Lewandowski für dessen „einzigartige Qualität“ lobte.

          Zwischenzeitlicher Kontrollverlust

          Der zwischenzeitliche Kontrollverlust – die Tore von Córdoba (59.), Cunha (71.) und Ngankam (88.) hatten die Hertha zum 2:2 und 3:3 geführt – lenkte die Aufmerksamkeit schnell auf den Transfermarkt. Wie aber gingen die vielen Spielchen dort aus? Es ist noch immer nicht ganz sicher, mit welchen Spielern Flick in den nächsten Wochen und Monaten planen kann. Spätestens an diesem Montag, wenn die Transferfrist um 18 Uhr endet, steht fest, ob der Trainer die Verstärkungen bekommen hat, die er sich gewünscht hat. Am Sonntag lautete die Tendenz: Ja, schon. Einen Transfer bestätigte der Verein: Der spanische Mittelfeldspieler Marc Roca, 23 Jahre alt, kommt von Espanyol Barcelona – und soll nun reinhüpfen in die Grube, die Thiago als Spielmacher hinterlassen hat.

          Zwei Transfers hat der Verein noch nicht bestätigt, sie sollen aber fest vereinbart sein: In der Außenverteidigung soll Bouna Sarr (28 Jahre alt, Olympique Marseille) auf der rechten Seite Benjamin Pavard entlasten. Im Sturm soll Eric Maxim Choupo-Moting (31 Jahre alt, vereinslos, bis vor kurzem aber bei Paris Saint-Germain) hin und wieder für Robert Lewandowski einspringen. Es ist zumindest fraglich, ob Sarr und Choupo-Moting auf dem höchsten Niveau helfen können. Bis Montagabend gilt es andere Fragen zu klären: Was etwa machen die Bayern mit Joshua Zirkzee und Michaël Cuisance, der schon in Leeds war, aber den Medizincheck nicht bestanden hat? Und finden sie noch einen Außenstürmer? Italienische Medien melden: Ja. Douglas Costa soll demnach auf Leihbasis von Juventus Turin nach München zurückkehren.

          Ausnahmespieler: Bayern Münchens Robert Lewandowski
          Ausnahmespieler: Bayern Münchens Robert Lewandowski : Bild: Reuters

          Am Sonntag füllte Flick diese Lücke geschickt. Er stellte Alphonso Davies, den Linksverteidiger der Triple-Saison, als offensiven Linksaußen und den formstarken Lucas Hernández als defensiven Linksaußen auf. Dadurch durfte Thomas Müller wieder in die Mitte, wo er sich wohl fühlt – hinter Lewandowski, dem Mann des Abends. Der schoss den Ball in der 40. Minute flach ins Tor, nachdem Hertha-Keeper Alexander Schwolow zuvor einen Kopfball von ihm abgewehrt hatte. Schon in der neunten Minute hätte Lewandowski das 1:0 machen müssen. Doch Schwolow schmiss sich vor den Ball.

          In der zweiten Halbzeit durfte Lewandowski zeigen, warum er in der vergangenen Woche zu Europas Fußballer des Jahres gewählt worden ist. Im Strafraum nahm er den Ball an, drehte sich und schoss ihn flach und fest ins lange Ecke (51.). Das Tor brach den Widerstand der Hertha aber nicht, sondern leitete ihn ein. In der 53. Minute musste Manuel Neuer einen Schuss von Matheus Cunha wegfausten. In der 59. Minute konnte Neuer einen festen Kopfball von Córdoba nicht mehr aufhalten. Auf einmal fehlte der Hertha nur ein Tor.

          Das folgte nur zwölf Minuten später. Cunha spielte an der Strafraumgrenze einen Doppelpass mit dem eingewechselten Krzysztof Piatek – und schoss den Ball an Neuer vorbei. Danach ging es hin und her. Schwolow lenkte einen Lewandowski-Freistoß über das Tor. Die finalen acht Minuten waren besonders verrückt. Auf der einen Seite traf Lewandowski mit dem Fuß (85.), auf der anderen der eingewechselte Jessic Ngankam mit dem Kopf. In der Nachspielzeit foulte Maximilian Mittelstädt Lewandowski. Den spielentscheidenden Strafstoß versenkte der Pole dann natürlich selbst.

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