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Asienreise des FCB : Der FC Bayern und sein Reich der Mitte

  • -Aktualisiert am

Hauptsache gute Laune: Die Bayern entspannen nach Training und PR-Terminen Bild: Reuters

Rasen, golfen, Hände schütteln: Für die Münchner geht es in China nur selten um Fußball. Trotzdem sucht Trainer Guardiola zwischen den PR-Terminen noch die richtige Mischung für die neue Saison.

          David Alaba, Mario Götze, Robert Lewandowski und Neuzugang Douglas Costa waren gekommen, um zu rasen. Auf dem „Shanghai Race Circuit“, der Formel-1-Grand-Prix-Strecke Chinas, durften die Bayern-Spieler nach einem kurzen Briefing allein ein paar Runden drehen - in herkömmlichen Sportwagen eines Sponsors. Montag war der Marketing-Tag auf der China-Reise des deutschen Rekord-Fußballmeisters, und die Spieler schwärmten aus, um die ganzen Events abzudecken. Nach dem geheimen Vormittagstraining musste der Brasilianer Thiago mit Neuzugang Joshua Kimmich zur Filiale eines bayerischen Bierbrauers, viele andere Bayern-Partner wurden für „Meet & Greet“-Events mit Profis „versorgt“.

          Trainer Pep Guardiola wählte die Option Golf. Kein Wunder - der Spanier hat ein einstelliges Handicap, aus seiner Mannschaft soll Thomas Müller der Beste sein. Rund eine Stunde vom Mannschaftshotel in Downtown Schanghai entfernt, spielten die Golf-Profis unter den Bayern-Profis neun Löcher. Neben dem Coach und Müller waren Philipp Lahm, Sebastian Rode und der neue Ersatztorhüter Sven Ulreich auf dem „Sheshan Intern Golf Court“ dabei.

          Guardiola muss improvisieren

          Und der Fußball? Die Vorbereitung auf die neue Saison? Läuft nebenher. Das Marketing geht in dieser Woche in China vor. Am Dienstag treffen die Bayern im „Shanghai Stadium“ auf Inter Mailand, der nächste Test nach dem 4:1 vom Samstag gegen den FC Valencia. Zum Abschluss der PR-Reise geht es am Donnerstag in Guangzhou gegen das chinesische Spitzenteam Meister FC Evergrande, zuletzt viermal hintereinander chinesischer Meister.

          Riesenandrang: Auch im Reich der Mitte haben die Münchner viele Fans

          Pep Guardiola muss also improvisieren, die richtige Mischung finden. Daher bat der Spanier die Vereinsbosse, mindestens eine Woche vor dem Supercup-Duell mit dem VfL Wolfsburg am 1. August wieder in München zu sein. Vorher kommt der Schweiß. Nicht weil die Einheiten so hart sind wie vielleicht früher bei den Trainingslagern am touristischen Gardasee oder im beschaulichen Donaueschingen, sondern wegen der enormen Luftfeuchtigkeit, die von Station zu Station, von Peking nach Schanghai und nach Guangzhou, stetig zunimmt.

          Was also kann Guardiola in China überhaupt ankurbeln? Die Integration der Neuen etwa, Teambuilding, das Einschwören auf die Ziele der Saison. Die magische Vier hat Sportdirektor Matthias Sammer als Leitmotiv ausgegeben. Noch nie hat eine Bundesliga-Mannschaft die Meisterschale viermal hintereinander gewinnen können. Operation vier ist abhängig davon, wie das Mittelfeld ohne Bastian Schweinsteiger funktionieren wird. Der Vizekapitän ist zu Manchester United gewechselt. Mehr als der tatsächliche sportliche dürfte der personelle Verlust wiegen, seit einer Woche fehlt der Anführer und Antreiber.

          Was halten Guardiola und Müller eigentlich von der Asienreise?

          Nun baut Guardiola das Mittelfeld in der Saison eins nach Schweinsteiger. Pep und sein Reich der Mitte. Nicht weniger als neun Mittelfeld-Spieler kämpfen im Zentrum um die Positionen - je nachdem, ob der Trainer mit Dreier- oder Viererkette spielen lässt. Als da wären: Xabi Alonso, Thiago, Philipp Lahm, David Alaba, Mario Götze, Sebastian Rode, Gianluca Gaudino, Neuzugang Joshua Kimmich und Rückkehrer Pierre-Emile Höjbjerg. Einzige Ausweichmöglichkeit: Lahm und Alaba könnten auch auf den Abwehrseiten spielen. „Ich liebe Mittelfeldspieler“, sagte Guardiola einmal, „am liebsten hätte ich 1000 davon.“

          Er ist auf dem besten Wege. Denn der nächste Transfer eines Experten dieser Zunft steht kurz bevor: Juventus Turin pokert nur noch um die Ablösesumme für Arturo Vidal. Wenn der Chilene da ist, wird das Gedränge noch größer. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass weitere Abgänge oder Ausleihen sehr wahrscheinlich werden.

          Mit Vidal hätte Guardiola einen Profi im Kader, der das verkörpert, was die anderen nicht haben. Ganz in der Tradition von Bulle Roth über Stefan Effenberg bis hin zu Mark van Bommel. Lästig sein, unangenehm, dem Gegner weh tun. Das Reich der Mitte soll für den Gegner die Hölle sein. Die Chinesen übrigens nennen ihr Land so, weil sie glauben, ihr Land liege in der Mitte zwischen Himmel und Erde. Wo steht Bayern am Ende der Saison? Himmel oder Hölle?

          Das Duo Robben/Ribéry, der Schrecken aller Außenverteidiger, fehlte vergangene Saison in den entscheidenden Wochen der Rückrunde - auch deshalb ging es ab Mitte März bergab, scheiterte man in beiden Pokalwettbewerben. Nun soll die Renaissance des Flügelspiels erfolgen, damit Robert Lewandowski oder Thomas Müller in der Mitte treffen. Speziell dafür wurde Douglas Costa für 30 Millionen Euro von Schachtjor Donezk verpflichtet - als Konkurrent von Franck Ribéry auf links. „Müller und Lewandowski können im Zentrum besser agieren mit diesen typischen Spielern auf den Flügeln wie Costa oder Ribéry und Robben“, erklärte Guardiola. „Wir brauchen diese Spieler für das Eins-gegen-eins, dann waren wir gut. Wenn ein Spieler auf dem Flügel einen anderen ausdribbelt, ist die Situation auf dem Platz sofort eine komplett andere.“

          Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer war auch zum Golfplatz „Sheshan“ gekommen. Er plauderte ganz locker mit Guardiola, sagte: „Euer 4:1 gegen Valencia sah doch schon recht ordentlich aus, das hat mir gut gefallen. Ich bin optimistisch für die neue Saison. Alles Gute!“ Pep nickte, nahm dankend an. Und weil der Kaiser in China schon mal dabei war, gab er Guardiola noch einen wertvollen Tipp: „Für einen Trainer bei Bayern ist es immer das Gleiche: Du musst einfach deine Spiele gewinnen.“ Na, wenn es sonst nichts ist.

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